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    Kitzingen

    Umfrage zum Klimaschutz: „Wir sind nicht alleine auf der Welt“

    "Wie könnt ihr es wagen?" - Diese Frage stellen Klimaschützer weltweit den Politikern. Jüngst tat dies Aktivistin Greta Thunberg beim Weltklimagipfel in New York. Unser Foto zeigt eine Demo in Berlin. Foto: AFP/TOBIAS SCHWARZ

    Mit drastischen Worten hat die junge Schwedin Greta Thunberg beim jüngsten UN-Klimagipfel den Mächtigen der Welt die Leviten gelesen und an ihre Verantwortung für nachfolgende Generationen appelliert. Für ihren zornigen Auftritt erntete sie Lob, aber auch Kritik. Bei unserer Umfrage auf dem Kitzinger Marktplatz haben uns einige Bürger erzählt, was sie von der Rede der 16-jährigen Klimaaktivistin halten – und was sie selbst für den Klimaschutz tun.

    Annette Fernandes, Kitzingen Foto: waltraud ludwig

    Annette Fernandes findet den Auftritt von Greta Thunberg gut. "Teilweise war ihre Rede sehr emotional und aggressiv. Aber da ist mal jemand, der richtig aufrüttelt und die Wahrheit sagt", meint die Kitzingerin. Der eindringliche Appell sei dringend notwendig: "Wenn die Welt nicht langsam aufwacht – dann gute Nacht." Die 67-Jährige hat ihre Lebensweise bereits umgestellt: Wenn sie auf dem Markt Käse oder Wurst kauft, nimmt sie einen Behälter mit. Ihre Kleidung holt sie sich im Secondhand-Laden. Und mit frischem Gemüse versorgt sie sich aus dem eigenen Garten, ganz ohne chemische Dünge- oder Spritzmittel.

    Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Jeder Einzelne ist gefragt.

    Richard Orth und seine Frau leben ebenfalls umweltbewusst. Der 78-Jährige stammt aus der Landwirtschaft und ist in der Nachkriegszeit aufgewachsen. "Früher ist man achtsam mit den Ressourcen umgegangen. Man hat nichts verschwendet oder weggeworfen", blickt er zurück. Diese Einstellung prägen ihn und seine Frau bis heute. Nie würde das Ehepaar Lebensmittel wegwerfen. Der Sickershäuser sammelt sogar regelmäßig fremden Abfall ein; mitunter spricht er die Leute auch darauf an. "Die meisten", so seine Erfahrung, "reagieren erschrocken." Oft sei es einfach Gedankenlosigkeit, wenn Müll achtlos am Wegesrand weggeworfen werde.

    Richard Orth, Sickershausen Foto: waltraud ludwig

      

    Dass Greta Thunberg öffentlich für den Schutz des Klimas kämpft, beeindruckt Richard Orth sehr. In einigen Punkten gibt er ihr recht, in anderen Punkten hält er ihre Wortwahl für "ein bisschen überzogen". Generell stimmt er jedoch mit der jungen Schwedin überein: "Wir sind nicht allein auf der Welt. Jeder muss mithelfen, dass unser Klima geschützt wird."  

    Carsten Klug, Winterhausen Foto: waltraud ludwig

    Carsten Klug stört die Art und Weise, wie Greta Thunberg für ihr Anliegen eintritt, nicht. "Prinzipiell sind Emotionen etwas Gutes, und sie kann gerne mit Emotionen ihre Meinung sagen", findet der 22-Jährige. Dennoch müsse sich die junge Generation auch an die eigene Nase fassen. "Wir können nicht sagen: Nur die ältere Generation ist schuld. Wir müssen auch selbst etwas tun." Zum Einkaufen nimmt der junge Winterhäuser deshalb immer eine Tasche mit. Außerdem nutzt er für kurze Strecken die Bahn oder das Rad.

    Wolfgang Schäfer, Sommerach Foto: waltraud ludwig

    Wolfgang Schäfer ist davon überzeugt, dass jeder seinen Teil zum Klimaschutz beitragen muss. "Ich kaufe nur das, was ich wirklich brauche", sagt der Sommeracher. Das gilt bei Lebensmitteln ebenso wie bei Kleidung. "Lieber weniger, dafür gute Qualität", lautet sein Motto. "Das schmeckt besser und hält länger." Fleisch isst der 58-Jährige wenig, dafür mit Genuss. Obst und Gemüse erntet er größtenteils im eigenen Garten, falls nötig, kauft er nur regionale Produkte. Außerdem fährt er nach Möglichkeit mit dem Rad oder geht zu Fuß. "Dadurch spart man Geld, tut etwas für die eigene Gesundheit und schont die Umwelt."  

    Wie die Schwedin Greta Thunberg für den Klimaschutz eintritt, ist für den Sommeracher absolut in Ordnung. "Sie ist eine Jugendliche und zeigt ihre Gefühle. Das ist richtig so. Wenn sie hinter ihrer Meinung steht und das emotional zum Ausdruck bringt, darf sie das." Gleichwohl müsse man immer beide Seiten sehen, auch ihre Kritiker hätten in manchen Punkten Recht. Fest steht für ihn: "Das Klimaproblem kann nur in einem weltweiten Prozess, an dem sich alle Länder beteiligen, gelöst werden."

    Agnes Lederer, 40, Buchbrunn Foto: waltraud ludwig

    Agnes Lederer ist das Thema Klimaschutz ebenfalls sehr wichtig. Als Mutter macht sie sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder. Nicht zuletzt deswegen bemüht sie sich, selbst etwas für die Umwelt zu tun. So verzichtet die 40-Jährige Buchbrunnerin beim Einkauf auf Plastiktüten, versucht Produkte mit  Plastikverpackung zu meiden und fährt öfter mal Rad statt Auto.

    Jürgen Kuhn und seine Familie haben schon vor Jahren damit begonnen, ihre Lebensweise umzustellen. Vor einigen Jahren haben sie ihr Auto veräußert, seitdem fahren sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Außerdem kaufen sie in einem "Unverpackt-Laden" ein, wo die Waren offen angeboten werden.

    "Anfangs war es schon eine Umstellung. Aber inzwischen ist es total entspannend", berichtet der aus Kitzingen stammende Wahl-Berliner. Nicht alles gelinge ihm und seiner Familie umzusetzen, auf manches wollten sie auch nicht verzichten. "Aber man muss sich auf den Weg machen und ausprobieren, welche neuen Wege es gibt." Das Gefühl, dass ihm etwas fehlt, hat der 57-Jährige nicht. Im Gegenteil. "Der Verzicht auf manche Dinge ist bereichernd. Wir haben ein anderes Leben und an Lebensqualität gewonnen."

     

      

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