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    HÖRBLACH

    Umgehungsstraße brachte mehr Lebensqualität

    Verkehrsfreigabe: Am 6. Dezember 1994 trugen (von links) Werner Grimm (Bürgermeister von Schwarzach), Robert Falkenstein (Sprecher der BI Hörblach), Siegfried Naser (Ex-Landrat), Karin Radermacher (Ex-MdL), Volker Fehn (Baudirektor Staatliches Bauamt) und Rolf Berneiser (Geschäftsführer Fa. Scheidt) die letzte Straßenbake weg.
    Verkehrsfreigabe: Am 6. Dezember 1994 trugen (von links) Werner Grimm (Bürgermeister von Schwarzach), Robert Falkenstein (Sprecher der BI Hörblach), Siegfried Naser (Ex-Landrat), Karin Radermacher (Ex-MdL), Volker Fehn (Baudirektor Staatliches Bauamt) und Rolf Berneiser (Geschäftsführer Fa. Scheidt) die letzte Straßenbake weg. Foto: ArchivPeter Pfannes

    „Unser Bürgerprotest hat sich gelohnt“, sagte Robert Falkenstein am Sonntag im voll besetzten Feuerwehrhaus in Hörblach. Falkenstein war von 1986 bis 1994 Sprecher der Bürgerinitiative (BI), die sich für den Bau einer Umgehungsstraße einsetzte. Weil die Kinder von damals mittlerweile erwachsen geworden sind und nur wenige die Hintergründe kennen, luden Falkenstein und seine Mitstreiter zu einem Infonachmittag ein. Während der Nachwuchs von einst bei Falkensteins Powerpoint-Vortrag die Ohren spitzte, feierten die älteren Hörblacher den 20. Geburtstag der Umgehung.

    Am 6. Dezember 1994 trugen der damalige Schwarzacher Bürgermeister Werner Grimm, der frühere Landrat Siegfried Naser und MdL Karin Radermacher mit den Hörblacher Aktivisten die symbolische Straßenbake an der neuen Umgehungsstraße weg. 30 Jahre Planungsarbeit und leidenschaftlich geführte Kämpfe der Bevölkerung für eine bessere Wohnqualität im Dorf fanden am Nikolaustag ein Ende. Groß wurde die Eröffnung der neuen Umgehung gefeiert. „So wie sie zuvor mit ihrer Bürgerinitiative für die Umgehung gekämpft hatten, so standen sie bei der Straßenfreigabe im Kreis um die Redner“, lobte die lokale Presse am 8. Dezember 1994 die Hörblacher. In nur drei Monaten Bauzeit war das 800 Meter Teilstück der Staatsstraße 2271 um Hörblach herum verwirklicht worden. Es war der Startschuss für die Umgehungen von Stadtschwarzach, Münsterschwarzach, Gerlachshausen und Sommerach. So kurz die Bauzeit war, so lang war der Weg bis zur Verwirklichung der Umgehung. 1960 kamen die ersten Planungsgedanken auf. 1983 lehnte der Schwarzacher Gemeinderat die Umgehungstrasse zunächst ab.

    Ein Urkämpfer pro Umfahrung war damals Leo Falkenstein. Der heute über 80-Jährige erinnert sich an seine Teilnahme an der Gemeinderatssitzung. „Ich bin damals aufgestanden und habe gesagt, dass alle Räte, die dagegen gestimmt haben, zur Rechenschaft gezogen werden sollten.“ Schwarzacher Geschäftsleute hätten um ihre Kunden gefürchtet, nennt Falkenstein mögliche Beweggründe der Umgehungsgegner im Gemeinderat. Einige Jahre später änderte das Gremium seine Meinung. Für Landwirt Willi Fröhling und seine Frau Irene ist die Umgehung wie eine Erlösung. „Unser Dorf war wegen des dichten Verkehrs oft verstopft und wir sind mit unseren landwirtschaftlichen Fahrzeugen kaum aus unseren Höfen herausgekommen“, sagen sie rückblickend. „Wir haben damals neben der Kirche gewohnt. Es war eine Katastrophe“, erinnert sich der Landwirt. „Der Krach vom Verkehr war der Wahnsinn“, ergänzt seine Frau. Geschlossen habe man im Ort für die Umgehung gekämpft.

    „Der Verkehr war so groß, dass man die Straße nicht ohne Gefahr überqueren konnte“, erzählt Hedwig Babich. Sie hatte damals ein kleines Kind und war in ständiger Angst. Mit mehreren Verkehrsblockaden und weiteren Aktionen machte die BI auf das Verkehrschaos aufmerksam. Heute sind sich alle einig: „Durch die Umgehung ist es viel ruhiger im Dorf geworden.“ Der enorme Verkehr auf der Umgehung stört allerdings immer noch. „Die Geschwindigkeit muss begrenzt werden. Man kann dort nicht mehr gefahrlos über die Straße laufen. Es ist lebensgefährlich“, wünscht sich Irene Fröhling ein striktes Tempolimit auf der Umgehungsstraße. Gekracht habe es an den beiden Einfahrten von der Umgehung in den Ort bereits mehrfach.

    Insgesamt ist man aber zufrieden in Hörblach mit der Situation und dankbar für den Einsatz der Entscheidungsträger und der damaligen Dorfbewohner wie Robert Falkenstein. Der einstige BI-Sprecher zeigte mit seiner Dia-Show den Besuch von Staatssekretär Peter Gauweiler, die Totalblockade im Juli 1993 und die Eröffnungszeremonie am Nikolaustag 1994. Falkenstein ist felsenfest davon überzeugt, dass ohne die Umgehung die jüngsten Entwicklungen der Ortskerne von Stadtschwarzach und Münsterschwarzach nicht hätten stattfinden können. Sein persönliches Fazit: „Die Lebensqualität ist um einhundert Prozent gestiegen.

    Verkehrschaos: Mit ein paar Traktoren, welche sie im Frühjahr 1994 in ihrer Ortsdurchfahrt demonstrativ parkten, brachten die Hörblacher den Verkehr komplett zum Erliegen. Die Demos der BI interessierten die Medien besonders.
    Verkehrschaos: Mit ein paar Traktoren, welche sie im Frühjahr 1994 in ihrer Ortsdurchfahrt demonstrativ parkten, brachten die Hörblacher den Verkehr komplett zum Erliegen. Die Demos der BI interessierten die Medien besonders. Foto: ArchivPeter Pfannes
    Verkehrsstopp: Die Mitstreiter der Hörblacher BI sorgten am 18. Juli 1993 im Dorf für eine Totalblockade der Staatsstraße 2271. Am Rednerpult sagte Ex-Landrat Siegfried Naser den verkehrsgestressten Bürgern seine Unterstützung zu.
    Verkehrsstopp: Die Mitstreiter der Hörblacher BI sorgten am 18. Juli 1993 im Dorf für eine Totalblockade der Staatsstraße 2271. Am Rednerpult sagte Ex-Landrat Siegfried Naser den verkehrsgestressten Bürgern seine Unterstützung zu. Foto: ArchivPeter Pfannes
    Verkehrsgegner: Robert Falkenstein, einstiger Sprecher der BI Hörblach, erinnerte im Feuerwehrhaus mit eindrucksvollen Bildern an den langen Kampf für eine Ortsumfahrung.
    Verkehrsgegner: Robert Falkenstein, einstiger Sprecher der BI Hörblach, erinnerte im Feuerwehrhaus mit eindrucksvollen Bildern an den langen Kampf für eine Ortsumfahrung. Foto: Peter Pfannes
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