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    Kitzingen

    Umweltpreis: Auch kleine Lebewesen benötigen Schutz

    Drei Naturschützer teilen sich den Umweltpreis 2019 des Landkreises Kitzingen. Sie eint ihr unermüdlicher Einsatz für Tiere und Pflanzen. Vieles ist zum Nachmachen geeignet.
    Umweltpreis-Trägerin Gerda Hartner (links im Bild) in ihrem Element: Im vergangenen Jahr gab sie im Rahmen der der Ausstellung 'Die großen Vier' in Volkach ihr Wissen über Wolf, Bär, Luchs und Mensch auch an Volkacher Grundschüler weiter.
    Umweltpreis-Trägerin Gerda Hartner (links im Bild) in ihrem Element: Im vergangenen Jahr gab sie im Rahmen der der Ausstellung "Die großen Vier" in Volkach ihr Wissen über Wolf, Bär, Luchs und Mensch auch an Volkacher Grundschüler weiter. Foto: Sabine Huppmann

    Umweltschutz ist vielen Menschen wichtig – und nicht erst zu Zeiten der Fridays-for-Future-Demonstrationen. Viele setzen sich seit Jahrzehnten für Tier- und Pflanzenwelt ein, auch im Landkreis Kitzingen. Um die Arbeit der Institutionen und ehrenamtlich Tätigen im Umweltbereich zu würdigen, verleiht der Landkreis seit 1985 den Umweltpreis. Diese Auszeichnung soll laut Landrätin Tamara Bischof Umweltschützer hervorheben und öffentlich bekannt machen. Bestenfalls sollen so neue Mitstreiter gefunden werden, die sich ehrenamtlich für Projekte engagieren.

    Insgesamt ist der Umweltpreis 2019 mit 1000 Euro dotiert, doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. Laut Umweltreferent Josef Wächter hat die Landrätin vorgeschlagen, das Preisgeld zu erhöhen, um die vorbildlichen Naturschützer noch mehr wertzuschätzen. Das Geld wird zudem gerecht unter den drei Preisträgern aufgeteilt; früher gab es die Plätze eins bis drei. Doch könne Geld laut Wächter die ehrenamtliche Arbeit der Preisträger nicht aufwiegen.

    Drei Arten- und Naturschützer der Region wurden mit dem Umweltpreis 2019 des Landkreises Kitzingen für ihr jahrzehntelanges Engagement geehrt (von links): Gerda Hartner, Landrätin Tamara Bischof, Lara Holynski (in Vertretung für Preisträger Otto Holynski), Ottmar Deppisch und Umweltreferent Josef Wächter.
    Drei Arten- und Naturschützer der Region wurden mit dem Umweltpreis 2019 des Landkreises Kitzingen für ihr jahrzehntelanges Engagement geehrt (von links): Gerda Hartner, Landrätin Tamara Bischof, Lara Holynski (in Vertretung für Preisträger Otto Holynski), Ottmar Deppisch und Umweltreferent Josef Wächter. Foto: Christine Pfanzer

    Von Insektenhotels bis Krötenwanderung

    Gerda Hartner aus Eichfeld bei Volkach ist die erste der ausgezeichneten Umweltschützer für 2019. Der Umwelt- und Naturschutz hat sie früh geprägt, denn ihre Eltern bewirtschafteten in den Nachkriegsjahren, in denen sie aufwuchs, einen Bauernhof. Die ausgebildete Fachlehrerin für Ernährung und Gestaltung ist seit über 40 Jahren Mitglied der Volkacher Ortsgruppe des Bund Naturschutzes. Als im Jahr 2010 deren langjähriger Vorsitzende, Hans Schneider, zurückgetrat, hat sie die Stellvertretung unter Willi Freibott übernommen.

    Eine Aktion, die Hartner im Verein besonders geprägt hat, ist die Unterstützung der Kröten bei ihrer Wanderung. Vor rund 27 Jahren habe sie Amphibien noch eigenhändig über Straßen getragen. Später habe man auch Hindernisse für die Tiere an den Straßenrändern aufgebaut und Kröten in aufgestellten Eimern eingefangen, gezählt und über die Fahrbahn getragen. Heutzutage gebe es immer häufiger Tunnel, durch die die Tiere gefahrlos auf die andere Seite der Straße gelangen. Darüber freut sich die Umweltschützerin.

    Referentin für Gartengestaltung und Ernährung

    Im Verein ist Hartner vielseitig engagiert. Wegen ihres großen Wissens aus ihrer Kindheit und aus ihrem Schuldienst unterstützt sie den Bund Naturschutz stark. So ist die pensionierte Fachlehrerin bei Informationsveranstaltungen für Jung und Alt zum Thema "Gartengestaltung" und bei Pflanzaktionen immer zur Stelle. Des Weiteren hält sie Vorträge über gesunde Ernährung und spricht darüber, wie man Plastikmüll vermeidet.

    Ein Projekt Hartners war im vergangenen Jahr die Organisation und Durchführung der Ausstellung "Die großen Vier" in der Barockscheune in Volkach. Bei Führungen gab sie ihr Wissen über Wolf, Bär, Luchs und Mensch an die zahlreichen interessierten Kinder und Erwachsenen weiter. Auch in diesem Jahr hat der Bund Naturschutz in Volkach mit seiner stellvertretenden Vorsitzenden einiges vor. Allen voran ist das Reparatur-Café zu nennen, das seit gut einem Jahr alle paar Monate in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Volkach stattfindet. Unter dem Motto "Reparieren statt Wegwerfen" wird die Veranstaltung immer beliebter. Menschen können dort ihre defekten Kleidungsstücke, Spielsachen sowie Möbel oder Haushaltsgeräte vorbeibringen. Ehrenamtliche versuchen dann, diese zu reparieren, was Müll vermeidet. Das Prinzip hat im Landkreis Nachahmer gefunden. Bianca Tröge, die in Kitzingen ein Kreativcafé betreibt, möchte die Aktion in die Kreisstadt bringen.

    Altmain als wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen

    Ein weiteres Projekt von Hartner und ihrem Team ist die Gestaltung der Mainlände im Bereich der Stadt Volkach. Nach dem gewonnenen Bürgerentscheid gegen das Stelzenhotel vor rund eineinhalb Jahren soll zwischen dem Campingplatz und dem Wohnmobilstellplatz am Main wieder ein bisschen mehr Natur zurückgewonnen werden. So könne laut Hartner mehr Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen werden. Des Weiteren strebe der Bund Naturschutz laut der Umweltschützerin weitere ökologische Maßnahmen zur Aufwertung des Altmains an. Die rund zwölf Kilometer lange Strecke zwischen Astheim und Gerlachshausen ist als Natur- und Vogelschutzgebiet ausgezeichnet und seit langem nicht mehr für Fracht- und Passagierschiffe zu befahren. Dadurch werden viele Tiere und Pflanzen nicht gestört. Laut Hartner mache die Arbeit im Verein sehr viel Spaß, auch wenn sie nicht immer leicht und erfolgreich sei.

    Preisträger Otto Holynski hat unter anderem rund um Kitzingen fünf Stationen aufgebaut, an denen er die Tiere füttert. Das Bild entstand im Jahr 2017.
    Preisträger Otto Holynski hat unter anderem rund um Kitzingen fünf Stationen aufgebaut, an denen er die Tiere füttert. Das Bild entstand im Jahr 2017. Foto: Martin Nefzger

    Wegen seiner hervorragenden jahrzehntelangen Arbeit im Arten- und Umweltschutz erhält Otto Holynski als zweite Preisträger den Umweltpreis – nicht zum ersten Mal. Bereits 2006 hat der heute 95-Jährige diese Auszeichnung erstmals vom Landkreis Kitzingen erhalten, da sein Wirken laut Landrätin Bischof über das normale Naturschutzengagement hinausgehe. Holynski, den krankheitsbedingt seine Enkelin Lara vertrat, setzt sich für den Tierschutz ein, seitdem er elf Jahre alt ist. Damals befreite er einen Erlzeisig aus einer Lebendfalle und päppelte den kleinen Vogel auf. Von da an hatte ihn die Liebe zu den Tieren, besonders zu Vögeln, nicht mehr losgelassen.

    Weinbergsnetze sind für Vögel eine tödliche Falle

    Was Holynski erzürnte: Nach dem Krieg beobachtete er, dass einige US-Soldaten Saatkrähen zum Vergnügen abschossen. Zudem stellte der Ornithologe über Jahre hinweg vergiftete Vögel fest; dies gipfelte in über 500 tote Tiere im Jahr 1981. Um die Sterberate von Vögeln in den Weinbergen zu minimieren, beriet er einige Jahre lang beim Einsatz von Weinbergsnetzen. Darin verfangen sich viele Vögel und verenden oft qualvoll. Dies möchte der Ornithologe weiter verhindern.

    Als Rentner ergriff er weitere Maßnahmen zur Rettung von Vögeln, denn ihm fiel schon Ende der 1980er Jahre die Nahrungsknappheit auf, die heute aktueller denn je sei. Vor circa 30 Jahren errichtete er zum Beispiel Drahtkörbe, die man im Main versenken konnte und in denen Fische für Reiher gefangen waren, die sich die Vögel so einfacher schnappen konnten. Als Unterstützung für die Futtersuche der Eulen im Winter errichtete er sogenannte Mäuseburgen, in denen sich kleine Nager ansiedeln und so den nachtaktiven Beutetieren als Futterstelle dienen.

    Für das Landratsamt kartiert Holynski seit vielen Jahren etwa das Brutvorkommen geschützter Vogelarten. Die Ergebnisse wurden auch in den Bayerischen Brutvogelatlas aufgenommen. Naturschutzarbeit kann so gezielt angepackt werden.

    Familie pflegt kranke Vögel gesund

    Der dritte Preisträger hat ebenfalls seine zweite Auszeichnung erhalten. Ottmar Deppisch gründete 1984 mit Mitstreitern die LBV-Ortsgruppe Dettelbach und ist seit 30 Jahren deren Vorsitzender. Die Mitglieder pflanzen Bäume und Hecken, bewirtschaften ökologisch Streuobstwiesen oder bringen Nistkästen an. "Viele Leute klingeln auch bei uns zuhause und bringen kranke und verletzte Vögel vorbei", sagt Deppisch. Die Familie pflegt diese gesund.

    Ottmar Deppisch, Vorsitzender der LBV-Ortsgruppe Dettelbach, eröffnete im vergangenen Jahr den Totholzgarten im Bibergauer Grund.
    Ottmar Deppisch, Vorsitzender der LBV-Ortsgruppe Dettelbach, eröffnete im vergangenen Jahr den Totholzgarten im Bibergauer Grund. Foto: Caroline Münch

    Vergangenes Jahr wurde ein Langzeitprojekt eröffnet, das tausenden Insekten, Pilzen, Flechten und Moosen als Lebensraum und Nahrungsquelle dienen soll: der Totholzgarten im Bibergauer Grund. Nachdem Unmengen Müll entfernt waren, wurde dort aus einem großen Haufen Häckselgut für mulmbewohnende Käfer eine Kinderstube gefertigt. Ein Sandarium soll vor allem Wildbienen als Nistplatz und aufgestellte schwere Baumstämme Insekten und Pflanzen als Lebensraum dienen.

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