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    LANDKREIS KITZINGEN

    Verblühende Landschaften: So trifft Corona Kitzinger Gärtnereien

    Das waren noch Zeiten, als die Besucher in die Gärtnereien strömten, um Frühjahrsblüher einzukaufen. Wegen der Corona-Krise sind die Betriebe bis Anfang April geschlossen. Wichtige Einnahmen gehen verloren. Archiv
    Das waren noch Zeiten, als die Besucher in die Gärtnereien strömten, um Frühjahrsblüher einzukaufen. Wegen der Corona-Krise sind die Betriebe bis Anfang April geschlossen. Wichtige Einnahmen gehen verloren. Archiv Foto: Robert Haass

    Alexander Lauk macht sich Sorgen. „Die Zeit von März bis Mai ist für uns die absolut wichtigste im Jahr“, erklärt er. Seit Samstag letzter Woche ist der Verkauf auch in seiner Gärtnerei eingestellt. Die Betriebe in Bayern bleiben auf ihren Zierpflanzen sitzen. Sie hoffen auf ein Entgegenkommen der Politik – und ein schnelles Ende der Corona–Krise.

    Jörg Freimuth weiß um die Nöte der Betriebe. Beim Geschäftsführer des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes stehen die Telefone seit Tagen nicht still. „Gerade im Zierpflanzenbau herrscht eine besondere Betroffenheit“, weiß er. 50 bis 70 Prozent des Jahresumsatzes werden innerhalb von acht Wochen gemacht. Doch jetzt müssen die Betriebe ihre Türen für mindestens zwei Wochen schließen. Erschwerend kommt hinzu, dass manche Lebensmitteleinzelhändler ihre Aufträge stornieren. Und die Baumärkte, als wichtige Abnehmer, sind ebenfalls zu. Zumindest in Bayern.

    „Die Stimmung ist

    total im Keller.“

    Dr. Andreas Becker, Leiter Abteilung Gartenbau

    Tatsächlich haben benachbarte Bundesländer andere Regelungen. In Baden-Württemberg, in Hessen und in Sachsen sind die Baumärkte weiterhin geöffnet. Das sorgt für Unverständnis in einer Branche, die auf gute Geschäfte im Frühjahr angewiesen ist. Anders als mancher Einzelhändler können die Gärtner ihre Waren nicht einlagern, um sie im Sommer oder im Herbst loszuwerden. „Jetzt müssen wir unsere Waren verkaufen können“, betont Lauk.

    Seit dem Herbst produziert er Ranunkeln, Stiefmütterchen und Co. für die jetzige Verkaufssaison, die aufgrund der Einschränkungen größtenteils entfällt. Er hat in die Samen, die Bewässerung und den Strom investiert. „Und jetzt stehe ich da und muss mit Umsatzeinbußen zurecht kommen.“ Dr. Andreas Becker steht in ständigem Kontakt mit den Betrieben vor Ort und dem Landwirtschaftsministerium in München. „Die Stimmung ist total im Keller“, berichtet der Leiter der Abteilung Gartenbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen. Kein Wunder: Die allermeisten sind Direktvermarkter, sie bleiben auf ihren Erzeugnissen sitzen. Dabei müssten die Frühjahrsblüher jetzt verkauft werden. Nicht nur, weil sie in Kürze verwelken. Die Betriebe müssen auch Platz schaffen für die Sommerware, die jetzt eingetopft werden sollte. „Wenn diese Produkte auch nicht verkauft werden können, dann gute Nacht“, sagt Becker.

    Vorerst gilt die Schließung der Gärtnereien bis zum 3. April. Betriebe, die Gemüse anbauen, dürfen öffnen, um ihre Kartoffeln oder ihren Kohl zu verkaufen. „Aber keine Zierpflanzen“, betont Becker. Viele Betriebe bieten deshalb auf die Schnelle einen Lieferservice an. Und der zeitigt erste Erfolge. Frank Schunke und seine Mitarbeiter decken von Hüttenheim aus den Landkreis Kitzingen, Teile des Landkreises Würzburg und die Region um Uffenheim ab, um Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht oder Primeln auszuliefern. „Die müssen jetzt raus“, betont er.

    Der Winter war relativ mild, die Pflanzen sind in ihrem Wachstum weit fortgeschritten. Schunke befürchtet, dass er dennoch eine Vielzahl an Pflanzen vernichten muss. „Das Frühjahr habe ich abgeschrieben“, sagt er. Die kommende Beet- und Balkonpflanzen-Saison dürfe nicht auch noch der Corona-Krise zum Opfer fallen. „Im April müssen wir wieder öffnen dürfen“, fordert er. „Sonst haben alle Betriebe ein massives Problem.“

    „Das Frühjahr habe ich abgeschrieben.“
    Frank Schunke, Gärtner aus Hüttenheim

    Bis dahin wünscht sich Andreas Becker ein staatliches Entschädigungsprogramm für die Branche. „Darlehen bringen wenig, die Betriebe haben derzeit ja überhaupt keine Einnahmen“, erinnert er und spricht von „höherer Gewalt“.

    Wie drängend eine baldige Wiedereröffnung ist, weiß auch Jörg Freimuth in München. Zwei Wochen würden wohl die meisten der rund 600 Betriebe in Bayern überstehen. Jede Woche länger wird nach seinen Befürchtungen Betriebsschließungen zur Folge haben. „Nach vier Wochen wird jeder vierte Betrieb zumachen“, prophezeit er. „Vielleicht steigt die Kurve auch exponentiell an.“ Im Landwirtschaftsministerium in München und in der Staatskanzlei ist das Thema längst angekommen, wie die CSU-Abgeordnete Barbara Becker versichert. Eine Ausnahme von den beschlossenen Schließungen sei aber nicht möglich. „Je schneller wir die Anzahl der Neuerkrankungen in Bayern reduzieren, desto früher können wir über Lockerungen dieser Beschränkungen nachdenken“, erklärt Becker. Das würde den Gärtnereien und auch allen anderen Unternehmen am meisten und nachhaltigsten helfen.

    Einige Kommunen nehmen nach ihren Informationen große Mengen an Zierpflanzen für ihre öffentlichen Flächen ab, beispielsweise in Kirchheim, im Landkreis Würzburg. So könne der Verkaufsdruck etwas abgemildert werden. Ein weiterer Weg sei der Lieferservice, den einige Betriebe jetzt anbieten. „Ich hoffe, dass dies einen kleinen Teil der Umsatzausfälle abfängt“, so Becker. Auch Alexander Lauk bietet mittlerweile einen Lieferservice an, um einen Teil der Pflanzen noch an die Kunden zu bringen. „Ich hoffe, dass sich die Lage bald entspannt und wir zur Hauptsaison wieder öffnen können“, sagt er und betont: Das ist enorm wichtig für alle Gärtnereien.“

    Eine Liste der Betriebe mit Lieferservice finden Sie unter www.gaertner-in-bayern.de Unter dem Menüpunkt „Bleiben Sie zuhause …“ kommen Sie zum Portal. Mit dem Button „Gärtnerei finden“ und der Eingabe der Postleitzahl werden die Gärtnereien im Umfeld angezeigt. Auch möglich: Beim Gärtner des Vertrauens anrufen und nach einer Liefermöglichkeit fragen.

    Mittendrin

    Bayernweit werden ungefähr 150 Millionen Topfpflanzen (Frühjahrsblüher, Beet- und Balkonpflanzen, Chrysanthemen, Weihnachtssterne, Orchideen) pro Jahr erzeugt. Davon stammt ein Drittel aus Unterfranken, wo die Betriebe vom Weinbauklima und der zentralen Lage in Deutschland profitieren.

    Der größte Zierpflanzenbaubetrieb Bayerns befindet sich im Landkreis Kitzingen.

    Die Gewächshäuser sind voll. Den Gärtnern bringt das bloß nichts. Sie bringen ihre Ware kaum an die Kunden. Einige Betriebe haben jetzt einen Lieferservice eingerichtet. Archiv
    Die Gewächshäuser sind voll. Den Gärtnern bringt das bloß nichts. Sie bringen ihre Ware kaum an die Kunden. Einige Betriebe haben jetzt einen Lieferservice eingerichtet. Archiv Foto: Norbert Bischoff
    Volle Gewächshäuser, aber kein Verkauf: Die Gärtnereien leiden ganz besonders unter der Corona-Krise.
    Volle Gewächshäuser, aber kein Verkauf: Die Gärtnereien leiden ganz besonders unter der Corona-Krise. Foto: Alexander Lauk
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