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    Kitzingen

    Verstoß gegen Bewährung: Konzertbesuch endet im Knast

    Justitia steht symbolisch für die Rechtsprechung. Foto: liveostockimages

    Erst ein Schlag auf der Tanzfläche auf die Nase eines Konzertbesuchers, dann auf der Toilette zwei Schläge auf den Hinterkopf eines anderen – das waren drei Körperverletzungen zuviel. Das Amtsgericht in Kitzingen schickte deshalb einen einschlägig vorbestraften und unter offener Bewährung stehenden 35-Jährigen für 15 Monate hinter Gitter. Bewährung gab es nicht.

    Der Mann auf der Anklagebank ist eine auffällige Erscheinung und trägt sein Gewerbe zur Schau. "Stark gebaut, überall tätowiert und Glatze, das ist ein relativ kräftiger Kerl." So hat ein Zeuge den Tätowierer beschrieben. Der Mann hat eine bewegte Geschichte. Das zeigen 15 Einträge im Bundeszentralregister. Auffällig sind die viele Körperverletzungen. Meist war dabei Alkohol im Spiel. Im Jahr 2015 wurde er zuletzt verurteilt. Da hat er einen Mann geschlagen, weil dieser ihn aufgefordert hatte, seinen Abfall in den Papierkorb zu werfen. Eine Freiheitsstrafe auf Bewährung war die Folge. Dann war vier Jahre lang Ruhe. Den Alkohol hat er offenbar im Griff. Sich selbst nicht immer.

    Auf der Tanzfläche setzt es Schläge

    Wie bei einem Konzertbesuch in einem Eventzentrum im Landkreis. Da hat er auf der Tanzfläche einem Unbekannten einen Schlag auf die Nase versetzt. Das brachte ihn vor Gericht. Dort kam noch etwas dazu. Einer der Zeugen erzählte von zwei Schlägen auf den Hinterkopf, die ihm der Angeklagte in der Toilette verpasst hat. Das war der Anlass für die Staatsanwaltschaft, nachträglich Anklage zu erheben. So wurden aus einer Körperverletzung drei.

    Davon wollte der Angeklagte nichts wissen. "Das mit dem Schlag auf die Nase war ich definitiv nicht", sagte er. Und die Schläge auf der Toilette waren Schubser. "Ich habe ihn weggeschoben, weil der mir beim Pissen zu nahe gekommen ist und unbedingt was über meine Tätowierungen wissen wollte", sagte er. Dass sein Opfer sich danach aus Angst in der Toilette eingeschlossen hat, konnte er nicht so ganz nachvollziehen.

    Gericht glaubt den vielen Zeugen

    Das Gericht brauchte viele Zeugen, um zu der Überzeugung zu kommen: "Es gibt keine vernünftigen Zweifel an den Aussagen der Zeugen." Alle Indizien führten zu dem Angeklagten. Nur er kann nach Ansicht des Gerichts der Täter gewesen sein. Das hatte die Staatsanwaltschaft genau so gesehen. Angesichts der "massiven und mehrfach einschlägigen Vorstrafen" forderte sie ein Jahr und vier Monate Haft. Zweifel an den Zeugen hatte die Verteidigung. Keiner habe seinen Mandanten hundertprozentig identifiziert. Damit blieben Zweifel und nur ein Freispruch, meinte der Verteidiger.

    Davon war das Urteil weit entfernt. 15 Monate Freiheitsstrafe stehen drin, ohne Bewährung. Dagegen sprachen die Vorstrafen und die offene Bewährung. Da half auch nicht, dass der zweifache Vater sich um seine beiden Töchter, die Mutter und Großmutter kümmert und die Familie ernähren muss. Auch dass die Geschichte mit folgenlosen Verletzungen ausgegangen ist, rettete den Mann nicht. "Es war wie so oft, nur diesmal ohne Alkohol", fasste das Gericht die Vorgeschichte, die Konzertnacht und die Schläge zusammen. Rechtskräftig ist das Urteil nicht, der Gang in die nächste Instanz ist eher wahrscheinlich.

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