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    Wiesenbronn

    Voller Ideen: Schreiner Ackermann im digitalen Zeitalter

    Fachbetrieb für knifflige Dinge – das ist die Wiesenbronner Ackermann GmbH. Als klassische Schreinerwerkstatt begonnen, liefert die Firma nun Spezialanfertigung in alle Welt.
    Der Paketkasten ist eine von vielen Start-up-Ideen, die in Wiesenbronn bei Frank Ackermann verwirklicht werden. Foto: Gerhard Krämer

    Namhafte Hotels stehen auf der Liste, auch Museen und Theater. Der Name der Elbphilharmonie in Hamburg taucht ebenso dabei auf wie der Name Cité musicale Paris oder Objekte in Tokio, Abu Dhabi oder New York. Nicht nur dort hat sich die Firma Ackermann GmbH aus Wiesenbronn einen Namen gemacht. Aus den Anfängen einer Bau-Schreinerei heraus hat sich das Unternehmen zu einem Spezialisten entwickelt für die Realisierung ungewöhnlicher Problemlösungen.

    Bretterstapel, Paletten mit Fenstern und Türen, Möbelstücke vom Stuhl bis zum Schlafzimmerschrank, das Kreischen einer Säge – wer die Hallen der Ackermann GmbH in Wiesenbronn betritt, verabschiedet sich rasch vom Bild einer klassischen Schreinerei. Filigranes empfängt den Besucher, Ornamente, Kunst. Beschichtete hölzerne Platten sind zu sehen, biegsam natürlich, und vieles mit Rundungen. Denn, wo es rund wird, da kommt die Firma Ackermann mit ihrer Fachkompetenz ins Spiel.

    Kreativer Unternehmer mit 130 Mitarbeitern

    Die Geschichte der Firma beginnt im Jahr 1934. Firmengründer Georg Ackermann hatte bei einer kleinen Schreinerei in Wiesenbronn gelernt, war nach der Lehre freischaffend umhergezogen und reparierte zum Beispiel hölzerne Mühlräder. Dann hat sich ihm die Chance geboten, seinen früheren Betrieb zu übernehmen, der Grundstein war gelegt. Auf diesem baute Fritz Ackermann auf. Und nun, in dritter Generation, führen Frank Ackermann, Obermeister der Schreinerinnung Kitzingen, und seine Frau Andrea den mittlerweile 130 Mitarbeiter zählenden Betrieb. Sohn Tim steht schon in den Startlöchern.

    Statt sitzen oder stehen läuft man bei diesem Gerät bei der Arbeit. Normalerweise ist am vorderen Ende noch eine Arbeitsplatte, auf der der PC steht. Frank Ackermann zeigt, wie es geht. Foto: Gerhard Krämer

    Frank und Andrea Ackermann bauten die Bedeutung des Unternehmens als kreativer Zulieferer für Schreiner, Tischler, Laden- und Messebauer stetig aus. Davon überzeugte sich nun auch Landrätin Tamara Bischof bei einem Besuch.

    Die rund 130 Beschäftigten stützen sich nach Firmenangaben auf aktuelle und in manchen Bereichen sogar exklusive Fertigungstechniken. Möglich wird dies unter anderem durch modernste Maschinen wie die großformatige CNC-Bearbeitungszentren, eine Kalanderpresse, CO2-Laserschneidanlagen oder einen Fräsroboter. Bevor die Maschinen zum Einsatz kommen, wird alles 3D-visualisiert. Gearbeitet wird mit Holzwerkstoffen, Gips, Aluminium, Mineralwerkstoffen oder Verbundwerkstoffen.

    Die Firma hat einen sehr guten Namen, was die Erfüllung besonderer Wünsche von Kunden weltweit betrifft. Ob es das Fernsehstudio für Shanghai ist oder der Nachbau eines Intercity-Wagons  für das Bavaria-Filmstudio, auch Start-up-Unternehmen wenden sich vertrauensvoll nach Wiesenbronn. So fertigt Ackermann den Garten(Q), einen Gartenschrank, der wenig Platz weg nimmt. Made in Wiesenbronn ist auch das Yogaboard, ein Fitnessgerät, das Surfen und Yoga vereint. Weitere Besonderheiten sind die Emmasbox (Lebensmittelabholstationen) oder die Paketkästen, damit Pakete auch bei Abwesenheit zugestellt werden können.

    Ein Laufband mit PC

    "Gute Einfälle gibt es oft beim Laufen", meint Frank Ackermann. Selten habe man aber etwas zum Schreiben dabei. Dafür gibt es jetzt die Laufbänder Walkulotion. Mit einer Geschwindigkeit von ein bis zwei Kilometer die Stunde läuft man auf dem Band und arbeitet gleichzeitig am PC. Einige Mitarbeiter haben dieses Gerät statt eines Bürostuhls in ihrem Raum – ein Arbeitsplatz, der bewegt.

    Solche Dinge können in Wiesenbronn bei der Ackermann GmbH gefertigt werden. Foto: Gerhard Krämer

    Ein Thema, das Andrea und Frank Ackermann bewegt, ist das Haus 4.0. Mit Schlitz-Zapfen- oder Schwalbenschwanzverbindungen können die hölzernen Bauteile zusammengesetzt werden. Wer den Pavillon auf der Landesgartenschau in Würzburg gesehen hat, kann sich das Haus 4.0 vorstellen. "Ich leide eher an einem Ideenüberschuss statt an einem Mangel", gibt Frank Ackermann zu und schmunzelt.

    Stark in der Nachwuchsföderung: zehn Auszubildende im Jahr

    Auch wenn das letzte Fenster vor 18 Jahren die Produktion verlassen hat und es keine Bauelemente mehr gibt, macht man neben all diesen speziellen Dingen auch noch Möbel. "Wie das halbe Hähnchen auf der Speisekarte eines Restaurants gibt es auch den weiß beschichteten Einbauschrank", versichert Frank Ackermann. "Bei all den abgehobenen Sachen wollen wir die Bodenhaftung nicht verlieren", bekräftigt er.

    Beim Thema Nachwuchs bat Frank Ackermann Landrätin Tamara Bischof, sich für den Erhalt der Schreinerklassen am Berufsschulstandort Kitzingen stark zu machen. Damit auch genügend Auszubildende da sind, wird er die Zahl bei sich pro Ausbildungsjahr von fünf auf zehn steigern.

    Der Nachwuchs ist es auch, der am Sonntag, 10. November, von 11 bis 17 Uhr unter dem Motto "Wir machen die geilsten Sachen nördlich der Alpen" zum Tag des Schreiners auf das Betriebsgelände einlädt.

    Verschiedene Materialien, zum Beispiel Filzplatten, werden im Betrieb verarbeitet. Ackermann zeigt der Landrätin Tamara Bischof seine Maschinen. Foto: Gerhard Krämer

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