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    Kitzingen

    Vor Gericht: Nato-Einsatz mit Schmuggel-Verdacht

    Weil in ihrer Truppe Zigaretten nach einem Nato-Manöver aus Norwegen nach Volkach geschmuggelt wurden, musste sich eine Offizieren am Kitzinger Amtsgericht verantworten.  Foto: Arno Burgi (DPA)

    Das Nato-Manöver in Norwegen Ende 2018 verlief – nett ausgedrückt – so gar nicht nach Plan. Auch eine Einheit aus Volkach musste erleben, „wie es eher nicht laufen sollte“, so die Einschätzung von einem der beteiligten Soldaten. Auch eine 27-jährige Offizierin, die einen Trupp von etwa 30 Mann befehligte, war dann doch froh, als man nach drei Monaten am 6. Dezember endlich wieder das Kasernentor in Volkach passierte.

    Der Stress war damit allerdings noch nicht vorbei. Einerseits mussten die Resturlaube genommen werden, andererseits galt es die Bestände zu kontrollieren und aufzufüllen, da der nächste Einsatz Anfang 2019 bereits abgekündigt war. Und dann tauchte – aus dem Nichts – auch noch ein Zigaretten-Schmuggel-Problem auf.

    In diesem Hin und Her wurde beim Entladen der aus dem Manöver zurückgekehrten Container, die man sich als mobile Büros vorstellen muss, in Volkach nämlich ein blauer Müllsack entdeckt, in dem sich zwölf Stangen Zigaretten befanden. Zwei Soldaten übergaben den Fund ihrer Offizierin, die dafür aber so gar keinen Nerv hatte und sich auch nicht weiter um die herrenlosen Zigaretten gekümmert haben will. Nach ihrer Aussage steckte sie den Sack denn auch kurzerhand in den Müll.

    Pro Person eine Stange Zigaretten

    Es gibt aber noch eine andere Version dieser Geschichte: Die Zugführerin soll die Zigaretten einem Soldaten gegeben haben, der Besitzansprüche angemeldet hatte. Der Mann hatte das Manöver aus privaten Gründen frühzeitig verlassen – und seinen Zigarettenvorrat da gelassen. Das Problem bei der Geschichte: Pro Person darf bei der Rückkehr nach Deutschland nur eine Stange mitgenommen werden.

    Hat die Offizierin womöglich den Zigarettenschmuggel und damit letztlich Steuerhinterziehung zugelassen? Diese Frage stand im Raum, als sich die inzwischen nicht mehr in Volkach dienende Soldatin am Kitzinger Amtsgericht vor der Strafrichterin verantworten musste. Der Vorwurf: Verstoß gegen das Wehrstrafgesetz.

    Klare Order ausgegeben

    Bei der Zeugenbefragung stellte sich schnell heraus: Die Probleme waren seinerzeit dermaßen groß, dass die Angeklagte vor Arbeit geradezu absoff – ein blauer Sack war da noch ihr geringstes Problem. Zudem hatte die 27-Jährige ganz klar Order ausgegeben, was bei der Rückführung zu beachten ist – darunter auch die Maßgabe, dass nur eine Stange Zigaretten erlaubt ist. Warum es diese Vorgabe gab, war der Soldatin indes nicht klar: Alle Befehle zu hinterfragen ist schlichtweg nicht vorgesehen. Dass hier Steuerhinterziehung im Spiel sein könnte – darüber bekam sie erst im Gerichtssaal eine Ahnung.

    „Eine Straftat wurde hier nicht vertuscht“, war sich die Staatsanwaltschaft nach der Beweisaufnahme sicher. Auch der Verteidiger betonte, dass „ein Vorsatz nicht nachzuweisen“ ist. Der Anwalt ging zudem darauf ein, dass es damals in der Truppe wohl zwischenmenschlich nicht so ganz gestimmt habe und man die junge Offizierin wohl habe auflaufen lassen. Für ihn stelle sich der Zigaretten-im-Müllsack-Fall eher als „kleine Komplott-Situation“ dar.

    Lob vom Vorgesetzten

    So schlecht es für die Angeklagte als Zugführerin in Volkach lief, so gut läuft es jetzt in Kitzingen vor Gericht: Die Frau, die von ihrem Vorgesetzten nur in den höchsten Tönen gelobt wird, bekommt einen glatten Freispruch. Denn, so der entscheidende Satz in der Urteilsbegründung, wer von einem möglichen Steuerbetrug nicht einmal etwas ahnt, kann nicht vorsätzlich eine Straftat begehen.

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