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    Castell

    Wahl der Weinkönigin: Carolin träumt von der Krone

    Carolin Meyer aus Castell möchte Fränkische Weinkönigin werden. Die 23-Jährige ist als gelernte Winzerin vom Fach. Foto: Andreas Stöckinger

    Vieles, um nicht zu sagen, fast alles, dreht sich derzeit bei Carolin Meyer um den 22. März. Das ist der Tag, an dem die 23-jährige Winzertochter aus dem Casteller Ortsteil Greuth zur Wahl zur Fränkischen Weinkönigin antritt. Seit Wochen hat sie sich auf den Tag vorbereitet, der ihr Tag werden soll. „Ich freue mich darauf, ich möchte wirklich alles geben. Von mir aus könnte es jetzt schon so weit sein“, schaut sie voraus.

    Mit den Weinbergen und dem Wein fühlt sich Carolin Meyer aus Castell seit Jahren eng verbunden. Foto: Andreas Stöckinger

    Ihr „Traumkleid“, wie sie es nennt, und dazu die passenden Schuhe für den großen Tag, hat sie bereits im Schrank. Wie es aussieht, verrät sie natürlich nicht. Es soll ein Überraschungsmoment sein, wenn sie an dem Abend auf der Bühne steht.

    Sie ist ausgebildete Weinbautechnikerin

    Ruhig und gelassen sitzt Carolin in der Probierstube im heimischen Weingut und erzählt über sich, ihre letzten Wochen und ihre Arbeit als Weinbautechnikerin. Ihr Vater Hans bewirtschaftet den Hof, zu dem neben etwas Feld, 40 Schweine, etwa zweieinhalb Hektar Weinberg und eine Brennerei gehören.

    Jeweils zweieinhalb Tage pro Woche ist Carolin Meyer im Weingut der Domäne Castell und daheim beschäftigt. Der Entschluss, Winzerin zu werden, reifte bei der jungen Frau früh. Eines Tages habe sie mitbekommen, als jemand ihre Oma fragte, wie es weitergehe mit dem Weingut, wenn kein Sohn da sei. „Das war so der Moment, wo es ,klick‘ machte. Warum nicht ich? Warum sollte ich das nicht können“, erzählt sie. Die Rebstöcke, die Arbeit im Weinberg – von klein auf war Carolin mit ihren Eltern in den Weinbergen dabei.

    "Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann will ich das auch."
    Carolin Meyer aus Castell, Bewerberin um das Amt der Fränkischen Weinkönigin

    Zu Schulzeiten absolvierte sie ein Praktikum in der Lehranstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim, was ihr Interesse noch mehr weckte. Nach der Realschule absolvierte sie eine Ausbildung zur Winzerin. Es folgte je ein Jahr in Veitshöchheim, eins im Weingut Zang in Sommerach und eines als Gesellin im Weingut Schmachtenberger in Randersacker. „Zuletzt habe ich noch den Techniker gemacht, im August wurde ich fertig damit.“ Ihr gefällt der Beruf als Winzer, das Vielseitige daran. „Ich bin gerne draußen und genieße die Arbeit in der Natur, aber auch im Weinkeller.“

    Sie hat sich viel Zeit zum Lernen genommen

    Dazu konnte sie sich Zeit zum Vorbereiten, zum Lernen für die Wahl zur Weinkönigin nehmen. „Viel lesen, Literatur rund um den Wein, andere Weinbaubetriebe besuchen, sich mit Winzern austauschen. Das hat wirklich Spaß gemacht.“

    Als Winzerin ist Carolin Meyer die Arbeit im Weinkeller gewohnt. Foto: Andreas Stöckinger

    Ihre Heimat bedeutet Carolin viel, sie kennt sie nicht nur wegen ihrer Ausbildung zur Gästeführerin gut. Führungen und Weinproben hat sie einige gehalten. Gerne ist sie mit ihrer Kamera unterwegs, um die Natur zu fotografieren. In Franken, im kleinen Greuth, fühlt sie sich wohl. Lieber das Land als die Stadt, lieber Ruhe als Trubel. „Da bin ich geerdet. Daheim kann ich Kraft tanken.“

    Sie kocht gerne Pasta und hat eine Lieblings-Fernsehserie

    Freizeit hatte sie zuletzt wenig. „Die wenigen freien Abende genieße ich schon. Ich koche gerne mal Pasta für meinen Freund und mich, oder schaue mir meine Lieblingsserie ,Der Bergdoktor‘ an“, verrät sie ihre Art zu entspannen. Zur Pasta gibt's natürlich den passenden Wein. „Gerne probiere ich dazu Wein von befreundeten Winzern. Das ist mir wichtig.“

    Beim Wein steht Carolin Meyer vor allem auf eine Sorte: „Ich bin riesiger Scheurebe-Fan, gleichzeitig auch ein Sauvignon Blanc. Das ist ja das Pendant.“ Ihren eigenen Wein hat sie im Vorjahr kreiert, einen Weißwein Cuvée aus Bacchus, Müller-Thurgau und Scheurebe – „sehr fruchtig“, beschreibt sie das Ergebnis. Das überzeugte auch den Vater, der eher Puritaner sei. Zuhause beim Greuther Bastel, wie die Weinlage am Fuß des Friedrichsbergs heißt, ist vor allem der Müller-Thurgau ein Begriff, in Castell der Silvaner. Der Cuvée passe sehr gut ins Sortiment.

    Sie wird auf der Arbeit ständig mit etwas Neuem konfrontiert

    Die Tätigkeit im Weingut dort macht ihr großen Spaß. 70 Hektar Anbaufläche hat die Domäne, eine ganz andere Dimension, als zuhause bei den Meyers. Immer wieder kommt Neues auf sie zu. „Das ist für mich sehr spannend, wie so ein Qualitätsweingut arbeitet“, sagt die 23-Jährige.

    Mit den Weinbergen und dem Wein fühlt sich Carolin Meyer aus Castell seit Jahren eng verbunden. Foto: Andreas Stöckinger

    Daheim kann sich Carolin etwas zurücknehmen, um sich auf die Wahl vorzubereiten. Gerne würde sie die Krone tragen. Als ehrgeizig und zielstrebig bezeichnet sie sich: „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann will ich das auch.“

    Sie war schon einmal Pionierin

    Ihre Mitbewerberinnen als Weinkönigin kennt Carolin Meyer natürlich. Sie weiß, dass die beiden gerne Königin werden möchten. Sie will locker bleiben, sich präsentieren, wie sie ist. „Die Beste an dem Tag wird es, das wird wohl die Tagesform entscheiden.“ Sollte sie Fränkische Weinkönigin werden, dann wäre es für Castell eine Premiere. Doch damit kennt sich Carolin aus. Schließlich war sie 2014 auch die erste Weinprinzessin in ihrer Heimatgemeinde.

    Drei Stimmen zu Carolin Meyer
    Castells Bürgermeister Jochen Kramer: "Wir stehen voll hinter Carolin, die Unterstützung der Gemeinde hat sie! Castell ist in freudiger Aufregung auf den Tag. Natürlich werde ich in Grafenrheinfeld mit dabei sein, der Bürgermeister fiebert mit. Es ist eine tolle Sache, dass jemand aus unserer Gemeinde den Mut hat, sich für die Fränkische Weinkönigin zu bewerben. Das Fachwissen hat sie, den Ehrgeiz auch, um das anzugehen. Großen Respekt und viel Glück!"
    Weingutsleiter Peter Geil (Domänenamt Castell): "Wir sind begeistert und stolz, dass Carolin den Schritt macht. Sie bereichert unser Team im Weingut ungemein. Die Leidenschaft für den Frankenwein hat sie, Castell und ihre Heimat trägt sie im Herzen. Für den Wahltag wünsche ich ihr die nötige Coolness und Gelassenheit, dass sie sie selbst bleibt. Dann wird sie das schon machen. Der ganze Ort steht hinter ihr. Wir von der Domäne werden für entsprechend Rückenwind sorgen, von unserer Seite werden Fürst Ferdinand, Klaus Vikuk und ich vor Ort dabei sein."
    Harald Brügel, Vorsitzender vom Weinbauverein Castell-Greuth: "Wir hatten vor ihr nie eine Weinprinzessin im Ort, Carolin bat uns, das Amt einzurichten. Das zeigt schon ihr Engagement, ihre Leidenschaft für das Ganze. Generell bringt sie sich auch bei uns im Verein ein und ist sehr aktiv. Wir unterstützen sie sehr gerne, alle im Ort sind dabei und helfen mit. Der Aufwand, den sie im Vorfeld hatte, ist bemerkenswert. Sie macht es mit Begeisterung pur. Ich wünsche ihr für den Wahltag, dass es ihr gelingt, das Potenzial, das sie hat, auch zu zeigen."

    Bearbeitet von Andreas Stöckinger

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