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    Sulzfeld

    Wein-Bilanz 2019: "Die geringste Ernte seit 1985"

    Mit der Qualität des Frankenweins sind die Winzer in diesem Jahr zufrieden, mit den Erträgen nicht. Und das dürfte auch der Verbraucher bald zu spüren bekommen.
    Die Weinlesezeit ist vorbei und die Winzer ziehen Bilanz: Eine gute Qualität aber deutlich weniger Erträge sind das Ergebnis. Foto: Daniel Peter

    Es war eine der schnellsten Ernten in den letzten Jahren und auch was die Qualität angeht, zeigen sich die Winzer überaus erfreut. Aus Ertragssicht allerdings sieht die Bilanz des Frankenweines in diesem Jahr dürftig aus. "Es ist die geringste Ernte seit 1985", sagt Hermann Kolesch, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG), am Freitagmorgen bei einer Pressekonferenz in Sulzfeld am Main (Lkr. Kitzingen).

    "Ich habe mich noch nie so in der Schätzung getäuscht", gibt Kolesch mit Blick auf die Menge zu. Man rechne mit einem durchschnittlichen Ertrag von 56 Hektolitern pro Hektar für die etwa 6108 Hektar Ertragsfläche in Franken. Dies entspricht einer Menge von insgesamt circa 345 000 Hektolitern. Bei einem durchschnittlichen Mostgewicht von 91 Grad Öchsle sind rund 95 Prozent der geernteten Menge prädikatsweingeeignet.

    Noch spürt der Verbraucher nichts von dem Ertragsdefizit, doch das könnte sich in den kommenden Jahren auf den Preis auswirken:  "Wir haben eine kaum wachsende Produktivität durch die Auswirkungen des Klimawandels, ein wesentlich größeres unternehmerisches Risiko und eine Steigerung des Aufwandes von über sechs Prozent pro Jahr", sagt Kolesch weiter. 

    Experten erwarten eine Preissteigerung

    "Wir stehen mit den Rücken an der Wand", fügt Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, hinzu. "Wir haben über viele Jahre hinweg durch Fusionen, durch Vergrößerungen der Betriebe, durch eine Optimierung der Arbeitsabläufe, diesen Mehraufwand immer auffangen können. Aber wir kommen jetzt an einen Punkt, an dem die Decke so dünn ist, dass es auch der Verbraucher spüren muss und wird. Wir können zu diesen Bedingungen zu diesen Preisen  nicht mehr produzieren." Die Experten erwarten künftig eine Preissteigerung von fünf Prozent.

    Kein seltenes Bild diesen Sommer: Vertrocknete Trauben hängen an einer Rebe an einem Weinberg am Steinberg in Würzburg. Der Klimawandel und die damit verbundene Hitze und Trockenheit machen der Fauna und Flora in Unterfranken zunehmend zu schaffen. Foto: Daniel Peter

    Ausschlaggebend für  die fehlenden Erträge war das wechselhafte Wetter in diesem Jahr. "Das Frühjahr war zu warm, der Sommer war zu heiß. Entscheidend für die Reben war aber der Mai – der war zu kalt. Und das hatte massive Auswirkungen auf die Blüte", erklärt Kolesch. Hinzu kamen Frostschäden an den Reben, die im Saaletal bei einzelnen Betrieben Ausfälle von bis zu 90 Prozent mit sich brachte. "Es gäbe Betriebe, die wären insolvent, wenn sie keine Frostschadensversicherung abgeschlossen hätten."

    "Man hat Anlagen gesehen, da habe man gemeint, es sei eine Rosinenernte."
    Hermann Kolesch, Präsident der LWG

    Das Besondere in diesem Sommer: "Gravierend waren die zwei, drei Tage, an denen die Temperatur auf über 40 Grad stieg", sagt Kolesch. "So einen Sonnenbrand, wie wir ihn dieses Mal erlebt haben, gab es noch nie." Geschuldet sei dieser der enormen UV-Strahlung sowie dem schnellen Anstieg der Temperaturen. "Man hat Anlagen gesehen, da habe man gemeint, es sei eine Rosinenernte", erinnert sich Kolesch. 

    Heuer sei die Rebsorte Bacchus am stärksten betroffen gewesen. In Zukunft werde der Silvaner der Gewinner des Klimawandels in Franken sein, prognostiziert Kolesch. 

    Erntebilanz 2019 ziehen (von links): Artur Steinmann (Präsident Fränkischer Weinbauverband), Hermann Mengler (Bezirk Unterfranken), Carolin Meyer (Fränkische Weinkönigin), Hermann Kolesch (Präsident Bayerische Landesanstalt für Wein und Gartenbau) und Wolfgang Luckert (Weingut Zehnthof Luckert). Foto: Lisa Marie Waschbusch

    Die Bewässerung wird künftig wohl auch immer wichtiger. Steinmann sagt: "Es müssen Speicherbecken hergestellt werden." Dafür braucht es seiner Meinung nach staatliche Förderung. "Wenn wir es nicht schaffen, unsere Weinbergsanlagen zu bewässern, dann wird der Weinbau sich zuallererst aus den Steillagen zurückziehen", fürchtet der Weinbaupräsident. Und das hätte weitgehende Folgen für den Tourismus. "Die Leute kommen wegen der schönen Landschaft."

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