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    Iphofen

    Wie Josef Mend sein letztes Mal moderiert

    Noch einmal steht der Bürgermeister mehr als 200 Iphöfern Rede und Antwort. Die Besonderheit, die über diesem Abend liegt, kommt dabei nie zur Sprache.
    Den Interessenkonflikt in der Baulandpolitik hat Bürgermeister Mend auch zum Ende seiner Amtszeit nicht lösen können. Dabei entscheidet sich über dieser Frage die Zukunft Iphofens. Foto: Eike Lenz

    Als Josef Mend um 21.53 Uhr die Bühne verlässt – nicht ohne sich „für die Geduld“ zu bedanken, „mich zweieinhalb Stunden ertragen zu haben“ –, ist im Saal der Karl-Knauf-Halle nichts von der Besonderheit des Moments zu spüren; nichts davon, dass hier nach drei Jahrzehnten eine Ära endet und dass dies am Donnerstagabend der letzte Auftritt des Iphöfer Bürgermeisters in diesem Rahmen gewesen ist. Noch einmal sind fast 250 Leute zur jährlichen Bürgerversammlung gekommen, noch einmal hat Mend ihnen Rede und Antwort gestanden. Aber nur ein einziges Mal in diesen 136 Minuten ist etwas von Abschied zu spüren, eher zu ahnen: als Mend bei der Vorstellung des Verkehrskonzepts für die Altstadt erklärt, er werde darüber nicht mehr entscheiden. Zum 1. Mai geht er als Bürgermeister in den Ruhestand.

    Wer ihm nachfolgt im Amt, entscheidet sich bei der Kommunalwahl am 15. März zwischen Dieter Lenzer und Jürgen Kößler. Beide sitzen an diesem Abend im Publikum, wie es überhaupt ein Schaulaufen der Kandidaten ist, die sich seit Wochen warmgemacht haben für die Wahl. Mend muss das nicht mehr belasten, ganz selten wird er emotional auf der Bühne, die meiste Zeit spult er routiniert sein Pensum ab, Nachfragen gibt es so gut wie keine. Eine betrifft die Situation am Marktplatz, der auch im Jahr 2020 voller Autos steht, und Hilmar Wirth will wissen, wann sich diese Lage „mal verbessert“. Aus seiner Warte heißt das: Wann der Bereich grün und autofrei wird. Mend bleibt mit seiner Antwort diplomatisch: Er weiß, dass es einen autofreien Marktplatz nur gegen Widerstände gäbe. Also sagt er: „Die Rahmenbedingungen in Iphofen sind nicht so, dass wir das Auto ganz aus der Altstadt verbannen können.“ Steuern könne man die Sache aber schon, etwa indem die Anwohner endlich mal ihre Höfe nutzten und dort ihr Autos abstellten.

    Das Genusskaufhaus soll den Marktplatz beleben

    Als Kind der Altstadt ist der Marktplatz eine der Herzensangelegenheit des Bürgermeisters. Mit Freude stellt er fest, dass dort langsam wieder Leben einkehre. Es gibt mit dem Weißen Ross ein neues Gasthaus, die Eisdiele hat wieder geöffnet, und bald will die Stadt das ehemalige Kaufhaus Stöhr in ein Genusshaus mit Bistro und dem Verkauf regionaler Lebensmittel verwandelt haben. Ein Vollsortimenter werde der Laden nicht sein, aber eine Grundversorgung für die Altstadt soll er bieten, und dann hänge es eben davon ab, „ob Iphofen bereit ist, dort einzukaufen. Wir sind die Basis des Geschäfts.“

    Dieses Gemeinschaftliche betont Mend auch dort, wo an die Stelle des Wir ein Ich getreten ist: etwa in der Baulandpolitik, wo sich die Konflikte zuspitzen. Auf der einen Seite lägen bei der Stadt 130 Anfragen nach Baugrundstücken vor, auf der anderen Seite seien mehr als 50 Grundstücke in Privatbesitz teils seit Jahrzehnten unbebaut. Für den Bürgermeister stellt sich damit die politische Frage: „Weisen wir neue Baugebiete aus, oder sagen wir: Iphofen hat seinen Zenit erreicht und will nicht mehr wachsen?“ Das geplante Neubaugebiet Ost IV, wo bis Frühjahr 2021 etwa 30 Bauplätze entstehen sollten, sei ins Stocken geraten. Mit grundsätzlicher Kritik begegnet Mend auch dem „unbegrenzten Forderungskatalog“ an die Adresse der Stadt. Als er mit Blick auf manche (Kindergarten-) Eltern dazu aufruft, „die Diskussionen zu versachlichen und nicht ständig ihre Wünsche in den Vordergrund zu stellen“, gibt es Beifall im Saal. Auch das klare Bekenntnis des Bürgermeisters zum Hallenbad quittieren die Iphöfer mit dezentem Applaus.

    Die Stadt baut jetzt auch für sozial Schwächere

    Ein Anliegen ist Mend das „sehr anspruchsvolle Wohnungsbauprogramm“ der Stadt. Für 2,4 Millionen Euro entstehen demnächst auf einem geräumten Grundstück in der Altstadt (Kirchgasse 11) zehn barrierearme Wohnungen. Im Stadtteil Nenzenheim zieht die Stadt auf einem früheren Dreiseithof ein erstes Sozialwohnungsbauprojekt durch. Auch in Possenheim (ehemaliges Gasthaus Goldene Krone) und Hellmitzheim (Alte Schule) soll neuer Wohnraum wachsen. Mend hat die Dinge angestoßen und ins Rollen gebracht, vollenden muss sie nun sein Nachfolger. Das gilt auch für den letzten Abschnitt des Kreisverkehrs an der B8. Rund 415 000 Euro soll die Gestaltung des Kreisels und dessen Umfeld kosten. Über erste Entwürfe hat der Bauausschuss ein paar Tage vorher beraten. Auf die Frage von Walter Grötsch, weshalb die Stadt nicht einen Künstler-Wettbewerb ausschreibe, sagt Mend: „Dann wird es ja noch teurer.“

    Es ist zum Ritual geworden, dass der Bürgermeister zum Ende seines politischen Streifzugs auf manche „Bürgerpflicht“ hinweist: Straßen kehren, Hecken stutzen, solche Sachen. Entnervt hat er jahrelang auch an Hundehalter appelliert, die Hinterlassenschaft ihrer Vierbeiner doch von öffentlichen Wegen zu kratzen. Auf dieses Thema wolle er diesmal verzichten. Aus dem Publikum kommt kurz darauf die Frage, ob der Appell auch für Pferdekutschenfahrer gelte.

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