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    Iphofen

    Wie viel Tourismus verträgt der Schwanberg?

    Der Schwanberg in Herbstnebel gehüllt. Diffus bleibt der Blick auf künftige Formen und Möglichkeiten des Tourismus am Berg. Foto: Konrad Thomann

    Am Wochenende bebt der Berg: Hunderte Ausflügler zieht es an schönen sonnigen Tagen auf den Schwanberg. Oft ist an solchen Tagen am Plateau kaum ein Parkplatz zu finden. Viele suchen Ruhe und Erholung, manche die Action – und genau zwischen diesen Polen gilt es nun zu vermitteln. Deutet man die Signale aus verschiedenen Richtungen, dann wird der Berg in nächster Zeit eher zu einem Hort der Stille und Einkehr werden. Die Rede ist von "sanftem Tourismus".

    Aufgeschreckt hat die treue Ausflügler-Schar zuletzt die Nachricht, dass das Schwanberg-Café im November erst einmal schließen wird. Die Pächterin hört auf, und das Geistliche Zentrum Schwanberg als Eigentümer des Cafés hat es dem Vernehmen nach nicht eilig, eine Nachfolgeregelung zu finden. Eine Bestandsgarantie könne es nicht geben, hieß es auf Anfrage. Und: An erster Stelle stünden "die Bedürfnisse der Gäste und Besucher des Geistlichen Zentrums Schwanberg". Das heißt: Man will eher das Bildungs- und Übernachtungsangebot stärken, als mit dem Café Kurzzeit-Gäste auf den Berg zu locken, die an einzelnen Tagen im Café schon einmal Schlange stehen.

    Den Gleitschirmfliegern droht der Absturz

    Dazu passt die Linie der Communität Casteller Ring (CCR): Eine Seilbahn auf den Berg, wie sie die Gemeinde Rödelsee in einer kühnen Vision anstrebt, lehnt sie ebenso ab, wie einen neuen Startplatz für Drachen- und Gleitschirmflieger. Iphofens Bürgermeister Josef Mend hat zwar am Montagabend im Stadtrat angedeutet, dass man sich nicht an die Empfehlung der CCR gebunden fühle, wenn es um die Anliegen der Gleitschirmflieger geht. Aber auch die Stadt Iphofen hat deren Antrag erst einmal zurückgestellt – nachdem zuvor sogar eine Ablehnung im Raum gestanden hatte. Zunächst möchte die Stadt die Ergebnisse eines Naturtourismuskonzepts abwarten, das sie in Auftrag gegeben hat. Klar ist in Zeiten hitziger Klima-Debatten: Es soll, wie es in einem Positionspapier der Stadt heißt, einen "nachhaltigen Tourismus" geben, der die "natursensiblen Natura-2000-Bereiche des Steigerwalds" berücksichtigt.

    Seit dem Kauf von 146 Hektar Wald- und Wiesenfläche vor gut zwei Jahren aus dem Forstbetrieb von Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen ist der Einfluss Iphofens am Schwanberg noch größer geworden. Die Stadt ist sozusagen zur Taktgeberin des Tourismus' geworden und lässt keinen Zweifel, diesen Einfluss auch geltend zu machen. Auch sie setzt eher auf eine sanfte Entwicklung. Eher widerwillig hat die Stadt zwei Mountain-Bike-Strecken ausgewiesen, "auf Drängen von Bürgern", wie Stadtförster Rainer Fell sagt. Sie will die Querfeldein-Radler eigentlich nicht, kommt aber auch nicht ganz an ihnen vorbei. Und eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs für Drachen und Gleitschirme erscheint vor dem Hintergrund der am Montagabend geführten Diskussion ebenfalls eher unwahrscheinlich.

    Iphofen will Konzept zum Naturtourismus

    Eine "artenschutzrechtliche Beurteilung" für gut 8000 Euro sollte der Stadtrat in Auftrag geben, um zu klären, ob sich der Flugbetrieb am Schwanberg mit den Interessen des Naturschutzes verträgt. Doch Dritter Bürgermeister Jörg Schanow wandte ein, eine Grundsatzentscheidung könne man auch ohne eine solche Studie treffen. Mend hatte die ablehnende Haltung der Stadt in dieser Sache bereits formuliert, da mahnten Räte wie Klaus Brehm und Gerhard Heubach zur Vorsicht. Heubach sagte, man solle doch erst die Ergebnisse des Naturtourismuskonzepts abwarten und auf dieser Basis eine Entscheidung treffen. Auf diesen Weg konnten sich schließlich alle Räte verständigen.

    Die Idee hinter dem Konzept erläuterte die Leiterin des Tourismusbüros, Claudia Bellanti. Sie hält es für "wichtig, dass auch mal jemand von außen auf uns schaut, uns Schwächen und schlummernde Potenziale aufzeigt". Alle Akteure sollen darin eingebunden, alle Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden, wie Förster Fell hinzufügte. "Wir brauchen erst einmal ein stimmiges Konzept, was wir überhaupt wollen", sagte er. Den Mahner gab Stadtrat Rupert Maier. "Tourismus kann eine Region auch erdrücken. Muss man nicht auch Ecken in Iphofen vom Tourismus frei halten?"

    In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die Communität Casteller Ring sei Eigentümerin des Gebäudes, in dem das Schwanberg-Café untergebracht ist. Dies ist falsch. Eigentümer ist das Geistliche Zentrum Schwanberg.

     

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