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    GLOSSE

    Wochenrückblick: Wie Kitzingen in die Mitte Europas kam

    Unser Wochenrückblick: Der Fall des Hofrats
    Wir erleben gerade erlesene Tage. Die „Woche der Sprache und des Lesens“ in Kitzingen wartet mit einer herrlichen Vielfalt auf. Mit Pflück-Gedichten, einem literarischen Gemüsegarten und einer Lesung an diesem Samstag, bei der eine überraschende These aufgestellt wird: „Mit rasierten Beinen spricht sich‘s besser“. Das behauptet Julia Riegler und wir werden da natürlich – rein dienstlich – bei ihr ganz genau hinschauen. Und wer weiß: Vielleicht starten wir in diesem Zusammenhang demnächst auch einen entsprechenden Selbstversuch – davon dann aber bei Gelegenheit mehr. In Volkach blieb derweil wenig Zeit zum Lesen – es gab Aufruhr. Tumult an der Mainschleife. Viele Volkacher wollen sich ihr Freibad nicht nehmen lassen und gehen dafür auf die Straße. Ob es „Wir sind das Volk!“-Rufe gab, ist nicht überliefert. Auf alle Fälle aber schnellte der Trillerpfeifen-Absatz in schwindelerregende Höhen. Höhe ist ein gutes Stichwort, um elegant Kitzingens Hofrat Walter Vierrether in diese kleine Kolumne zu holen. Dieser Tage tauchte bei Facebook ein Fernsehbericht aus dem Jahr 1994 auf. Damals feierte der Luftsportclub Kitzingen seinen 75. Geburtstag. Und wer wagte aus diesem Anlaß einen Tandem-Fallschirmsprung? Genau, der Walter. Damals noch ein junger Hüpfer, ließ er sich ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Flieger und damit aus allen Wolken fallen. Und wie das so ist in Kitzingen: Einen Tag, nachdem das Video in den sozialen Netzwerken wieder aufgetaucht war, läuft man sich über den Weg – und erfährt die ganze Wahrheit. Denn so cool, wie das damals in dem Bericht wirkte, war's gar nicht. Im Gegenteil: Tags zuvor hatte der Walter vor lauter Aufregung sogar den flotten Otto bekommen. Ein spätes Geständnis. Weil das ja irgendwie zur historischen Wahrheit gehört, wollten wir diese Randgeschichte auf keinen (Durch-)Fall unerwähnt lassen. Aber wir wollen uns nicht zu sehr mit den alten Geschichten aufhalten und lieber eine Gratulation nach Marktsteft schicken. Der älteste Binnenhafen Bayerns erwacht zu neuem Leben und bekommt die Umweltstation des Landkreises. Es gäbe dazu noch einiges zu erzählen, aber wir müssen jetzt dringend ins Bad. Weil wir ja gelernt haben, dass vor dem Erzählen besser die Beine rasiert werden sollten. Die Woche blickt samstags zurück, was unseren Autoren aufgefallen ist.

    Na, gut in den April gekommen? War gar nicht so einfach. Vor lauter Scherzen war der Monatsanfang mitunter kaum zu sehen. Was einer der Gründe ist, warum sich Ihre Lieblingszeitung bei Aprilscherzen dezent zurückhält.

    In Fake-News-Zeiten herrscht auch ohne „April, April“ gewaltige Verwirrung. Wer Zeit hatte, konnte im Internet den Kampf um den tollsten April-Scherz unter vier Millionen Angeboten verfolgen. Unser Gewinner: Kitzingens Golfclub.

    Die Golfer informierten über etwas, was wir längst ahnten: Kitzingen ist – wenn schon nicht der Nabel der Welt – das Zentrum Europas. Durch den Austritt Großbritanniens aus der EU, so ließen die Golfer per Facebook die Welt wissen, sei das vereinseigene „Loch 18 der neue Mittelpunkt der EU“.

    Kimmt Tiger Woods?

    Wir haben jetzt die Hoffnung, dass der Golfprofi Tiger Woods zur Einweihung des Mittelpunktes kommt. Und wenn wir schon dabei sind, Fake-News zu verbreiten: Der Golfsport als solcher wurde natürlich auch in Kitzingen erfunden.

    Der neue Monat hatte, nachdem die Scherze beiseite gelegt waren, viele tolle und echte Meldungen parat: Die Spargel-Buden schossen wieder wie Pilze aus dem Boden des Kitzinger Landes. Bayern München schafft tatsächlich ein 5:4 gegen Heidenheim. Und: Frauen leben laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 4,4 Jahre länger als Männer. Einige sagen ja: Das hat was mit Gerechtigkeit zu tun und ist die Belohnung dafür, dass sie es so tapfer mit Männern aushalten.

    Lauter brave Autofahrer

    Schließlich kam auch noch der Beweis, dass in Europas Mitte rund um das Loch 18 die bravsten aller braven Autofahrer unterwegs sind: Beim Blitz-Marathon wurden im Landkreis nur acht Raser innerhalb von sechs Stunden ertappt.

    Es hätte also ein toller Monatsstart sein können – wenn nicht wieder das Staatsarchiv aufgeploppt wäre. Die Sache ist beschlossen, das Grundstück vom Staat gekauft, die Planungen laufen – trotzdem wird ständig gezweifelt. Die Frage, ob das Archiv – wie von einem gewissen Markus Söder verkündet – nach Kitzingen kommt, erscheint ähnlich sinnvoll wie die Frage, ob der Falterturm krumm ist.

    Außerdem gehört ein Staatsarchiv, das muss einmal so deutlich gesagt werden, selbstverständlich in die Mitte Europas, wo die bravsten Autofahrer wohnen und Tiger Woods um Loch 18 herumschleicht.

    Die Woche blickt samstags zurück, was unseren Autoren aufgefallen ist.

    Bearbeitet von Frank Weichhan

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