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    Volkach

    Artenschutz: Warum Volkach auf mehr Unordnung setzt

    Sauber gemähte Grünflächen, gemulchte Gräben? Der Volkacher Bauhof verfolgt seit Jahren einen anderen Ansatz. Dafür gab's Lob von den LWG-Experten – und weitere Ideen.
    Lieber später und eher weniger mähen lautet bislang schon das Konzept des Volkacher Bauhofs für die Grünflächen der Stadt. Das freut nicht nur die Insekten, sondern auch die Fachleute der LWG, die vom 'Grünen Band' durch Volkach begeistert waren.
    Lieber später und eher weniger mähen lautet bislang schon das Konzept des Volkacher Bauhofs für die Grünflächen der Stadt. Das freut nicht nur die Insekten, sondern auch die Fachleute der LWG, die vom "Grünen Band" durch Volkach begeistert waren. Foto: Barbara Herrmann

    Viele Insekten in der Stadt? Da kommt einem doch unweigerlich das fiese Summen der Schnaken ins Ohr. Doch wie nützlich und wichtig all die kleinen Lebewesen von Biene bis Tausendfüßler sind, scheint den Menschen nicht erst seit dem Volksbegehren Artenschutz klar zu sein. Dafür haben sich in Unterfranken vor gut einem Jahr 17,7 Prozent der Bürger eingetragen.

    Die konkrete Umsetzung jedoch scheint nicht immer jedem einzuleuchten. Das hat auch Volkachs Bauhofleiter Harald Troll schon oft erlebt. Sauber und aufgeräumt sollten Grünflächen und Gräben für viele Bürger nach wie vor sein. Doch der Volkacher Bauhof verfolgt bereits seit zehn Jahren einen anderen Plan: Weniger und später mähen oder mulchen lautet die Devise. Für diesen Ansatz bekamen Troll und Stadtgärtner Harald Sauer nun bei der Sitzung des Volkacher Stadtrates reichlich Lob von Fachleuten.

    "Insekten und Wildtiere fördern ist einfach: Die kommen von allein."
    Landschaftsarchitektin Lisa Dittrich über das Grünflächenmanagement der Stadt

    Denn auf Anregung von Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU) und Stadtratsmitglied Mathias Krönert (FDP) haben drei Referendare von Krönerts Arbeitgeber, der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim, ein Konzept zum Grünflächenmanagement der Stadt erstellt. Lisa Dittrich, Sophia Kindler und Roman Knorr erklärten es am Montagabend in der Mainschleifenhalle dem Stadtrat und über 50 Zuhörern, darunter Vertreter von eingeladenen Umweltverbänden und Vereinen.

    Hauptziel des Konzeptes sei es, so Dittrich, die Biodiversität zu fördern. Das Gute sei: "Insekten und Wildtiere fördern ist einfach: Die kommen von allein." Voraussetzung dafür seien möglichst vielfältige Strukturen auf nicht zu kleiner Fläche. Und: "Die Stadt Volkach ist da ein Vorreiter; die Messlatte liegt schon sehr hoch."

    Grünes Band durchzieht Volkach

    Angeschaut hatten sich die Landschaftarchitekten mehrere Bereiche: den Rosengarten, Festplatz und Parkplatz südlich davon, die "Wildnis in der Stadt" entlang der Volkach bis zum Stadtpark mit dem Spielplatz sowie Hecken und Baumalleen von dort Richtung Norden. All diese Flächen ergeben zusammen schon jetzt eine Art Grünes Band durch die Stadt.

    Um es noch insektenfreundlicher zu gestalten, empfahl Roman Knorr, so selten wie möglich zu mähen und Mulchgeräte umzurüsten. Denn: "Der Mulcher zerkleinert alles, was ihm in die Quere kommt." Ein einfacher Vergrämungsbügel helfe aber schon, die Kleintiere vorher zu vertreiben. Noch besser wäre zu schneiden statt zu mulchen, doch das sei mit einem höheren Arbeitsaufwand verbunden. Wichtig sei zudem die möglichst späte Mahd im ausgehenden Winter oder Frühling, damit Insekten dort überwintern können.

    Veitshöchheimer Blaulicht empfohlen

    Seine Kollegin Sophia Kindler nannte anschließend Ideen, was in Volkach konkret noch verbessert werden könnte. Sie empfahl die Blühmischung namens "Veitshöchheimer Blaulicht". Zudem sollte der Stadtgärtner beim Pflanzen neuer Bäume auf Artenvielfalt achten. Dabei könne man nicht nur auf einheimische Bäume setzen: Insekten nähmen andere genauso an, hätten Versuche der LWG gezeigt.

    Als "Werkzeugkasten" bezeichnete Bäuerlein das Konzept, das von den Modellflächen nach und nach auf alle Stadtteile ausgeweitet werden soll. Wichtig sei, betonte Bäuerlein, Bürger und Vereine einzubinden. Ein Logo, Erklärtafeln und Aktionstage sollen dabei helfen, dass allen die riesige Bedeutung der kleinen Tiere noch bewusster wird. Genau das ist auch für Bauhofleiter Troll entscheidend. Man müsse Verständnis schaffen, warum die vermeintliche Unordnung an manchen Stellen genau richtig ist.

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