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    Kitzingen

    Aus dem Gericht: Verkehrsschild stoppt „coole Autofahrt“

    Er nahm das Auto der Schwester - und fand sich wenig später in einer Leitplanke wieder. Ein 16-Jähriger muss jetzt in die Spur gebracht werden.

    100 Stunden soziale Hilfsdienste, ein Jahr kein Alkohol und keine Drogen, dazu  unangekündigte Tests und regelmäßige Besuche bei der Drogenberatung: Mit diesen Maßnahmen will das Jugendgericht einen 16-Jährigen wieder in die Spur bringen.

    Er war keine 16 Jahre alt, als er es "besonders cool" fand, mit dem Auto der Schwester eine Runde zu drehen. Weit kam er nicht: Nach ein paar hundert Metern fuhr er gegen eine Leitplanke. Um den Schaden kümmerte er sich nicht. Er fuhr mit dem beschädigten Auto weiter, stellte es daheim  ab. Das Problem: Er hatte keinen Führerschein, dafür aber Alkohol und Drogen im Blut.

    Jetzt saß er vor dem Jugendrichter und hörte sich gleich zwei Anklageschriften an. Da kam einiges zusammen: Straßenverkehrsgefährdung, Fahren ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen, eine Trunkenheitsfahrt, eine Unfallflucht und obendrauf unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln. Alles begangen von einem jungen Mann, der heute offenbar einsieht, dass er "Mist gebaut" hat.

    Ende Mai 2019 war das nicht so. Da war er von der Rolle, hat die Ausbildung hingeschmissen, wollte mit Kumpels das große Ding machen. Alkohol und Drogen gehörten zum Alltag. Wie an dem Abend, als er Wodka und Jägermeister getrunken und zuvor noch zwei Joints geraucht hatte.

    "Dann bin ich auf die dumme Idee gekommen, mit dem Auto meiner Schwester eine Runde zu drehen", erzählte er dem Jugendrichter Wolfgang Hülle. "Ich fand das cool." Die Fahrt kurz nach Mitternacht war weniger cool. Der Mix aus Alkohol und Drogen sorgte dafür, dass die Fahrt an einem Verkehrsschild endete. Er fuhr weiter und legte sich ins Bett. Zurück blieben Schäden von 1090 Euro an den Verkehrseinrichtungen und 3800 Euro am Auto der Schwester.

    Demoliertes Auto

    Die informierte am nächsten Morgen die Polizei über das demolierte Auto vor der Haustüre. Die Polizei fand einen "bedröppelten" Jugendlichen im Bett und schnell war klar, wer gefahren ist. Die Anzeige und das Verfahren folgten. Dort verlas die Staatsanwältin noch eine weitere Anklage: Darin ging es um unerlaubten Besitz von Betäubungsmittel. Der Jugendliche war mit 15 Gramm Marihuana erwischt worden.

    Beide Vorwürfe räumte der junge Mann ein und er sagte: "Ich bin schon irgendwie süchtig." Weil er das offenbar erkannt hat, besucht der inzwischen die Drogenberatung, meidet den Kontakt mit seinen Kumpels und sucht sich einen neuen Ausbildungsplatz. Ansätze, die das Gericht würdigte und durch die Auflagen massiv unterstützen, aber vor allem auch kontrollieren will.

    Jetzt ist der Jugendliche am Zug. Auf den kommen nicht nur die Hilfsdienste und die Auflagen zu. Er muss zudem die Schäden begleichen. Und mit dem Führerschein wird es erst mal ein Jahr nichts. Danach entscheidet die Zulassungsbehörde. Die könnte nach dem Urteil und dem Alkohol- und Drogenkonsum Probleme machen. "Cool" dürfte das alles eher nicht werden.

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