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    Kitzingen

    Bürgerzentrum Kitzingen: OB wartet auf "erstes Signal"

    Die Fronten im Streit um das Kitzinger Vereinshaus sind verhärtet. Der Oberbürgermeister sieht Chancen für Lösungen. Die Initiative müsse aber vom Bürgerzentrum kommen.
    Die Türen des Kitzinger Bürgerzentrums sind mittlerweile geschlossen. Aber die Frage bleibt: wohin mit den Vereinen?
    Die Türen des Kitzinger Bürgerzentrums sind mittlerweile geschlossen. Aber die Frage bleibt: wohin mit den Vereinen? Foto: Julia Lucia

    Es gibt Themen, da genügt ein kleiner Funke, um einen alten Konflikt neu zu befeuern. Der Rauch um das Kitzinger Bürgerzentrum hatte sich nach den flammenden Reden des vergangenen Winters etwas verzogen. Doch dass die Materie immer noch hochexplosiv ist und es nur einer kurzen Lunte bedarf, um sie neu zu entzünden, hat sich am Donnerstagabend im Kitzinger Stadtrat gezeigt. Ein kleines Stichwort, eine kurze Nachfrage von KIK-Gruppensprecher Wolfgang Popp genügte, und schon züngelten die Flammen wieder. „Gibt es eine neue Entwicklung?“, wollte Popp am Ende der Sitzung von Oberbürgermeister Stefan Güntner (CSU) wissen. Und: „Ist das Gebäude noch im Besitz der Stadt?“

    Ende Januar hatte der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen, das Bürgerzentrum am Mainkai als Vereinshaus aufzugeben und es einem Hotelbau zu opfern. Das Objekt sollte an den Würzburger Wohnbauentwickler Wolfgang Rosentritt verkauft werden, der an der Stelle ein Hotel der Vier-Sterne-Kategorie errichten möchte. Der Kaufvertrag mit der Stadt ist laut OB allerdings noch nicht unterzeichnet. Warum der Handel noch nicht vollzogen ist, darüber wurde im Stadtrat nichts bekannt. Popp folgerte daraus: „Dann kann man ja das Gebäude weiter nutzen.“ Antwort des OB: „Wenn die Tür offen ist.“

    Der OB macht klar: Seine Tür steht weiter offen

    Aus diesem kleinen Scharmützel entwickelte sich ein handfester Streit, den man aus der Vergangenheit noch gut in Erinnerung hat. Güntner zitierte eine Aussage des Dachvereins Bürgerzentrum (BZ) kurz vor der Kommunalwahl Mitte März: „Wenn das Gebäude verkauft ist, macht der Verein dicht.“ Diese „klare Botschaft“ habe er damals aus einer Veranstaltung im BZ mitgenommen. Nach der Wahl sei kein Vertreter des Bürgerzentrums mehr an ihn herangetreten. „Aber man kann sich gerne noch einmal treffen. Meine Tür steht offen“, machte Güntner deutlich. Popp entgegnete: „Es war doch versprochen und im Stadtrat gewünscht, dass sich die Verwaltung weiter um ein Ersatzgebäude bemüht.“

    Das Bürgerzentrum in der Kitzinger Schrannenstraße ist 1991 unter dem damaligen OB Erwin Rumpel (CSU) entstanden und beherbergte zuletzt 17 Gruppen und Vereine. Dazu kam eine Bürgerstube. Dank regelmäßiger Spenden und viel Eigenleistung war es zum beliebten sozialen und kulturellen Treffpunkt geworden. Doch als dann die Pläne für ein Hotel am Main bekannt wurden – schon ein von Rumpel gehegter Wunsch – und der Stadtrat diese als Chance zu einer städtebaulichen Weiterentwicklung sah, waren die Tage des Hauses gezählt. Das Tauziehen um das Objekt begann – und als klar war, dass es vom BZ nicht zu halten sein würde, kamen andere Vorschläge auf den Tisch.

    Das Weidt-Areal hat das Bürgerzentrum abgelehnt

    Güntner verwies erneut darauf, dass die Stadt dem BZ „einige Gebäude“ angeboten habe. Immer habe der Verein abgelehnt, das ehemalige Weidt-Areal in der Kaltensondheimer Straße etwa mit der Begründung, es liege zu weit von der Innenstadt entfernt und habe nur einen Lastenaufzug. „Aus diesem Aufzug lässt sich ohne großen Aufwand ein Personenaufzug machen, und dass das Gelände nicht nah genug an der Innenstadt liegt, kann ich nicht nachvollziehen.“ Die Verwaltung halte „die Ohren offen“, aber es müsse schon jemand vom BZ kommen.

    Popp sah das ganz anders. „Die Aktivität liegt bei Ihnen“, sagte er an den OB gerichtet. „Sie haben die Bringschuld.“ Da ging ein Raunen durch die Runde. Güntner stellte klar: „Ich investiere ungern Energie, wenn ich nicht weiß, ob es gewollt ist.“ Wenn das BZ weiterhin Interesse an einem Ersatzgebäude habe, erwarte er ein „erstes Signal“ aus den Reihen des Bürgerzentrums. Man finde nur dann zu einer guten Lösung, wenn alle Seiten wirklich bereit seien, aufeinander zu zu gehen.

    Das BZ wartet auf eine Einladung der Stadt

    Renate Fabian hat das BZ vor 29 Jahren mit ins Leben gerufen und sitzt jetzt im vierköpfigen Vorstand des Dachvereins, der etwa 700 Mitglieder aus Kitzinger Vereinen vertrete. Auf Nachfrage sagt Fabian, sie warte darauf, dass die Stadt endlich zu dem noch unter OB Siegfried Müller versprochenen Runden Tisch einlade. Der Vorschlag des derzeit heimatlosen BZ lautet: Tausch des städtischen Anwesens am Mainkai gegen das von Investor Rosentritt erworbene Objekt in der Schmiedelstraße – nur so könne die Stadt horrende Mietkosten im Jahr vermeiden, die kein Stadtrat absegnen würde. „Wir brauchen langfristige Planungssicherheit. Sonst machen die Mitglieder das nicht mit“, sagt Fabian. Das BZ habe mehrfach versucht, der Stadt Brücken zu bauen. „Aber wir betteln doch nicht, damit wir ehrenamtliche Arbeit leisten dürfen.“

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