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    Kitzingen

    Corona: Diese strengen Regeln gelten jetzt beim Friseur in Bayern

    Ab Montag dürfen Friseure in Bayern unter Auflagen wieder öffnen. Was die neuen Regeln bedeuten, was Kunden jetzt beachten müssen und wie man überhaupt einen Termin bekommt.
    Friseur-Besuche sind seit Montag unter strengen Auflagen wieder möglich.
    Friseur-Besuche sind seit Montag unter strengen Auflagen wieder möglich. Foto: Robert Michael/dpa

    Die Tage der Corona-Frisuren sind gezählt. Ab 4. Mai dürfen Friseure nach einer mehrwöchigen Zwangspause endlich wieder aufmachen. Diese Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen wird jedoch begleitet von einigen strengen Auflagen, die teils große Veränderungen für Kunden und Friseure bedeuten. Obermeisterin Monika Henneberger von der Friseurinnung Kitzingen erklärt, was die neuen Regeln für Kunden bedeuten und beantwortet die wichtigsten Fragen.

    Was ist beim Friseur erlaubt und was nicht?

    Laut Obermeisterin Monika Henneberger können Kunden alle gewohnten Dienstleistungen außerhalb des Gesichts in Anspruch nehmen. Konkret erlaubt seien etwa Haarschnitte, Färbungen, Volumenwellen sowie Strähnentechniken. Nicht erlaubt seien hingegen Dienstleistungen, die im Gesicht des Kunden stattfinden. "Da steht der Friseur zu sehr direkt vor dem Kunden und ist noch näher an ihm dran", so Henneberger. Konkret verboten sei also etwa das Färben und Zupfen von Augenbrauen und Wimpern, Bartpflege, Epilation im Gesicht sowie Make-up.

    Muss ich jetzt mit Mundschutz zum Friseur?

    Ja, alle Kunden müssen während der gesamten Behandlung einen Mundschutz tragen und dürfen sich laut Henneberger auch nicht ohne Mundschutz im Salon aufhalten. Die meisten Friseure hätten Masken für ihre Kundschaft vorrätig, sagt sie. Selbstverständlich dürften Kunden aber auch ihre eigenen Masken mitbringen. Erlaubt seien gängige Mundschutze wie Masken. "Schals hingegen sind problematisch wegen der abgeschnittenen Haare oder der Farbe bei einer Tönung."

    Darf man nur noch mit Termin zum Friseur?

    Ein Termin ist laut Monika Henneberger nicht verpflichtend. Aktuell sei eine Behandlung ohne Termin jedoch nur schwer denkbar. Dies liege zum einen daran, dass die Nachfrage derzeit unverhältnismäßig hoch sei. Zum anderen stellten die neuen Auflagen eine intensive organisatorische Belastung für die Friseure in der Region dar. Ohne Termin bedient zu werden, sei derzeit unwahrscheinlich.

    Wie und wo bekomme ich denn noch einen Friseurtermin?

    "Es gibt Foren im Internet, wo man sich im jeweiligen Landkreis einen Termin buchen kann", so Henneberger. "Außerdem würde ich jedem empfehlen, bei seinem Friseur anzurufen. Ich habe alle meine Kunden zurückgerufen und gehe davon aus, dass jeder Kollege einen ähnlichen telefonischen Service anbieten wird."

    Wie läuft ein Besuch beim Friseur jetzt genau ab?

    Am Eingang der Friseursalons seien künftig Desinfektionsmittelspender für die Hände aufgestellt, die auch benutzt werden sollten. Dann würden Kunden vom Friseur an ihren Platz gebracht und mit einem sauberen Kittel ausgestattet. Diese würden entweder nur einmal verwendet und dann entsorgt oder nach jeder Verwendung heiß gewaschen. Und: "Vor jeder Behandlung werden die Haare gewaschen", betont Henneberger. 

    Darf ich mir die Haare auch zu Hause waschen?

    Nein. Das liege daran, dass das Robert Koch-Institut (RKI) sich nicht sicher sei, wie lange sich Viren im Haar hielten, erklärt die Kitzinger Obermeisterin. Es sei nicht auszuschließen, dass sich auf dem Weg zum Friseur Viren im Haar verfangen. Die verpflichtende Haarwäsche sei also eine Schutzmaßnahme für Friseur und Kunde.

    Welche weiteren Schutzmaßnahmen werden getroffen?

    Zum einen gibt es die Vorgabe, Kunden nicht zu nah beieinander sitzen zu lassen. Laut Obermeisterin Henneberger ist ein Mindestabstand von 1,5 Meter zwischen den Salon-Besuchern vorgeschrieben. "Manche Kollegen haben auch Trennwände, damit Kunden nicht in Kontakt kommen." Zudem müssten Friseure bei jedem neuen Kunden die eigene Maske wechseln. "Wir empfehlen Kunden außerdem, ihre Jacken und Mäntel nicht an die Garderobe zu hängen, sondern auf den Schoß zu legen", so Monika Henneberger. Denn auch zur Überlebensdauer von Viren in Stoff gebe es derzeit keine zuverlässigen Erkenntnisse.

    Weil die Friseure geschlossen waren, hat auch das Suchinteresse bei Google nach 'Haare selber schneiden' stark zugenommen.
    Weil die Friseure geschlossen waren, hat auch das Suchinteresse bei Google nach "Haare selber schneiden" stark zugenommen. Foto: Aaron Niemeyer
    Warum müssen sich Kunden in Kontakt-Listen eintragen?

    Teil der Maßnahmen in jedem Friseursalon wird laut Henneberger eine verpflichtende Liste mit Kundendaten sein. "Jede Friseurin und jeder Friseur führt ab Montag eine Liste mit Namen, Telefonnummer und Uhrzeit der Bedienung jedes Kunden", so die Obermeisterin. Hierbei gehe es darum, Infektionsketten im Falle einer Corona-Neuinfektion nachverfolgen zu können. Dies sei deutschlandweit festgeschrieben.

    "Es wird nicht bei zwei Euro bleiben. Der Aufwand ist immens, alleine bei den Hygienemaßnahmen."
    Dorrit Mai, Sprecherin des Verband Deutscher Friseurunternehmen
    Wird der Friseurbesuch teurer?

    Kunden müssen sich laut Obermeisterin Henneberger auf höhere Preise beim Friseur einstellen. Dies liege an den zusätzlichen Kosten, die jetzt für Desinfektionsmittel, Handschuhe, etc. anfielen. "Außerdem hat uns die sechswöchige Zwangspause alle finanziell nach hinten geworfen." Genaue Zahlen könne sie nicht nennen, da sich dies von Salon zu Salon unterscheide. Ausdrücklich falsch sind übrigens vermeintliche Schätzungen des Verbands Deutscher Friseurunternehmen (VDF). Aktuell kursieren Meldungen, dass der Friseurbesuch laut VDF etwa zwei Euro teurer werden wird. Dorrit Mai, Sprecherin des VDF sieht sich hier falsch zitiert und stellt im Gespräch mit dieser Redaktion klar: "Es wird nicht bei zwei Euro bleiben. Der Aufwand ist immens, alleine bei den Hygienemaßnahmen."

    Dürfen Barber-Shops öffnen?

    Auch Barber-Shops dürfen laut Henneberger öffnen – solange sie sich an die festgeschriebenen Auflagen halten. Dienstleistungen im Gesicht, wie etwa Bartpflege seien generell tabu. Solange Barber-Shops jedoch lediglich am Kopf arbeiten würden, dürften auch diese öffnen.

    Was ist sonst noch wichtig?

    "Ich will mich jetzt schon einmal für die Geduld der Kunden bedanken", sagt die Kitzinger Obermeisterin. Alle müssten sich erst an die neuen Arbeitsweisen gewöhnen. "Ich bitte also darum, auch weiterhin Geduld zu haben." Im Übrigen halte sie es für sehr empfehlenswert, künftig eigene Lektüre mit in den Salon zu bringen. Aufgrund der Auflagen dürften derzeit keine Zeitschriften ausliegen.

    Update: In einem Informationsschreiben hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), die als gesetzliche Unfallversicherung für Friseure zuständig ist, ihre Richtlinien geändert. Zum Thema Zeitschriften heißt es dort nun: "Zeitschriften sollen nur unter Hygieneauflagen zur Verfügung gestellt werden."

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