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    Kitzingen

    Distler vermisst die Wertschätzung der Politik für die Bauern

    Der Bayerische Bauernverband ist seit 75 Jahren das Sprachrohr der Landwirtschaft.
    Der Bayerische Bauernverband ist seit 75 Jahren das Sprachrohr der Landwirtschaft. Trotz einiger Sorgen sieht der Kitzinger Dienststellenleiter Wilfried Distler eine gute Zukunft für die grüne Branche.
    Der Bayerische Bauernverband ist seit 75 Jahren das Sprachrohr der Landwirtschaft. Trotz einiger Sorgen sieht der Kitzinger Dienststellenleiter Wilfried Distler eine gute Zukunft für die grüne Branche. Foto: Hartmut Hess

    Die Aufgabenstellungen der täglichen Arbeit von der damaligen Nachkriegszeit bis zu den Zeiten der Globalisierung und jetzt der Digitalisierung haben sich für den Bayerischen Bauernverband (BBV) gewandelt. Geblieben ist aber, dass der BBV die Interessen des Berufsstandes vertritt und schon 75 Jahre als Sprachrohr der Landwirtschaft wirkt. War der Strukturwandel vor der Jahrtausendwende bewältigt, kamen auf Bauern, Gärtner und Winzer in den vergangenen Jahren große Herausforderungen zu und der Kitzinger BBV-Dienststellenleiter Wilfried Distler weiß, "dass die Sorgen und Nöte der Bauern schon immer breit gefächert waren".

    Der BBV war im Jahr 1945 aus der Taufe gehoben worden, zu den Gründungsmitgliedern gehörten auch die Unterfranken Georg Gehring aus Oberspiesheim und Georg Kropp aus Würzburg. Ein Jahr später formierten sich die Orts-, Kreis- und Bezirksverbände, der Kreisverband  erstreckt sich seit der Gebietsreform im Jahr 1972 auf die Landkreisgrenze. Heute hat der Kreisverband 2200 Mitglieder, die rund 40 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche inklusive Weinbau, Obstbau und Gartenbau. Bot der BBV seinen Mitgliedern über Jahrzehnte hinweg auch den Service der Steuerberatung, ist die Steuerberatung längst in Tochterfirmen ausgegliedert.

    Der klassische Beratungsbedarf umfasst neben den fachspezifischen Dingen Beratungen in vielen anderen Belangen. "Die Beratungen werden immer spezieller, denn der gesellschaftliche Wandel ist auch in den bäuerlichen Familien zu spüren", schildert Wilfried Distler die Situation und schält das neuzeitliche Problem der Betriebsnachfolge heraus. Er sieht es schon als Luxusproblem, wenn Besitzer gesunder Höfe drei Kinder hätten und keine den Hof übernehmen wolle. "Da können wir gute Hilfestellungen geben und zwischen Generationen moderieren um einen möglichst reibungslosen Betriebsübergang zu begleiten", sagt der Nenzenheimer.

    Aktuell halten Themen wie der Trassenführung für die Stromautobahn Südlink, die Folgen des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" oder dem Green Deal der EU und der Zielsetzung der Bayerischen Staatsregierung den BBV auf Trab. Demnach soll der Anteil von ökologisch bewirtschafteten Flächen auf 30 Prozent gesteigert werden. Doch dagegen würden Absatzproblemen von Bio-Molkereien und mögliche Preis-Dikdate von Aldi & Co. sprechen, zudem sei die Bio-Schiene längst keine Nische mehr.

    Hochwertige Lebensmittel 

    "Das Ganze kann nur funktionieren, wenn der Verbraucher beim Einkauf auch bereit ist, mehr Geld für qualitativ hochwertige Lebensmittel auszugeben", gibt der BBV-Mann zu bedenken. Wegen den Einschränkungen in Folge der Corona-Krise griff der BBV seinen Mitgliedern unter die Arme, denn besonders Gärtner und Winzer haben heuer massive Probleme weil die Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa nicht in benötigter Anzahl einreisen durften.

    "Die Mitglieder sind uns dankbar, dass es dem Deutsche Bauernverband in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und den Innenministerium und dem Landwirtschaftsministerium gelang zu erreichen, dass vor allem Arbeitskräfte aus Rumänien einfliegen durften", so Wilfried Distler.

    Der Diplom-Agraringenieur (FH) ärgert sich über die jetzige Novelle der seit 2017 geltenden Düngeschutzverordnung, denn sie sei von der Bundesregierung durchgepeitscht und die Bauern, Winzer und Gärtner vor vollendete Tatsachen gestellt worden. "Da sieht man, dass die Landwirtschaft von der Politik nicht die notwendige Wertschätzung erfährt", meint der 44-Jährige, der den Druck von der EU und der Gesellschaft auf die Bauern moniert.

    Rote Zone

    Das führe dazu, dass unser gesamter Landkreis als rote Zone wegen der Nitratbelastung des Grundwassers gelte, die Bauern vor nur schwer lösbaren Problemen mit der Gülle stünden. Auch drohe eine großflächige Mangelernährung der landwirtschaftlichen Pflanzen weil pauschal 20 Prozent weniger Dünger eingesetzt werden dürfe.

    "Wir sind eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts und als Dienstleiter für unsere Mitglieder gut aufgestellt", findet Wilfried Distler, der den BBV im Kreis mit dem Amt für Landwirtschaft und dem Landkreis und mit guten Drähten zu Politikern gut vernetzt sieht. Der großen Politik hält er vor, sich zu überlegen, ob es sein darf, dass die Landwirte wie bei der Düngeschutzverordnung schlecht behandelt und gegängelt werden. Grundsätzlich ist er positiv gestimmt, was die Zukunft der Landwirtschaft und der gesamten grünen Branche betrifft, werde die Nahrungsmittelproduktion doch von der Gesellschaft gebraucht. Zudem würden viele junge und top-ausgebildete Landwirte würden in die Betriebe einsteigen und qualitativ hochwertige Lebensmittel herstellen.

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