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    Kitzingen

    Freilaufende Hunde fallen Fußgängerin an

    Aus dem Gericht: Nach einem Angriff ihrer Hunde auf eine Frau sind zwei Hundehalterinnen wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt worden. Ihre Einsicht kam spät.
    Symbolfoto: Schriftzug 'Hunde sind an der Leine zu führen'.
    Symbolfoto: Schriftzug "Hunde sind an der Leine zu führen". Foto: Daniel Naupold, dpa

    Jeweils 360 Euro Geldstrafe (20 Tagessätze zu 18 Euro) müssen zwei Frauen zahlen, deren Hunde beim nächtlichen Spaziergang eine Fußgängerin angegriffen und  verletzt haben. Die vier Hunde waren nicht angeleint und nicht mehr zu kontrollieren. Weil das vorhersehbar und vermeidbar war, hat das Amtsgericht in Kitzingen die beiden Frauen wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.

    Dafür hatten die beiden Frauen Strafbefehle bekommen und Einspruch eingelegt. So landete der Fall bei Richterin Patricia Finkenberger. Und hörte in den beiden Verhandlungen nicht nur einmal den Klassiker unter den Sprüchen der Hundehalter: "Mein Hund hat noch nie gebissen, der tut nichts."

    Frau angesprungen und zweimal gebissen

    Dass das nicht immer stimmt, musste eine 54-Jährige am 9. Dezember 2019 leidvoll erfahren. Sie war in einer kleinen Stadt im Landkreis kurz nach 22 Uhr auf dem Heimweg. Gleichzeitig drehte eine Mutter und ihre Tochter mit ihren jeweils zwei  Hunden ihre Abendrunde. Die Hunde liefen ohne Leine. Als sie die Frau aus dem Schatten eines Hauses treten sahen, waren sie nicht mehr zu halten. "Die Hunde sind sofort auf mich losgegangen", sagte die 54-Jährige als Zeugin. Sie hätten sie angebellt, eingekreist, angesprungen und zweimal gebissen. Die Folgen: ein Besuch im Krankenhaus, die Einnahme von Antibiotika und eine Tollwutimpfung. Die Frau war drei Tage krank geschrieben, hatte noch drei Wochen Schmerzen.

    Auch weil  sie von ähnlichen Vorfällen in der Stadt gehört hatte, zeigte sie die Hundebesitzerinnen an. Gegen die Strafbefehle  legten beide Frauen Einspruch ein. Ziel war jeweils die Einstellung des Verfahrens. Die Frauen hätten die Reaktion ihre Hunde nicht abschätzen können, argumentierte die Verteidigung. Die Hundes seien nie aufgefallen. Einer der "Täter" sei regelmäßig auf Flohmärkten dabei, laufe immer frei und sei den Kontakt zu unbekannten Menschen gewöhnt.

    "Ich gehe nicht auf die Straße, wenn die draußen sind."
    Ein Zeuge hat Angst vor den Hunden

    Zwei Zeugen später sah die Sache ein bisschen anders aus. Einer der Hunde war 2017 schon einmal auf eine Frau losgegangen und hatte die "gezwickt", was allerdings folgenlos bleib. "Ich wollte meine Ruhe haben, habe keine Anzeige erstattet", sagte sie. Ein andere Zeuge sprach von "regelrechter Angst" vor den Hunden. "Ich gehe nicht auf die Straße, wenn die draußen sind", sagte er dem Gericht.

    Als deutlich wurde,  dass die Hunde so friedlich dann doch nicht waren, schlug Finkenberger in beiden Fällen vor, den Einspruch auf die Rechtsfolgen zu beschränken. Nach kurzer Beratung stimmten  Mutter und Tocher jeweils zu. Damit räumten sie den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung ein.

    Jetzt drehen sie angeleint ihre Runden

    Damit ging es nur noch um die Höhe der Strafe. Es blieb bei den schon in den Strafbefehlen vorgesehenen 20 Tagessätzen. Die Höhe wurde den wirtschaftlichen Verhältnissen angepasst und auf 18 Euro festgesetzt.

    "Hunde  sind unberechenbar", sagte Patricia Frankenberger am Ende. Dass sie, vor allem wenn sie zu viert unterwegs sind, unvorhersehbar reageren, sei für die Halter vorhersehbar gewesen. Sie hätten die Bisse vermeiden können, hätten fahrlässig gehandelt, als sie die Leinen weg ließen. Das soll sich inzwischen geändert haben. Wie die Halterinnen sagten und Zeugen bestätigen, drehen die Hunde inzwischen angeleint mit den Frauchen ihre Runden.

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