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    Kitzingen

    Gerichtsfall: Gilt ein Kaktus als gefährliches Tatwerkzeug?

    Harmonisch war's zwischen dem Paares schon lange nicht mehr. Doch dann knallte es so richtig – und es flogen Wurfgeschosse. Damit wurde der Streit ein Fall für die Justiz.
    Justizia (Symbolbild)
    Justizia (Symbolbild) Foto: RomoloTavani

    Er ist der Chef, sie die Angestellte. Beide leben zusammen. Unproblematisch war das Verhältnis zwischen der 32-Jährigen und ihrem elf  Jahre älteren Partner nicht. Es kam immer wieder zu Streitigkeiten in der gemeinsamen Wohnung. An Neujahr 2020 wurde es dem Mann schließlich zu viel. Nachdem er mit einem Kaktus und einer halbvollen Colaflasche beworfen worden war und sich dann noch eine Ohrfeige einfing, rief er die Polizei.

    Knapp ein halbes Jahr später sahen sich die beiden vor dem Kitzinger Amtsgericht wieder. Die Frau hatte einen Strafbefehl bekommen. Der Vorwurf: versuchte gefährliche Körperverletzung und Körperverletzung. Am Ende der Verhandlung blieb die "handelsübliche Ohrfeige", wie sie der Mann bezeichnete, und damit die Körperverletzung übrig. 500 Euro muss die Frau dafür zahlen.

    Wurfgeschosse lagen auf dem Sofa

    Der Versuch der gefährlichen Körperverletzung war vom Tisch. Die setzt den Einsatz eines gefährlichen Gegenstands voraus. Ob ein kleiner Kaktus die Qualität einer Waffe erfüllt, stellte nicht nur die Verteidigerin in Frage. Das galt auch für die halbleere Plastikflasche. Beides hatte die Frau in der Auseinandersetzung auf den auf dem Sofa liegenden Partner geschleudert und in Hüfthöhe getroffen, ohne ihn zu verletzen.

    Richterin Patricia Finkenberger schlug vor, den Vorwurf der versuchten gefährlichen Körperverletzung fallen zu lassen. "Der kleine Kaktus ist eher nicht als Waffe geeignet, die Plastikflasche ein Grenzfall", sagte sie. Weiter schlug sie vor, das Verfahren wegen der Ohrfeige gegen eine Geldauflage einzustellen.

    Mit der Einstellung des Verfahrens waren alle einverstanden

    Der Staatsanwalt stimmte zu, zumal das "Opfer" als Zeuge deutlich gemacht hatte, dass er die Frau gar nicht anzeigen wollte. Die Polizei habe er gerufen, damit die Auseinandersetzungen endlich vorbei sind. Dass die dann von sich aus ermittelte und das Verfahren in Gang kam, habe er nicht gewollt. Mit der Einstellung und den 500 Euro als Auflage waren am Ende alle einverstanden.

    Auch weil eine Wiederholungsgefahr derzeit eher unwahrscheinlich ist. Man hat sich getrennt, der Mann ist ausgezogen. Und noch etwas: Der Kaktur ist inzwischen eingegangen und ist damit noch ungefährlicher geworden und als Waffe gar nicht mehr zu gebrauchen.

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