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    Kitzingen

    Leserforum: Lieber Wohnraum als noch mehr Konsumangebote

    Zum Artikel "Neues Einkaufszentrum geplant" vom 25. Juli erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

    Das im Bereich um den Etwashäuser Bahnhof im Besitz des Gleisabbauunternehmens befindliche Areal von etwa 30 000 Quadratmetern ist in den Fokus eines in Kitzingen bekannten Investors gerückt.

    Sowohl der Gleisabbauunternehmer als auch der Gewerbeentwickler haben die Steigerung der eigenen Profite zuallererst im Blick und so sollen Verbrauchermärkte  – ein Vollsortimenter, ein Discounter sowie ein Drogeriemarkt – plus Parkflächen entstehen. Jetzt gab's vom  Stadtrat in großer Mehrheit schon mal grünes Licht für weitere Planungen.

    Statt aber erst einmal in sich zu gehen, das Thema kontrovers, offen und vor allem im Stadtentwicklungsbeirat zu behandeln (Stichwort Zentrenkonzept), werden willfährig die Interessen des Investors aufgegriffen. Dessen Einfluss  zieht – im Vergleich zu anderen wichtigen Vorhaben in der Stadt – eine enorme Geschwindigkeit und Priorität in den Verwaltungsabläufen nach sich. Die Bedürfnisse von Anwohnern oder Vorstellungen anderer Bürger (Stichwort Bürgerbeteiligung) müssen hinten anstehen.

    Wie wär's mit einer großzügigen Grünfläche und Abrundung der vorhandenen Wohnbebauung, bei der auch die Mittelschicht von Kitzingen zu erschwinglichem Wohneigentum gelangen könnte? Auch wenn die Stadt nicht im Besitz der Flächen ist, hätte der Stadtrat mit seiner  Planungshoheit über den Flächennutzungsplan erheblichen Einfluss auf eine sinnvollere Entwicklung an dieser Stelle. Die 50-60 Haushalte, die in den letzten zehn Jahren in Etwashausen dazugekommen sind, können doch noch mühelos von E-Center und Kaufland mitversorgt  werden. Zudem gibt es ja noch einige Gärtnereien, die frische, regionale Produkte anbieten und einen Bioladen.

    Die Deckmäntelchen Nahversorgung und Fußläufigkeit sind in Bezug auf dieses Vorhaben Schönrednerei und als Argument für diese überflüssige Konsumangebotserweiterung und massive Flächenversiegelung  untauglich.

    Aktive und vorausschauende Stadtentwicklungspolitik  stell ich mir anders vor. Wo ist nur der Elan der Mandatsbewerber und der Ideenreichtum aus den Wahlkampfprospekten geblieben? Und: Mit diesem Stadtrat wird es trotz vollmundiger Aussagen zur Kommunalwahl gerade auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz wohl keine Richtungsänderung in der Stadtentwicklungspolitik geben.

    Gut, dass die schon  im Februar beschlossene Klimaschutzmanagerstelle noch nicht besetzt ist. Die oder der hätten dann schon das erste große Frusterlebnis, sollte der Stadtrat seinen eingeschlagenen (Irr-)Weg nicht ändern. Vielleicht gibt’s ja im Anschluss an die von den Grünen beantragte Ortsbegehung am ehemaligen Bahnhofsgelände doch noch eine Rückbesinnung und Kehrtwende.

    Herbert Schmidt
    97318 Kitzingen

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    Bearbeitet von Franziska Schmitt

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