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    Iphofen

    Warum das Iphöfer Hallenbad nun doch öffnet

    Nach vier Monaten Lockdown ist die Sorge vor einem Bedeutungsverlust offenbar größer als wirtschaftliche Bedenken. Welchen Aufwand die Stadt für die Öffnung in Kauf nimmt.
    Das Iphöfer Hallenbad ist nicht nur bei Schülern beliebt. Am 27. Juli soll es - zunächst im mehrwöchigen Probebetrieb - wieder geöffnet werden.
    Das Iphöfer Hallenbad ist nicht nur bei Schülern beliebt. Am 27. Juli soll es - zunächst im mehrwöchigen Probebetrieb - wieder geöffnet werden. Foto: Adrian Schuppert

    Der Aufwand ist enorm, aber ein Sommer ohne Schwimmbad? Diese Perspektive erschien der Stadt Iphofen dann wohl zu düster. Deshalb soll das Hallenbad entgegen jüngster Prognosen nun doch noch öffnen – ab 27. Juli, unter strengen Hygieneauflagen und vorerst im mehrwöchigen Probebetrieb, wie es hieß. „Wir haben uns in den letzten 14 Tagen intensive Gedanken gemacht, was wir mit unserem Bad anstellen“, sagte Bürgermeister Dieter Lenzer am Montagabend vor dem Bau- und Umweltausschuss. Das Ergebnis: „Eine Öffnung ist kompliziert, aber machbar.“ Bewährt sich der Probebetrieb, wird der Stadtrat Anfang September entscheiden, ob das Hallenbad auf Dauer geöffnet bleibt.

    Der Druck auf die Stadt war offenbar zu groß geworden, nachdem Lenzer vor zwei Wochen im Gespräch mit dieser Redaktion hatte durchblicken lassen, das Hallenbad geschlossen zu halten. „Wir würden gerne wieder aufmachen, aber wir haben zu kämpfen, alle staatlichen Auflagen zu erfüllen“, so lautete damals seine Einschätzung. An dieser Situation hat sich nichts geändert. Die Zahl der Badegäste, die sich maximal in der Schwimmhalle aufhalten dürfen, hat sich gegenüber der letzten Bestandsaufnahme sogar noch reduziert. Von einst 37 Personen sind im aktuellen Konzept nur 28 übrig geblieben. Mehr als in Volkach, wo das Hallenbad an diesem Donnerstag für höchstens zehn Schwimmer auf einmal öffnet, aber deutlich weniger als im Markt Einersheimer Freibad, das mehr als 400 Besucher einlassen darf.

    Duschen und Umkleiden sind die Engstellen

    Der Engpass in Iphofen sind die Duschen und Umkleiden. Weil es in dem 1974 eröffneten Bad nur vergleichsweise wenige Einzelkabinen, dafür aber große Sammelumkleiden gibt, müssen die 92 verfügbaren Plätze deutlich reduziert werden. Anders wäre der vorgeschriebene Mindestabstand von 1,5 Meter nicht zu gewährleisten. Um dennoch auf die Zahl 28 zu kommen, dürfen jeweils 14 Besucher – versetzt im Abstand von einer halben Stunde – das Bad betreten und die Umkleiden nutzen. Nach zwei Stunden Badezeit müssen sie sich ebenso zeitlich versetzt wieder umziehen. So soll gewährleistet werden, dass sich nicht zu viele Menschen in die Quere kommen. Duschen dürfen maximal zwei Personen gleichzeitig. Andernfalls hätte die Stadt jeden Duschplatz mit einer Trennwand separieren müssen.

    Für den erst im Herbst 2018 eingestellten Badebetriebsleiter Andreas Maurer ist die Corona-Krise gleich der erste Härtetest. Er musste das Bad am 17. März von heute auf morgen schließen – und steht nun vor der Aufgabe, den Betrieb Schritt für Schritt wieder hochzufahren. Wie aufwändig und kompliziert das sein wird, ließ sich aus seinen Worten nur erahnen. Maurer hat Pläne und Tabellen erstellt, ein Konzept entwickelt, das laut Bürgermeister bereits vom Kitzinger Landratsamt abgenommen ist. Nun soll der Probebetrieb zeigen, ob und wie sich die graue Theorie in der Praxis bewährt: ob die Besucher bereit sind, sich für einen Besuch im Hallenbad telefonisch anzumelden, ob die eng getakteten Badezeiten funktionieren, die Gäste Mund und Nase bedecken und sich an den Mindestabstand halten.

    Ein Gutachter soll den Zustand des Bades klären

    Für Stadtrat Otto Kolesch ergibt das alles „keinen Sinn“. Der wirtschaftliche Aufwand sei zu hoch, der Nutzen eher begrenzt. So braucht es laut Maurer einen zusätzlichen Mitarbeiter, der sich nur um die Organisation kümmert, und auch das Reinigungspersonal muss wohl aufgestockt werden. Kolesch sprach sich dafür aus, das Bad geschlossen zu halten und stattdessen lieber Zukunftspläne zu schmieden. Lohnt sich eine Generalsanierung oder soll ein Neubau her?

    Mit dieser Frage wird sich demnächst ein Fachplaner befassen. Für Bürgermeister Lenzer kann die Stadt das eine tun, ohne das andere zu lassen. Bei einem Dreischichtbetrieb am Tag mit jeweils 28 Gästen komme man in etwa auf die gleiche Besucherzahl wie zu Vor-Corona-Zeiten, nur der Personalaufwand sei höher. Zweiter Bürgermeister Hans Brummer sagte, er sei von mehreren Leuten „massiv angefragt“ worden, wann das Schwimmbad wieder öffne.

    Dies soll nun pünktlich zu Beginn der Sommerferien am 27. Juli sein. Stadtrat Matthias Schuhmann blickte schon einmal über die Ferien hinaus und erklärte, es sei wünschenswert, dass das Hallenbad auch für den Schulbetrieb wieder öffne. Peggy Knauer hatte eher die Familien im Blick. „Meine Angst ist, wenn wir nicht öffnen, dass uns die Leute in Bäder abwandern, die jetzt geöffnet haben, und sich dort so wohl fühlen, dass sie auch nach Corona dort bleiben.“

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