• aktualisiert:

    Sulzfeld

    Schenkel ist von der Kirchenorgel zum Fußballplatz gehetzt

    Sulzfelds ehemaliger Bürgermeister Gerhard Schenkel ist seit 50 Jahren Organist. Aus diesen Jahrzehnten an der Orgel kann er so manche Anekdote erzählen.
    Auch nach 50 Jahren an der Kirchenorgel in der Sulzfelder Kirche denkt Gerhard Schenkel noch nicht ans Aufhören.
    Auch nach 50 Jahren an der Kirchenorgel in der Sulzfelder Kirche denkt Gerhard Schenkel noch nicht ans Aufhören. Foto: Hartmut Hess

    Kürzlich endete für den langjährigen Bürgermeister Sulzfelds, Gerhard Schenkel, eine rekordverdächtige Ära mit 36 Jahren als Ortsoberhaupt. Noch länger als für die Kommune steht er im Dienste der katholischen Kirchengemeinde. Der 64-Jährige spielt als Organist inzwischen schon ein halbes Jahrhundert die Kirchenorgel und ist damit eine Institution in der Maustal-Gemeinde.

    Er folgte als Bub einer Ordensschwester nach und zählte zarte 14 Jahre, als er während der ewigen Anbetung erstmals ein Lied auf der Kirchenorgel spielte. Der damalige Pfarrer Richard Heim war begeisterter Organist. 1969 bekam er 15 Nachwuchskandidaten unter seine Fittiche, um ihnen das Spielen der Kirchenorgel zu lehren.

    Zehn Gottesdienste und Andachten pro Woche

    "Pfarrer Heim hatte damals schon eine dreimanualige Orgel", erinnert sich Schenkel noch gut. Der Pfarrer unterrichtete seine Schützlinge jeden Freitag im Benefiziatenhaus und nach der Auslese blieben neben Schenkel nur noch Maria Luckert und Bernd Staudt übrig. "Damals gab es noch viele Einsätze mit pro Woche insgesamt zehn Gottesdiensten und Andachten", schildert Gerhard Schenkel die Rahmenbedingungen von 50 Jahren.

    Bernd Staudt habe nach einigen Jahren wieder aufgehört und für den jungen Fußballer Gerhard Schenkel wurde es teilweise eng. Manchmal saß sein Jugendtrainer der Kitzinger Bayern direkt neben der Orgel und wartete auf den Schluss des Gottesdienstes,  "um mich sofort zu Auswärtsspielen nach Lohr oder Partenstein zu chauffieren", so der späterer Pädagoge und Kommunalpolitiker. Als junger Mann übte er zuerst bei Gastwirten und Privatleuten. Erst später konnten ihm seine Eltern ein Harmonium finanzieren. Bei Übungsstunden hätten Nachbarn oft schon auf ihn gewartet, um zuzuhören und mitzusingen.    

    Viele Jahre als Organist allein in Sulzfeld

    "Meine Mutter Hildegard war schon sehr bedacht darauf, dass ihre Kinder in die Kirche gehen, da passte mir das Amt als Organist gut in den Kram", dachte sich Gerhard Schenkel einst. Doch es wurde nach dem Wegzug von Maria Luckert teilweise stressig und bis in die 1980er-Jahre war er als Organist viele Jahre alleine auf sich gestellt. Das besserte sich ab 1990, als der gebürtige Hüttenheimer Berthold Ruß als zweiter Organist in Sulzfeld anheuerte – damals spielten beide noch für einen Gotteslohn. Später wurde für die Organisten eine schmale Vergütung von der Diözese Würzburg eingeführt, die kaum der Rede wert ist.

    "Dann habe ich mir einfach einen Mantel über mein Faschingskostüm geworfen, um rechtzeitig zum Frühgottesdienst zu kommen."
    Organist Gerhard Schenkel erinnert sich
    Eine schwarz-weiße Aufnahme zeigt Gerhard Schenkel im Jahr 1984 an der Kirchenorgel. In diesem Jahr war er erstmals zum Bürgermeister gewählt worden.
    Eine schwarz-weiße Aufnahme zeigt Gerhard Schenkel im Jahr 1984 an der Kirchenorgel. In diesem Jahr war er erstmals zum Bürgermeister gewählt worden. Foto: Hartmut Hess

    Gerhard Schenkel weiß manche Anekdoten aus dem halben Jahrhundert zu erzählen – wie die von einer langen Faschingsnacht. Damals war er auf einem Faschingsball, bei dem es so spät wurde, dass er am Morgen des Faschingssonntags erst um 6.30 Uhr heimkam. "Dann habe ich mir einfach einen Mantel über mein Faschingskostüm geworfen, um rechtzeitig zum Frühgottesdienst zu kommen", plaudert der Sulzfelder aus dem Nähkästchen.

    Er stellte nie an sich den Anspruch, hochklassig Orgel spielen zu können und sagt schmunzelnd: "Für die Kirche und den Hausgebrauch reicht's". Ein anderes Mal habe er als junger Organist das Credo mit dem Gloria verwechselt und Pfarrer Heim habe ihn dann gesanglich übertönt. Schöne Erlebnisse bildeten für den Katholiken immer wieder die Rorate-Gottesdienste, die frühmorgens um 6 Uhr beginnen. "Dann ist die Kirche nur durch Kerzen beleuchtet und in dieser tollen Atmosphäre mit der besonderen Stimmung liegt der Reiz", sagt der Würzburger Berufsschule-Chef. 

    "Es ist eine Mischung aus Spaß am Spielen und Verantwortungsbewusstsein, dass ich auch nach jetzt 50 Jahre noch als Organist tätig bin", sagt Gerhard Schenkel. "So lange es geht, werde ich weitermachen", versichert er. Heutzutage hat er lange nicht mehr so viele Einsätze wie noch vor Jahrzehnten. Erstens übernehme Berthold Ruß heute die Mehrzahl der Einsätze und zweitens gibt es außer an Sonn- und Feiertagen heute weit weniger reguläre Gottesdienste.  

     

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Kitzingen-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!