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    Dettelbach

    Schwerpunkte der Landrätin: Klimawandel, Gesundheit und Soziales

    Der neue Kitzinger Kreistag hat erstmals getagt. Die Sitzung mit 25 neuen Räten stellte die Weichen in Personalfragen. Tamara Bischof gab dem Gremium ihre Schwerpunkte vor.
    Der Kreistag Kitzingen hielt am Montag wegen der Corona-Pandemie seine konstituierende Sitzung in der Maintalhalle Dettelbach. Im Bild die 25 neuen Kreirsräte im Gremium mit Landrätin Tamara Bischof (vorne, Zweite von rechts).
    Der Kreistag Kitzingen hielt am Montag wegen der Corona-Pandemie seine konstituierende Sitzung in der Maintalhalle Dettelbach. Im Bild die 25 neuen Kreirsräte im Gremium mit Landrätin Tamara Bischof (vorne, Zweite von rechts). Foto: Andreas Brachs

    Eine frostige Atmosphäre herrschte während der konstituierenden Sitzung des Kreistags Kitzingen. Dabei war das Miteinander der neuen Kreisräte harmonisch; alle Formalien handelte das Gremium weitgehend einvernehmlich ab. Allerdings tagten die Kreisräten coronabedingt zweieinhalb Stunden in der Dettelbacher Maintalhalle. Und die war bei Außentemperaturen von fünf Grad kaum temperiert. Der marode Zustand der Halle und ihrer Heizung ist deshalb Thema der nächsten Dettelbacher Stadtratssitzung, wie Bürgermeister Matthias Bielek entschuldigend erklärte.

    Inhaltlich zog die Landrätin mit den 35 wiedergewählten und den 25 neuen Kreisräten eine Bilanz im Landkreis. Finanziell sieht Tamara Bischof (Freie Wähler) ihn gut aufgestellt. Der Schuldenstand liegt bei 12,4 Millionen Euro und damit unter dem Landesdurchschnitt und die Kreisumlage, die die Städte und Gemeinden zu zahlen haben, sei mit 39,5 Prozentpunkten bayernweit "ganz vorne mit dabei".  

    Hausaufgaben bei Schulen gemacht

    Die Schulen seien auf Vordermann gebracht; dort gebe es keinen Investitionsstau. Allerdings kritisierte die Landrätin, dass die Schulen in Bayern keine einheitliche Betreuung der komplexen IT-Ausstattung hätten. Die aktuelle Beschulung der Kinder zu Hause hänge daher sehr stark vom Engagement der Lehrer und Eltern ab.

    Wirtschaft sei bei ihr schon immer Chefsache, erklärte Bischof. Dazu gehörten die "extrem kurzen Baugenehmigungszeiten" im Landratsamt. Der Landkreis sei geprägt von international erfolgreichen großen und gesunden mittelständischen Unternehmen. Somit sieht Bischof gute Bedingungen, die Corona-Pandemie zu überstehen: "Ich bin durch und durch Optimistin." Verständnis zeigte sie allerdings für die schwierige Lage der Gastronomen und Hoteliers. Sie hofft auf Erleichterungen für diese Betriebe in der kommenden Woche.

    Lob hatte die Landrätin für die  Mitarbeiter im Landratsamt. Sie betonte, dass die Kreisbehörde nicht einen einzigen Tag geschlossen hatte. "Die öffentliche Verwaltung muss in dieser Krise stabil und handlungsfähig bleiben." Deshalb ziehe sie ihren Hut besonders vor der Leistung des Gesundheitsamtes und der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt.

    Plädoyer für dezentrale Kliniken

    Die Corona-Pandemie habe laut Bischof gezeigt, von welcher "elementaren Bedeutung für die Gesellschaft" ein gut funktionierendes Gesundheitssystem sei. Damit nahm sie kritisch Bezug auf die vergangenen Sparrunden der Bundespolitik in den Krankenhäusern. Sie forderte ein Umdenken zugunsten der "bestens bewährten dezentralen Versorgung mit Kliniken". "Die extrem ökonomische Orientierung muss aufhören", forderte Bischof. 

    Als einen Schwerpunkt der Amtsperiode nannte die Landrätin den Klimawandel: "die größte Aufgabe unserer Generation". Wichtig sei ihr, "gemeinsam zu agieren und nicht einzelne Gruppen gegeneinander auszuspielen". Ein weiterer Schwerpunkt bleibe der Ausbau des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Viel Geld wird der Kreistag auch in Bildung und Soziales investieren. Allein die Ausgaben für die Jugendhilfe belaufen sich auf fast neun Millionen Euro. Hierbei sei das Ziel die Prävention, die billiger sei, als spätere, teuere Nacharbeit. Damit wolle der Landkreis "jungen Menschen helfen, in eine gute Zukunft zu starten". 

    Personalentscheidungen getroffen

    Von rechts: Landrätin Tamara Bischof (FW) und ihre Stellvertreter Susanne Knof (FW), Doris Paul (CSU), Robert Finster (SPD).
    Von rechts: Landrätin Tamara Bischof (FW) und ihre Stellvertreter Susanne Knof (FW), Doris Paul (CSU), Robert Finster (SPD). Foto: Andreas Brachs

    In seiner konstituierenden Sitzung legte der Kreistag die Stellvertreter der Landrätin fest. Es blieb bei dem zwischen den Fraktionen abgestimmten Kompromiss: Susanne Knof (FW), Obernbreit, wird erste Stellvertreterin. Doris Paul (CSU), Wiesenbronn, und Robert Finster (SPD), Mainbernheim, sind die beiden gleichberechtigten weiteren Stellvertreter. 

    Auch die Vergabe der Referentenposten verlief wie geplant: Jugend und Familie: Gerlinde Martin, CSU (Volkach); Wirtschaft und Kultur: Marcel Hannweber, CSU (Dettelbach); Bildung und Soziales: Stefan Wolbert, FW (Dettelbach); Krankenhaus: Roland Hardörfer, FW (Dettelbach); Umwelt und Klima: Klaus Sanzenbacher, Grüne (Kitzingen); Verkehr und ÖPNV: Eva-Maria Weimann, SPD (Dettelbach).

    Vergütung für Landrätin und Kreisräte

    Landrätin Tamara Bischof erhält eine Besoldung nach B6, was 9588 Euro entspricht. Ihre Einstufung richtet sich nach der Zahl der Einwohner. Dazu kommt eine Dienstaufwandsentschädigung von 1353 Euro, die der Kreistag festlegte. 
    Die stellvertretende Landrätin Susanne Knof (FW) bekommt eine monatliche Entschädigung von 1124 Euro für ihr Ehrenamt und für jeden Vertretungstag zusätzlich 60 Euro. Die beiden weiteren Stellvertreter erhalten jeweils die Hälfte der Entschädigung, also 562 Euro.
    Kreisräte bekommen 75 Euro Sitzungsgeld und monatlich 65 Euro für ihren Sachaufwand, selbstständige Kreisräte 15 Euro pro Stunde maximal 90 Euro pro Tag.
    Für Referenten und Fraktionsvorsitzende gibt es monatlich 50 Euro mehr, für Fraktionsvorsitzende zudem zehn Euro pro Fraktionsmitglied. 
    Quelle: Landratsamt
    Der Kreistag des Landkreises Kitzingen tagte mit reichlich Abstand zwischen den Kreisräten in der Dettelbacher Maintalhalle.
    Der Kreistag des Landkreises Kitzingen tagte mit reichlich Abstand zwischen den Kreisräten in der Dettelbacher Maintalhalle. Foto: Andreas Brachs
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