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    MARKTBREIT

    Sonderausstellung: Der Anblick des Malerwinkels fasziniert

    Kulturreferentin Christiane Berneth, die seit 25 Jahren das Archiv betreut, und Museumsleiterin Simone Michel-von Dungern haben die Schönheit des Malerwinkels täglich vor Augen. Jetzt haben sie der bekanntesten Ansicht der Stadt eine Sonderausstellung gewidmet. Fotos: Daniela Röllinger
    Kulturreferentin Christiane Berneth, die seit 25 Jahren das Archiv betreut, und Museumsleiterin Simone Michel-von Dungern haben die Schönheit des Malerwinkels täglich vor Augen. Jetzt haben sie der bekanntesten Ansicht der Stadt eine Sonderausstellung gewidmet. Fotos: Daniela Röllinger Foto: Daniela Röllinger

    Der Name „Malerwinkel“ kommt nicht von ungefähr: Der Anblick des schmalen Gebäudes auf der Bachmauer und des imposanten Rathauses, das den Bach mit einem Bogen überspannt, fasziniert seit seinem Bau den Betrachter. Jetzt beleuchtet das Marktbreiter Museum seinen Namensgeber, den Malerwinkel, mit einer Sonderausstellung.

    Eigentlich sollten momentan hölzerne Baukästen einer Sammlung in Hanau die Vitrinen im Museum Malerwinkelhaus zieren. Doch die kleinen Baumeister, Konstrukteure und Hochstapler müssen sich gedulden: Wegen Corona musste Simone Michel-von Dungern die geplante und fertig konzipierte Sonderausstellung kurzfristig ins nächste Jahr verschieben. Ganz ohne Sonderausstellung wollte die engagierte Museumsleiterin ihr Haus nach der Corona-bedingten Pause aber auch nicht öffnen. Gemeinsam mit der neuen Kulturreferentin Christiane Berneth, die seit 25 Jahren das Archiv betreut, hat sie eine schnell umsetzbare, aber nicht minder interessante Alternative gefunden: „Faszination Malerwinkel“ heißt die Ausstellung, die nun zu den Öffnungszeiten des Archivs – samstags, sonntags und an Feiertagen – betrachtet werden kann. Zu den zahlreichen Werken aus dem Museumsfundus steuerte Christiane Berneth Leihgaben aus dem städtischen Archiv bei.

    Der Begriff „Malerwinkel“ steht seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für Orte, die Maler der Romantik zu idyllischen Landschaftsbildern inspirierten. Zuerst tauchte er auch nicht auf, wenn es auf Darstellungen um das Ensemble des schmalen Hauses auf der Bachmauer, den Bach und das Rathaus mit Maintor ging. Bis in die 1940er Jahre wurde es als „Rathaus-Partie“, „Rathaus mit Bachgasse/Graben/Breitbach“, „Maintor“ oder gar nur als „Bild aus Marktbreit“ bezeichnet. Der Name Malerwinkel beziehungsweise Malerwinkelhaus entstand erst in Zusammenhang mit dem „Café Malerwinkel“ der Konditorei Krauss, das früher in der Bachgasse gegenüber lag, informiert Simone Michel-von Dungern.

    Die Bezeichnung bürgerte sich erst mit dem aufkommenden Tourismus in der Nachkriegszeit ein. Da hatten sich längt unzählige Maler und Künstler mit der Ansicht beschäftigt. Das älteste in der Sonderausstellung zu sehende Bild stammt aus dem Jahr 1892. Bekanntestes Werk in der Ausstellung ist das Ölbild von Georges G. Goffart aus dem Jahr 1959.

    Ob mit festem Pinselstrich in bunten Farben, Öl auf Holz, ob mit zarten Aquarellfarben, als Zeichnung, Radierung oder Fotografie – der Malerwinkel wurde seit dem Bau des Ensembles im 17. Jahrhundert unzählige Male festgehalten und wird es noch heute. Trotz des gleichen Motivs sind die Darstellungen sehr unterschiedlich und der genaue Blick lohnt bei jedem einzelnen Exponat.

    Doch nicht nur Maler widmeten sich dem „Sahnestück“ der Marktbreiter Ansichten. Auf Postkarten und Fotos ging und geht der Anblick des schmalen Fachwerkhauses am Bach um die Welt. Es zierte Titelseiten von zahlreichen Fremdenführern und Zeitschriften über Mainfranken, Bayern oder gar ganz Deutschland. Selbst der US-amerikanische Verlag Rand McNally wählte 1980 für den Titel seines Reiseführers „Germany A to Z Guide“ ein Bild des Marktbreiter Motives – stellvertretend für die Schönheiten Deutschlands.

    Natürlich dürfen auch Kuriositäten in der Sonderausstellung nicht fehlen. Das Handtuch, der „View-Master“, Schallplatten und Videokasetten, Teller, Krüge, Gläser und andere Souvenirs sind zu sehen, dazu ein Stickbild, das in vielen Marktbreiter Häusern hängt. „In jeder Familie hat das mal einer gestickt“, ist Christiane Berneth fast sicher. Was zeigt, dass auch die Einheimischen sich an ihrem Malerwinkel nicht sattsehen können – und stolz auf das besondere Ensemble sind.

    „Faszination Malerwinkel“ ist der Titel der Ausstellung. Dass die Faszination nicht nachgelassen hat, erlebt Simone Michel-von Dungern jeden Tag. „Alle fünf Minuten steht jemand draußen und macht ein Foto“ kann sie von ihrem Museum aus beobachten. Und mit jedem Foto wandert der Malerwinkel wieder ein Stückchen weiter in die ganze Welt.

    Info: Das Museum Malerwinkelhaus hat seine Öffnungszeiten geändert. Die Dauerausstellung und die Sonderausstellung sind samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 geöffnet.

    Das Malerwinkelhaus ist seit langem beliebtes Motiv bei den Malern. Zu den bekanntesten Werken gehören die Ölbilder von Andras Roth (1919, links) und Georges G. Goffart (1959).
    Das Malerwinkelhaus ist seit langem beliebtes Motiv bei den Malern. Zu den bekanntesten Werken gehören die Ölbilder von Andras Roth (1919, links) und Georges G. Goffart (1959). Foto: Daniela Röllinger
    Deutschland von A bis Z - und den Titel des amerikanischen Reiseführers ziert der Marktbreiter Malerwinkel.
    Deutschland von A bis Z - und den Titel des amerikanischen Reiseführers ziert der Marktbreiter Malerwinkel. Foto: Daniela Röllinger
    Ungewöhnliches Format, ungewöhnliches Motiv, wunderbare Gestaltung: Eine ganz besondere Karte mit dem Malerwinkel.
    Ungewöhnliches Format, ungewöhnliches Motiv, wunderbare Gestaltung: Eine ganz besondere Karte mit dem Malerwinkel. Foto: Daniela Röllinger
    Öl, Zeichnung, Aquarell, Radierung: Die Künstler griffen zu verschiedensten Werkzeugen und Farben, um den Malerwinkel auf Papier oder Holz zu bannen.
    Öl, Zeichnung, Aquarell, Radierung: Die Künstler griffen zu verschiedensten Werkzeugen und Farben, um den Malerwinkel auf Papier oder Holz zu bannen. Foto: Daniela Röllinger
    Auf Postkarten geht der Marktbreiter Malerwinkel quasi um die Welt.
    Auf Postkarten geht der Marktbreiter Malerwinkel quasi um die Welt. Foto: Daniela Röllinger
    Historisches Städtchen, angenehmer Sommeraufenthalt, mildes Klima, reizende Ausflüge: So sah einst Werbung für Marktbreit aus – natürlich mit dem „Sahnestückchen“ im Bild, dem Malerwinkel.
    Historisches Städtchen, angenehmer Sommeraufenthalt, mildes Klima, reizende Ausflüge: So sah einst Werbung für Marktbreit aus – natürlich mit dem „Sahnestückchen“ im Bild, dem Malerwinkel. Foto: Daniela Röllinger
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