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    KITZINGEN

    Weinbauring-Geschäftsführer Artur Baumann geht in Ruhestand

    Für Artur Baumann beginnt Ende des Monats der Ruhestand.
    Für Artur Baumann beginnt Ende des Monats der Ruhestand. Foto: Ralf Dieter

    Er kennt sie alle. Und er hat die allermeisten von ihnen beraten. Artur Baumann geht nach 25 Jahren als Geschäftsführer des Weinbaurings Franken e.V. in Ruhestand. Die fränkischen Winzer verlieren einen Fachmann.

    Den Weinbauring gibt es seit 1989. Vieles hat sich seither verändert, die grundsätzliche Aufgabenstellung ist gleich geblieben: Die fränkischen Winzer möglichst umfassend und aktuell informieren und beraten. „Ab und zu müssen wir auch Hand auflegen“, sagt Baumann und schmunzelt.

    In Castell war er elf Jahre lang einer der Außenbetriebsleiter des Domänenamtes. Er hat die Umstellung von 63 Hektar Rebfläche auf ökologische Bewirtschaftung maßgeblich mitgetragen, damals hat er auch Betriebe des Verbands der Prädikatsweingüter (VdP) für den Ökoverband „Naturland“ beraten.

    Als 1995 die Stelle als Berater und Geschäftsführer des Weinbaurings frei wurde, war die Entscheidung für Artur Baumann für einen Wechsel gefallen. Bereut hat er den Schritt nie. Ein kleines, effizientes Team, enger Kontakt zu den Winzern, eine herausfordernde Arbeit – „Wir müssen immer am Puls der Zeit sein“ – all das hat Baumann als Weinbauring-Geschäftsführer viel Spaß gemacht. Mit Ablauf dieses Monats geht er in die Ruhephase der Altersteilzeit. Mit Beate Leopold ist eine Nachfolgerin bereits gefunden.

    Baumann geht guten Gewissens. Der Weinbauring hat rund 2500 Mitglieder. Die bewirtschaften 5500 von rund 6300 Hektar Anbaufläche. „Wir hatten mal 5000 Mitglieder“, erinnert sich der Casteller. Aber der Trend geht schon seit langem in Richtung größere Betriebe. „Der Strukturwandel ist in vollem Gange und wird sich fortsetzen“, prognostiziert er. Es wird künftig wohl auch Flächen geben, die nicht mehr bewirtschaftet werden.

    Die Schwelle für eine Existenz ermöglichende Allein-Bewirtschaftung sieht er bei fünf Hektar. Darüber beginnt ein „Teufelskreis“. „Dann brauche ich Mitarbeiter und bekomme eventuell ein Vermarktungsproblem“, erklärt er. Schon aus diesem Grund seien die Genossenschaften so wichtig für die fränkischen Winzer.

    Letztere haben in den vergangenen 30 Jahren einen enormen Qualitätssprung gemacht – machen müssen. Die 70er und 80er Jahre waren so etwas wie die glorreiche Zeit des Fränkischen Weinbaus. „Da ist der Wein quasi verteilt worden“, erinnert sich Baumann. Wer heutzutage erfolgreich sein will, hat es schwerer. Der muss die Bedürfnisse des Marktes an die erste Stelle seiner Überlegungen setzen. Bedürfnisse, die sich ständig ändern.

    Mit Grausen erinnert sich Baumann an die 90er-Jahre, als die Devise „Masse vor Qualität“ lautete. 1999 hat er als Jahr des Umschwungs in Erinnerung. Zu viel Wein lagerte in den Kellern, zu billig wurden die fränkischen Weine auf den Markt gebracht. Seither haben die Betriebe umgestellt. Die Beratung von Artur Baumann und seinen Kollegen hat ihnen dabei geholfen.

    Von Mai bis August finden alljährlich Gruppenbegehungen in den Weinlagen statt. Fast 2500 Winzer erhalten dabei wertvolle Tipps für die Praxis. Wie ist der Stand der Vegetation? Wann muss ich entblättern, wann Schädlinge bekämpfen? Der Weinbauring erhält für diese Arbeit eine Pauschale vom Staat, ansonsten finanziert sich der Verein aus den Mitgliedsbeiträgen. Seit 2008 bietet der Weinbauring „Ökokurse“ an, seit 2011 Rebschnittkurse. „Wir haben unter anderem Videos dazu gedreht“, erklärt Baumann. Die Zugriffe haben die 150 000-Marke längst überschritten.

    Vor rund 20 Jahren haben die LWG und der Weinbauring Wetterstationen im Fränkischen Anbaugebiet errichtet. Die Daten laufen in der Zentrale in der Repperndorfer Straße ein. Sie dienen als Grundlage für das zweimal pro Woche erscheinende Weinbaufax und für das Kellerfax, die längst online abzurufen sind. „Wir waren eine der ersten mit einer eigenen Homepage“, erinnert sich Baumann. Seit 2009 gibt es auch ein „Ökofax“. „Damals befanden wir uns mitten in der zweiten Ökowelle“, erinnert sich der 63-Jährige. Mittlerweile rollt die dritte Ökowelle durch Frankens Weinwirtschaft. Artur Baumann sieht das mit gemischten Gefühlen. „Per Definition ist Öko gut“, sagt er. Ständig spritzen müssen sei der falsche Weg, um die Reben zu schützen. Besser wäre es, wenn pilzfeste Rebsorten von den Weinliebhabern nachgefragt würden. Aber als Winzer müsse man immer abwägen. Auch ein überlegter Einsatz von Herbiziden sei vertretbar.

    Baumann hat unzählige Stunden damit verbracht, den Winzern ein umweltgerechtes Begrünungssystem zu empfehlen. Die Quintessenz: Um die Reben gesund zu halten, muss organische Masse aufgebaut werden. „Wir können über die Begrünungspflanzen Nützlinge in die Anlagen bringen, die die Schädlinge in Schach halten“, erklärt er. „Zudem können wir auf Düngerzufuhr weitgehend verzichten.“ Leguminosen sammeln den nötigen Stickstoff aus der Luft, der Aufwuchs fängt CO2 und erhöht den Humusgehalt des Bodens. „So wird Erosion verhindert.“

    Immer wieder musste er Überzeugungsarbeit leisten. Die Holzhammermethode war nicht sein Ding. „Wir zeigen Möglichkeiten auf und geben Entscheidungshilfen“, erklärt er. Da sei ein bisschen wie Hand auflegen oder Brücken bauen. „Natürlich sind Winzer erst mal skeptisch.“

    In den letzten zehn Jahren haben sich die klimatischen Bedingungen für die fränkischen Winzer massiv verändert. Baumann konnte das an den Daten der Wetterstationen gut ablesen. Die Bewässerung wird das wichtigste Thema der Zukunft sein. Den Plänen für großflächige Bewässerungssysteme steht er dennoch skeptisch gegenüber. „Wir brauchen andere Lösungen.“

    Natürlich hat Baumann Vorschläge aus der Praxis: Bei Neuanpflanzungen müssen die Bedingungen geschaffen werden, dass die Tiefwurzler auch wirklich tief ins Erdreich wachsen, die hohe Verdunstung kann beispielsweise durch Stroh-Abdeckungen gelindert werden. Wenn sich die Wetterbedingungen weiterhin südeuropäischen Verhältnissen annähern, müssen sich letztendlich auch die Ertragsregulierung und die Vermarktung anpassen. „Dann können wir halt nur noch 40 statt 90 Hektoliter pro Hektar ernten“, sagt er. Die Preise müssten entsprechend steigen.

    Artur Baumann wird die Entwicklungen in der fränkischen Weinwelt auch weiterhin intensiv beobachten. Jetzt freut er sich erst einmal auf mehr Freizeit. Aber ganz ohne Weinbau wird es auch künftig nicht gehen. Drei Hektar bewirtschaftet er selbst, ist Vorsitzender der Erzeuger-Gemeinschaft Castell und nennt als künftiges Projekt die Renovierung seiner Weinbergshütte.

    Teamplayer: Seine Arbeitskollegen Liane Höfer und Matthias Muth wird Artur Baumann auf jeden Fall vermissen.Fotos: Ralf Dieter
    Teamplayer: Seine Arbeitskollegen Liane Höfer und Matthias Muth wird Artur Baumann auf jeden Fall vermissen.Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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