• aktualisiert:

    Kitzingen

    Wenn der Weinfestleiter ohne Weinfest dasteht

    Traurige Corona-Zeiten für Vereinskassiere: Durch den Ausfall der Weinfeste bricht den Ehrenamtlichen eine wichtige Einnahmequelle weg. Doch vom BLSV kommt eine gute Nachricht.
    Weinselige Stunden unter den schattigen Bäumen im Rödelseer Schlosshof: Darauf müssen die Menschen heuer verzichten und die ausrichtenden Vereine auf entsprechende Einnahmen, um unter anderem ihren Sportbetrieb zu finanzieren.
    Weinselige Stunden unter den schattigen Bäumen im Rödelseer Schlosshof: Darauf müssen die Menschen heuer verzichten und die ausrichtenden Vereine auf entsprechende Einnahmen, um unter anderem ihren Sportbetrieb zu finanzieren. Foto: Hartmut Hess

    Die Weinfest-Saison beschert den Menschen im Weinlandkreis Kitzingen alljährlich viele Genüsse und Freuden. Auch viele Vereinskassiere haben gewissermaßen Feiertage, wenn die Einnahmen von Weinfesten fließen. Doch heuer stehen viele Schatzmeister vor traurigen Zeiten: Die Absage nahezu aller Weinfeste in Folge der Corona-Pandemie trifft viele Veranstalter, Lieferanten und Musikbands. Und den Weingenießern gehen weinselige Stunden ab. Da in unseren Breiten viele Vereine alleine oder in Weinfestgesellschaften die Weinfeste ausrichten, trifft es manchen Verein hart, wofür der TSV Rödelsee und die HSG Volkach exemplarische Beispiele sind.

    "Uns fehlt durch den Weinfest-Ausfall unser größter Einnahmeposten", sagt Dietmar Chrischilles, Vorsitzender des TSV Rödelsee. Sein Verein war in den 1970er-Jahren der Gründer des Rödelseer Weinfestes und bekommt deswegen und auch wegen seiner vielen Helfer den Hauptanteil des Gewinns, der unter den Vereinen in der Rödelsee Weinfestgesellschaft aufgeteilt wird. "Da uns neben dem Weinfest auch noch die Einnahmen der Rödelseer Märkte fehlen und wir in unserem Vereinsheim längere Zeit nichts erwirtschaften können, müssen wir heuer kleine Brötchen backen", sagt der Rödelseer Vereinschef.

    "Uns fehlt durch den Weinfest-Ausfall unser größter Einnahmeposten."
    Dietmar Chrischilles, Vorsitzender des TSV Rödelsee

    Die fehlenden Einnahmen seien nicht zu kompensieren. Die abgebrochene Handballsaison sei nicht das größte Problem. Denn wegen des Abbruchs der Meisterschaftsrunde und des Ausfalls von Heimspielen und Trainingsstunden müsse der Verein rund 4500 Euro weniger an Hallenmieten ausgeben. "Schwieriger wird die kommende Saison", vermutet Chrischilles, denn jetzt verlorenes Geld fehlt in einem halben Jahr. Und es bleibe abzuwarten, ob Sponsoren dem Verein weiter die Stange halten können – oder wollen.

    Eine kleine Entlastung könne sein, wenn der Freistaat dem Bayerischen Landessportverband (BLSV) mehr Mittel zuweist für die Förderung der Mitgliedsvereine. Wie BLSV-Kreisvorsitzender Josef Scheller dieser Redaktion bestätigte, wird die Vereinspauschale aus München verdoppelt. Die Vereine dürfen hoffen, dass die Städte und Gemeinden den gleichen Betrag drauflegen. So war es bislang üblich.

    Nach dem plötzlichen Tod des langjährigen Weinfestgesellschafts-Geschäftsführers in Rödelsee, Gerhard Eyselein, war Ende Februar Achim Hammer als Nachfolger gewählt worden. Er erlebte jetzt einen weniger schönen Einstand, steht er heuer doch als Weinfestleiter ohne Weinfest da. "Uns fehlt damit das Highlight jedes Jahres und wir können nichts an die Vereine ausschütten", bedauert Hammer. Wie er darlegt, hätten die Musikbands die Absagen akzeptiert und ihre Verpflichtungen gelten automatisch für das Folgejahr. Dieses Jahr will der Weinfestleiter nicht tatenlos verstreichen lassen, sondern die unverhoffte Zeit nutzen, um neue Dinge auf den Weg zu bringen und das Konzept noch mehr auf jüngere Weinfestbesucher zuzuschneiden.

    HSG Volkach hat noch ein finanzielles Polster

    Die Handballer der Handballsportgemeinschaft (HSG) Volkach bewirtschaften seit gut 20 Jahren einen Weinstand auf dem größten Weinfest Frankens in Volkach. "Uns bricht eine beträchtliche Einnahme in diesem Jahr weg", weiß HSG-Vorsitzender Volker Menz. Er glaubt nicht, dass es nach dem Verbot von Großveranstaltungen im Freistaat bis Ende August noch eine kleine Hoffnung auf ein Weinfest 2020 gibt, "denn die Politik wird bestimmt keine Rolle rückwärts machen".

    Doch Menz beruhigt: "Unsere Vorgänger in der Vereinsführung haben in der Vergangenheit gut gewirtschaftet." Dadurch habe der Verein ein finanzielles Polster, das ausreiche, um das magere Jahr zu überbrücken. "Wir müssen im Sportbetrieb aufgrund der Finanzen keine Einschränkungen vornehmen", versichert der HSG-Chef.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Kitzingen-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!