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    BAMBERG

    Bamberger Dom: Die Zierde Europas

    Bamberger Dom: Vor 1000 Jahren wurde das von Heinrich II. gestiftete Gotteshaus geweiht. Dort liegt er neben seiner Frau Kunigunde begraben. Begegnung mit einem heiligen Kaiserpaar.

    Heinrich II. wurde entweder als „Zierde Europas“ oder als „Kopf der apokalyptischen Schlange“ bezeichnet – je nachdem, ob sich ein Anhänger oder ein Gegner über den Herrscher äußerte. Er scheint ein widersprüchlicher Charakter gewesen zu sein, ohne Zweifel aber war er ein machtbewusster Mensch, der dort Erfolg hatte, wo sein Vater scheiterte. Zudem soll er argwöhnisch gewesen sein, zuweilen skrupellos, aber auch großzügig, fromm und gottesfürchtig.

    Heinrich war der erste bayerische Herzog, der König wurde. Sein Vater, ebenfalls ein Heinrich, verlor zeitweise Macht und Besitz, als er die gleichen Ambitionen hegte. Aufgrund seiner streitfreudigen Natur, erhielt Heinrich senior den Beinamen „der Zänker“. Aus seinem Sohn wurde nicht nur im Jahr 1002 ein König, sondern 1014 sogar ein Kaiser und 1146 ein Heiliger. Heinrich II. ist sogar der einzige Kaiser des Abendlandes, der bis heute als heilig verehrt wird.

    Bereits zu Lebzeiten investierte er viel Energie und Vermögen, damit die Nachwelt sich seiner erinnern wird. Heinrich veranlasste den Bau des Bamberger Doms und bestimmte ihn als seine letzte Ruhestätte. Vor 1000 Jahren, am 6. Mai 1012, ließ er unter Beisein von über 40 Bischöfen und anderen Würdenträgern das Gotteshaus weihen. Es war kein x-beliebiges Datum, sondern Heinrichs Geburtstag. Erst fünf Jahre zuvor, 1007, hat er das Bistum gegründet. Zuerst stieß sein Vorhaben auf Widerstand, so lehnte es unter anderen der Würzburger Bischof ab, Teile seines Bereiches an das neue Bistum abzutreten. Letzten Endes konnte er sich nicht durchsetzen, denn Heinrich fiel auf der Frankfurter Synode vor den Bischöfen auf die Knie. Eine Demutsgeste, die nicht ignoriert werden konnte. Er bekam sein Bistum.

    Aufgrund dieser Fixpunkte im Leben des „Mönchskaisers“ konnten die Bamberger in den vergangenen Jahren gleich zwei große Jahrtausendfeste feiern. In diesem Jahr folgt nun das runde Domjubiläum – mit Festgottesdienst, Sonderausstellung und Konzerten (siehe rechts stehenden Infokasten).

    Neben diesen historischen Daten sind von Heinrich II. auch etliche Legenden überliefert. So heißt es, dass Heinrich mit seiner ebenfalls heiligen und bis heute in ganz Franken überaus beliebten Frau Kunigunde von Luxemburg in einer sogenannten Josephsehe lebte, also keusch. Damit erklärten sich vor allem geistliche Zeitgenossen die Kinderlosigkeit des Herrscherpaares. Das Volk drückte es drastischer aus. Heinrich sei „lendenlahm“ gewesen und deshalb der Nachwuchs ausgeblieben. Normalerweise war das eine Katastrophe. Einen Nachfolger in die Welt zu setzten, gehörte zu den dynastischen Pflichten. Doch Heinrich verwandelte diesen Makel zu etwas Besonderen und bestimmte sein geliebtes Bamberg zu seinem Erben. Davon zehrt die Stadt noch heute.

    Heinrich II. war der letzte Herrscher aus der Ottonen-Dynastie. Der erste Ottone hieß ebenfalls Heinrich. Ihm wurde die Königswürde noch angetragen, Heinrich dagegen nahm die Sache selbst in die Hand. Er stoppte den Leichenzug mit den sterblichen Überresten seines Vorgängers Otto III. in seinem Herrschaftsgebiet bei dem Ort Polling, nahm die Reichsinsignien an sich und drängte die Anwesenden, ihn zum König zu wählen.

    So einfach war's dann aber doch nicht. Um seine Königsmacht zu festigen, bedurfte es mehr als der verwandtschaftlichen Nähe zu den Ottonen und eines handstreichartigen Überfalls. Wichtiger war die Anerkennung der weltlichen und geistlichen Fürsten, Herzöge und Würdenträger. Es gab mehrere Königsanwärter. Viele sprachen Heinrich die Befähigung zum König einfach ab. Heinrich hatte jedoch Verbündete oder machte sich welche. Er ließ für sich werben, versprach die Sicherung alter Rechte – und versperrte seinem Rivalen, dem Schwabenherzog Hermann, den Weg nach Mainz und ließ sich dort von Erzbischof Willigis am 7. Juni 1002 zum König salben.

    Fortan saß Heinrich monatelang im Sattel, auch als Kaiser und meist in Begleitung seiner Frau Kunigunde. Im Mittelalter gab es keinen zentralen Platz der Macht, die Herrscher waren Reisende, zogen von Königspfalz zu Königspfalz. Bevorzugte Orte gab es jedoch, die sie besonders ausschmückten. Bei Heinrichs Großonkel Otto dem Großen war es Magdeburg, bei Heinrich Bamberg.

    Heinrich wählte den Ort zu seiner Lieblingspfalz, schenkte ihn Kunigunde als Morgengabe nach der Hochzeitsnacht – und machte alles wieder rückgängig, als er Bamberg zum Bistum erhob. Kunigunde erhielt dafür den Königshof Kassel als Ersatz. Auf der Burganlage der Babenberger, von denen sich der Name Bamberg ableitet, ließ Heinrich den Dom errichten.

    Wer sehen möchte, was sich aus der Zeit Heinrichs vor 1000 Jahren noch erhalten hat, muss verborgene Orte aufsuchen. Aus Anlass des Domjubiläums kann in den nächsten Monaten die sonst für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Westkrypta besucht werden. Dort befindet sich heute die Grablege der Bamberger Bischöfe sowie Mauerreste und einige Säulenfragmente – mehr hat sich nicht vom ersten Dom erhalten, der 1185 durch einen Großbrand zerstört wurde. Der heutige Dom ist zwischen 1215 und 1237 entstanden. Geweiht wurde auch dieser Bau am 6. Mai – zu Ehren Heinrichs.

    Im Langhaus des Doms können Besucher ebenfalls auf den Spuren Heinrichs und Kunigundes wandeln. Das Grabmal des Kaiserpaares hat kein Geringerer als der Würzburger Künstler Tilman Riemenschneider in den Jahren 1499 bis 1513 geschaffen. Zu dieser Zeit war der Kaiser schon fast 500 Jahre tot. Er starb 1024, Kunigunde 1033.

    Nach mehreren Umbauten des Gotteshauses, die auch Umbettungen der Gebeine zur Folge hatten, steht das Kaisergrab heute im Mittelschiff zwischen den beiden Treppen, die zum Ostchor (Georgenchor) führen. Als das Domkapitel den Auftrag an Riemenschneider vergab, hatte es den Wunsch, dass das Grabmal spätestens 1507 zum Bistumsjubiläum (Gründung vor 500 Jahren) fertig ist. Er erfüllte sich nicht. Erst 1513 lieferte der Künstler die Tumba mit fünf Reliefs an den Seitenwänden und einer Deckplatte aus dem marmorähnlichen Solnhofer Stein. Somit könnten die Bamberger im nächsten Jahr wieder ein großes Fest feiern: 500 Jahre Kaisergrab.

    Die annähernd quadratischen Reliefs erzählen Legenden aus dem Leben des heiligen Kaiserpaares (Heinrich wurde 1146, Kunigunde 1200 heiliggesprochen). Sie gelten als Arbeiten begabter Gesellen aus der Werkstatt. Die Deckplatte mit den Figuren von Heinrich und Kunigunde ist ein eigenhändiges Werk Riemenschneiders. Sie zeigt das Kaiserpaar im sogenannten Liegestand: Ihre Köpfe ruhen auf Kissen, mit den Füßen stehen sie auf Löwen.

    Drei Reliefszenen beschäftigen sich mit dem Kaiser: Die Steinheilung erzählt, wie ihn der heilige Benedikt 1022 von seinen Nierensteinen erlöst hat. In der Seelenwägung ist ein Traum Heinrichs dargestellt: Der Erzengel Michael wägt die guten und schlechten Taten des Kaisers ab. Zu den schlechten zählen auch die glühenden Pflugscharen, über die Heinrich seine Frau schickte, als sie des Ehebruchs bezichtigt wurde. Mehrere Teufel legen sich ins Zeug, um diese Seite der Seelenwaage nach unten zu drücken. Doch der goldene Kelch, den Heinrich einst den Merseburgern gestiftet hat und den der heilige Laurentius in die andere Waagschale wirft, ist schwerer, die guten Taten überwiegen. Im dritten Relief ist der sterbende Kaiser zu sehen. Trauernde umlagern das Totenbett, darunter die weinende Kunigunde. Heinrichs letzte Worte sollen gewesen sein, dass er seine von Gott erhaltene Jungfrau jetzt wieder zurückgeben werde, wie er sie erhalten hat. Ein Hinweis auf die Josephsehe.

    Eines der beiden Kunigundenreliefs zeigt die Legende vom gerechten Lohn: Nach dieser soll die Kaiserin jedem der Bauleute für die von ihr gestiftete Kirche St. Stephan den Lohn in die Hand gegeben haben. Dazu griff sie in eine Schüssel und holte genau die Anzahl Münzen heraus, die jedem zustand. Im anderen Relief geht es um die „Feuerprobe“ beziehungsweise um die bereits erwähnten glühenden Pflugscharen, über die Kunigunde auf Geheiß ihres Mannes laufen musste. Kunigunde blieb unverletzt. Damit ist das Gottesurteil über die ihr unterstellte Untreue zu ihren Gunsten ausgefallen. Heinrich soll vor Kunigunde auf die Knie gefallen sein.

    All diese Legenden entstanden erst nach der Heiligsprechung Kunigundes im Jahr 1200, also fast 170 Jahre nach ihrem Tod. Die ihr zugesprochene Jungfräulichkeit führte dazu, dass ihre kultische Verehrung zuweilen marienähnliche Züge annahm. Sie wurde Bambergs Volksheilige, sie soll Schwangeren zur leichten Geburt verhelfen, ebenso kinderlosen Paaren zum Nachwuchs.

    Auch außerhalb Bambergs ist Kunigunde präsent, etwa in Burgerroth bei Aub im Landkreis Würzburg. Dort steht die geheimnisvolle Kunigundenkapelle, ein Etappenziel des 106 Kilometer langen Kunigundenwegs von Aub nach Bamberg. Natürlich führen auch andere Wege in das „Rom Frankens“ – und momentan auch „dem Himmel entgegen“ – so heißt die Sonderausstellung anlässlich des runden Domjubiläums.

    Geschichte und Sonderausstellung

    Der Dom gehört zusammen mit der Altstadt Bambergs zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist seit 1000 Jahren ein Glaubensbekenntnis aus Stein. Doch nur wenig geht auf die Zeit Kaiser Heinrichs II. zurück. Ein kurzer Abriss der bewegenden Geschichte der Kathedrale:

    1004: Der spätere Kaiser Heinrich II. gab den Auftrag, einen Dom zu bauen. Er wurde auf den Fundamenten der Kapelle und des Friedhofs der ehemaligen Babenburg errichtet, die Heinrich geerbt hatte. Der Dom hat deshalb bis heute keine exakte Ost-West-Ausrichtung.

    1007: Bamberg wird zum Bistum erhoben.

     

    1012: Am 6. Mai, dem Geburtstag von – damals noch – König Heinrich II., wird der Dom eingeweiht. Die enorme Bedeutung der neuen Kathedrale beweist die Tatsache, dass bei keiner anderen Domweihe im Mittelalter so viele Bischöfe zugegen waren wie in Bamberg.

    1081: Bei einem Brand wird die kostbare Innenausstattung des Domes völlig zerstört. Die Bausubstanz überlebte das Feuer jedoch weitgehend unbeschadet und blieb erhalten. Der Dom wurde wieder instand gesetzt.

    1185: Ein Großbrand zerstört schließlich den ersten Bamberger Dom, er wird abgerissen.

    1215: Erst 40 Jahre später wird auf Geheiß von Bischof Eckbert von Andechs-Meranien mit dem Bau eines neuen Domes begonnen.

    1237: Der neue, viel größere Dom wird zu Ehren von Bistumsgründer Kaiser Heinrich II. wieder an dessen Geburtstag, dem 6. Mai, geweiht.

    1678: Auch wenn sich das Bamberger Domkapitel zunächst geweigert hatte: In diesem Jahr waren fast alle 30 Altäre barockisiert.

    1829: Im Dom beginnen Renovierungsarbeiten, die schließlich in der vom bayerischen König Ludwig I. gewünschten Purifizierung, sprich: Stilbereinigung mündeten. Die Kathedrale sollte in ihren ursprünglichen romanischen Stil zurückversetzt werden.

    1837: Der umgebaute Bamberger Dom wird wieder eingeweiht, jedoch ohne ein Mitglied der Königsfamilie. Ludwig I. hatte offenbar das Interesse am Bamberger Dom verloren.

     

    Papstgrab: Im Bamberger Dom befindet sich nicht nur das Kaisergrab von Heinrich und Kunigunde, sondern auch das einzige Papstgrab nördlich der Alpen. Clemens II. wollte nach seinem Tod unbedingt zurück Bamberg

    gebracht werden, denn dort war er vor seiner Wahl zum Pontifex Bischof. Er war nur wenige Monate lang im Amt, als er 1047 starb.

     

    Sonderausstellung: Bis 31. Oktober ist im Diözesanmuseum Bamberg unter dem Motto „Dem Himmel entgegen – 1000 Jahre Kaiserdom Bamberg 1012 - 2012“ eine Sonderausstellung zu sehen. Zwölf Themenfelder geben auf 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und anhand von mehr als 200 Exponaten Einblick in die Geschichte des Bauwerks; dazu gehören neben vielen Leihgaben eigene Stücke wie originale Portalfiguren, barocker Altarschmuck und die kostbaren Kaisermäntel. Präsentiert werden auch Modelle, die wichtige Etappen des Kirchenbaus veranschaulichen, sowie die Nachbildung eines historischen Tret-radkranes im Außenbereich. Funkelnder Blickpunkt wird die Nachbildung der „Heinrichs-krone“ sein. Mehr Informationen gibt es im Internet: www.dem-himmel-entgegen.de

    Informationen über den Baumberger Dom und das Festwochenende bis einschließlich 6. Mai sowie andere Fixpunkte im Jubiläumsjahr: www.bamberger-dom.de

    Text: epd/cj

    ONLINE-TIPP

    Und nach dem Kaisergrab? Welche Sehenswürdigkeiten Sie bei Ihrem Rundgang durch den Dom auf keinen Fall auslassen dürfen:

    www.mainpost.de/kulturwelt

    Von unserem Redaktionsmitglied Christine Jeske