• aktualisiert:

    Retzstadt

    15 Jahre Reli-Pop: Musik mit einer Botschaft

    Lieder vom Leben und vom Glauben singt der Chor Reli-Pop ausschließlich in deutscher Sprache. Foto: Günter Roth

    Wenn die rund 20 Sängerinnen und das halbe Dutzend Männer von Reli-Pop im Chor einer Kirche stehen oder in einem Saal auftreten, herrscht eine besondere Atmosphäre. Es ist als ob ein Geist durch den Raum schwebt, der augenblicklich auch von den Zuhörern Besitz ergreift. Gut, Damen und Herren in dunkler Kleidung und mit einem langen Schal geschmückt, sind nichts Neues. Das machen viele. Aber mit Recht sagt die Gruppe unter der Leitung von Margarete Treml von sich selbst: "Reli-Pop ist einzigartig!"

    Da ist zum einen die hohe Motivation der Gruppe, die Freude am Singen, aber auch die spürbare Harmonie zwischen den Mitgliedern. "Nein, streng ist die Margarete wirklich nicht, aber konsequent!", sagt eine der Sängerinnen bei einem Probenbesuch. Obwohl diesmal die Gitarristin fehlt und die Chefin selbst die Klampfe spielen muss, hat sie alles im Griff. Da bricht sie mitten im Lied ab, weil die Oberstimme zu verhalten rüber kommt, ein andermal moniert sie die Artikulation. Ob denn wirklich die Wortendung bei "Abend" so hart ausgesprochen werden muss, fragt eine der Sängerinnen. Ruhig, aber bestimmt verweist Treml darauf, dass eine klare Aussprache das A und O ihrer gesanglichen Arbeit sei.

    Lieder ausschließlich in deutscher Sprache

    Schließlich will Reli-Pop nicht nur unterhalten. Die religiös motivierte Gruppe will eine Botschaft vermitteln – und dazu gehört neben der Musik auch die Sprache. So sind grundsätzlich alle vorgetragenen Lieder in Deutsch – und sie sind von Margarete Treml selbst komponiert, arrangiert und getextet. Das ist eine Chance, aber auch eine künstlerische Herausforderung, weil man sich nicht hinter schwer verständlichen englischen Worten verstecken oder auf erprobte Hits zurückgreifen kann.

    Die nächste Besonderheit: Die Chorleiterin und Mutter der Gruppe ist Autodidaktin, ein Naturtalent ohne fachliche oder schulische Ausbildung auf dem Gebiet der Musik oder des Dirigierens. Allerdings lernte sie im Alter von zwölf Jahren auf der Gitarre zu spielen und wirkte später in regionalen Bands am Bass mit.

    Ihre jetzige Berufung erfuhr sie als Sozialpflegerin beim Umgang mit einem jungen Mann im Wachkoma. Eher beiläufig ergriff sie eines Tages die Gitarre an der Wand im Zimmer des Patienten und begann darauf zu spielen. Treml erinnert sich: "Die Spastik des jungen Mannes schien sich zu lösen, seine Augen wurden groß und funkelten und seine Mimik wirkte mit einem Mal so entspannt, als würde er jeden Moment aus seinem Koma erwachen." Zwar bewirkte die Musik keine nachhaltige Heilung, aber für Margarete war das Erlebnis ein Auslöser, im Jahr 2004 die Gruppe Reli-Pop zu gründen.

    Der Chorsatz wird gemeinsam erarbeitet

    Mittlerweile hat sie mehr als 80 ausschließlich deutsche Lieder geschaffen, die sich meist besinnlich, aber auch fröhlich mit alltäglichen und religiösen Themen befassen. Wenn wieder einmal ein neues Werk vollendet ist, stellt Treml es der Gruppe vor. Man spricht darüber, modifiziert, wo es nötig ist, und erarbeitet dann gemeinsam einen passenden Chorsatz, zunächst einstimmig, erst dann experimentiert man mit weiteren Stimmlagen. Reli-Pop braucht für seine Auftritte kein großes Equipment. Eine oder zwei Gitarren sowie einfache Percussions- und Blasinstrumente reichen aus. Schließlich sind die Stimmen und die Botschaft wichtig.

    Die Lieder der Gruppe erzählen vom Leben, von der Liebe, vom Loslassen, von Stärken und Schwächen und vor allem vom Alltag. Die gesungenen Geschichten, obwohl oft mit religiösem Anspruch, wirken in keiner Weise frömmelnd, sondern schlicht, direkt und vor allem ehrlich. Sie wecken beim Publikum eine Vielzahl von Assoziationen, sprechen die Menschen direkt an.

    Reli-Pop trifft sich alle 14 Tage zur Chorprobe in Retzstadt. Selbst bei diesen Proben spürt man als Außenstehender die innere Freude am Singen und den Enthusiasmus an ihrem Tun. Eine Sängerin brachte diese Stimmung ohne Überheblichkeit auf den Punkt: "Bei uns harmoniert alles, wir sind vor allem auch so begeistert von uns selbst!"

    Chorprobe in Retzstadt: Trotz aller Harmonie wird bei Reli-Pop auch mal kontrovers über die Lieder diskutiert. Foto: Günter Roth

    In der Vorweihnachtszeit gibt der Chor Reli-Pop am vierten Adventssonntag, 22. Dezember, um 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Andreas in Retzstadt ein Weihnachtskonzert mit eigenen adventlichen und weihnachtlichen Liedern.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!