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    Frammersbach

    16-jähriger Frammersbacher ist begeisterter Imker

    Tobias Karl ist Jungimker mit Begeisterung. Zum Thema Arten- und Insektenschutz hat er eine klare Meinung. Foto: Karl-Heinz Liebler

    »Wenn ich gedurft hätte, hätte ich das Volksbegehren zur Artenvielfalt sofort unterschreiben« - der 16-jährige Tobias Karl aus Frammersbach war schon immer ander Natur interessiert. Vor drei Jahren, beim Besuch des Imkerfestes in Frammersbach, wurde dann seine Leidenschaft geweckt: Er wollte Imker werden.

    Helfer hatte er im Ortsverein der Imker gleich gefunden. Ein »Pate« stand ihm nicht nur mit Rat und Tat zur Seite, sondern schenkte ihm sogar das erste Bienenvolk. Und auch ein älteres Mitglied hatte immer Zeit für ihn, wenn es Fragen gab.

    Erstes Volk davongeflogen

    Der Jungimker ist heute stolzer Besitzer von sieben Bienenvölkern. Die Bienenkästen stehen im Garten der Eltern. »Das erste Volk, das ich geschenkt bekam, ist mir gleich durchgegangen«, erzählt Karl. Die Flugbienen wollten zurück in ihren alten Bau und der war nur einige Hundert Meter entfernt. »So funktionierte das nicht«, lernte der Jugendliche aus dieser Erfahrung.

    Man geht davon aus, dass Ableger aus einem Bienenvolk bei einer Neugründung mindestens drei Kilometer vom Ursprungsvolk entfernt aufgestellt werden müssen, um ein Zurückfliegen auszuschließen. Und so hat Tobias im Ortsteil Habichsthal eine »Niederlassung« eröffnet. Mit der eigenen Züchtung und Zukauf wurde der Bienenbestand aufgebaut. Aber es gab auch Rückschläge: So verlor Tobias im letzten Winter drei Völker.

    Die Arbeiten im Jahresverlauf sind vielfältig. »Jetzt geht die wöchentliche Kontrolle der Kästen los«, beschreibt der Jungimker. Derzeit gilt die Aufmerksamkeit vor allem der Schwarmverhinderung. Insbesondere ältere Königinnen neigen dazu, mit einem Teil ihres Hofstaates auszufliegen und ein neues Zuhause zu suchen. Was in der Natur der Vermehrung dient, ist vom Imker eher unerwünscht. Er setzt auf kontrollierte Vermehrung und will das Einfangen von Schwärmen vermeiden.

    In einigen Wochen beginnt dann die Honigernte. Dabei müssen die Waben entdeckelt werden, dann folgt das Schleudern, Rühren und Abfüllen des Honigs. Im Herbst beginnt dann die Wintervorbereitung. In diese Zeit fällt die Behandlung gegen die Varroa-Milbe. Für den Honig, den er den Bienen genommen hat, muss der Imker dann mit Zuckerwasser zufüttern. Und schließlich warten auf den Imker im Winter Reparatur- und Reinigungsarbeiten.

    Inzwischen hat sich Tobias Karl auf mehreren Fortbildungen und durch den intensiven Kontakt im Ortsverein umfangreiches Wissen angeeignet. »Er macht das perfekt und hat gleich zu Beginn seiner Mitarbeit ein Ackerstück als Blühwiese eingesät«, lobt Peter Peiffer, der Vorsitzende des Imkervereins Frammersbach.

    Faszinierendes Bienenwesen

    Besonders die Teamarbeit der Bienen findet Karl bemerkenswert: »Beim Bienentanz zeigen sie ihren Sammelkolleginnen, wo und in welcher Entfernung es Futter gibt«, beschreibt er. Permanent hielten die Insekten die Temperatur im Stock bei gut 34 Grad, im Sommer durch Fächeln, im Winter durch Bewegung in der Traube, in der sie zusammenhängen. »Ein kleines Wunder, das ist einfach toll«, ist Tobias Karl fasziniert vom Bienenwesen. Er hält die Bienen für die »wichtigsten Tiere in der Natur. Ohne sie gäbe es kein Blühen und keine Ernte.«

    Enttäuschung über Behörde

    Keinen Erfolg hatte der Jungimker mit einer besonderen Idee: Er wollte einen Bauwagen zum Bienenstand umfunktionieren und diesen dann im Rinderbachtal aufstellen. Doch das Landratsamt verweigerte die Genehmigung. Die Unberührtheit der Landschaft und wegerechtliche Probleme sprachen laut Amtsnachricht dagegen. »Da war ich sehr enttäuscht«, gesteht Tobias Karl.

    Doch seine Begeisterung für die Imkerei ist ungebrochen. Mittlerweile ist er selbst derjenige, der Interessenten die Bienenhaltung erklärt und sie dafür zu gewinnen versucht.

    Zur aktuellen Diskussion um Artenschutz und Insektensterben hat Tobias Karl eine klare Vorstellung: Die Verwendung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat sei für Bienen schädlich. Die Stiftung Warentest habe in einigen Honigproben schon Rückstände davon gefunden. Deswegen ist Karl gegen den Einsatz des Mittels. Er hofft, dass nicht zuletzt die von der Umweltaktivistin Greta Thunberg angestoßenen Freitagsdemonstrationen junger Menschen dazu führen, dass sich die Politik zum Handeln für mehr Umwelt-, Klima- und Artenschutz gezwungen sieht.

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