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    Karlstadt

    2000 Kinder in Karlstadt für Nachhaltigkeit auf der Straße

    Zur Abschlussveranstaltung der Woche der Nachhaltigkeit in Karlstadt kamen rund 2000 Schüler auf den Marktplatz. Im Bild die Sängerin Helen Schmidt.  Foto: Karlheinz Haase

    Es war keine Demonstration und der Begriff "Fridays for Future" war streng verboten. Denn im Gegensatz zu diesen "Schulschwänzer-Demos" war der Unterrichtsspaziergang zur "Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit" für die rund 2000 Kinder und Jugendlichen aller Karlstadter Schulen sogar Pflicht. Von der Grundschule aus zogen sie am Freitag über die Bodelschwinghstraße durch das Wohngebiet Echterstraße und die Nordbrücke zur Abschlussveranstaltung auf dem Marktplatz.

    "Schooldays for Future" nannte sich diese Woche auch, in der es an allen Schulen ein reichhaltiges Programm zum Thema Klimaschutz, Umwelt und Gesundheit gab. Das reichte von Exkursionen zu Windrädern und Photovoltaikanlagen über Diskussionen zu Plastikmüll und CO2-Emissionen bis zu Workshops zum veganen Kochen. Ein Höhepunkt war der Vortrag des Würzburger Klimaforschers Professor Dr. Heiko Paeth mit rund 500 Zuhörern am Mittwochabend in der Dreifachturnhalle des Gymnasiums.  

    Schilder durften nicht in die Höhe gehalten werden

    Auch wurden Plakate und Schilder gemalt, die aber während des Umzugs zum Marktplatz laut Anweisung "von oben" nicht in die Höhe gehalten werden durften. Das war erst auf dem Marktlatz selbst erlaubt. Die Veranstaltung hätte sonst wie eine Demonstration ausgesehen. Stattdessen wimmelte es vor gelben und orangefarbenen Westen der Ordner. Polizei und Feuerwehr sicherten den Weg ab.    

    Auf dem Marktplatz ging es wie bei "Fridays for Future" häufig um den Klimaschutz. In einem kurzen Rollenspiel versetzten sich Schülerinnen in das Jahr 2050. Ihre Kinder konnten gar nicht glauben, dass es 2019 noch grüne Wiesen gab. Für sie waren überschwemmte Landstriche auf der einen Seite und verdurstende Menschen auf der anderen die Realität. Norbert Scholz erklärte die Aktion der Karlstadter "CO2-Diät", bei der sich möglichst viele mit dem Ziel beteiligen sollen, jeweils jährlich fünf Prozent weniger CO2-Emission zu verursachen.

    Tanz zum Plastikmüll in den Meeren

    Aber es ging auch um Tierschutz oder die Vermüllung der Weltmeere mit Kunststoff. Eine Gruppe führte einen Tanz auf, bei dem der Müll die Oberhand gewinnt über die schönen, blauen Meereswogen mit ihrem Fischreichtum. Und das nach wie vor stattfindende Robbentöten wurde angeprangert. Mehrmals wurde an die Jugendlichen appelliert, ihr eigenes Verhalten zu beobachten. Es solle nicht dazu aufgerufen werden, Vegetarier zu werden, "aber überdenkt euren Fleischkonsum und informiert euch über die Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten wurden".

    Der Plastikmüll nimmt tänzerisch die blauen Meereswogen in die Zange. Foto: Karlheinz Haase

    Sabine Wicha als Elternbeirat an mehreren Schulen sah in der Menge der teilnehmenden Schüler eine Chance, etwas zu bewegen. Wenn sich jeder einzelne entsprechend verhalte, könne viel gewonnen werden. Oft würden auch Eltern nicht über ihr Handeln nachdenken. Da könnten die Jugendlichen "nachhelfen".

    Das solle aber nicht in einen Generationenkonflikt münden, warnte Landrat Thomas Schiebel. Auch er empfahl, bei sich selbst anzufangen und nicht nur auf die Situation am Amazonas oder in anderen Industrieländern zu verweisen. Karlstadts dritte Bürgermeisterin Anja Baier meinte, sie sei gespannt, "wie ihr euer Verhalten ändert".

    Wunsch: "Kein Flukzeuk fahren" 

    Kabarettist Matthias Walz hatte eigens ein Lied über den SUV gedichtet und erntete stürmischen Applaus. Die Karlstadter Schülerin Helen Schmidt brillierte neben zwei bekannten Popsongs mit einem selbst geschriebenen Lied. Am Ende wurde symbolisch ein schmelzender "Eisberg" aus weiß beklebten Pappkartons aufgebaut. Darauf hatten die Kinder Slogans wie "Strom sparen", "Wasser aus beim Zähneputzen", "Zu Fuß zur Schule", aber auch  "Kein Plastig" und "Kein Flukzeuk fahren"geschrieben.

    Aus weißen Kartons wurde symbolisch ein Eisberg aufgebaut. Foto: Karlheinz Haase

    Ein Zaungast kommentierte am Rande des Marktplatzes beim Einzug der Jugendlichen: "Ökofaschisten!" Viele Erwachsene aber waren beeindruckt von dem, was die Karlstadter Schulen auf die Beine gestellt hatten. Außergewöhnlich klar moderierten die jungen Leute die Veranstaltung: Maren Naujoks, Elisa Holzner, Sophia Bach, Leonie Heselich, Antonia Nitzl, Resul Zorlu, Felix Hümmer und Hanna Blisch.

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