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    Gemünden

    23-Jähriger in Gemünden vor Gericht: Frau und Stieftochter geschlagen

    Nach der Trennung gab es Sticheleien, aber auch einvernehmlichen Sex
    Symbolbild Foto: Christopher Schulz

    Miteinander leben konnten sie nicht, die Finger voneinander lassen aber wohl auch nicht. Ein 23-jähriger Mann aus dem Raum Gemünden wurde vom Amtsgericht Gemünden zu einer Geldstrafe von 3600 Euro (90 Tagessätze) verurteilt, weil er gewaltsam in das von seiner Frau bewohnte Haus eindrang und zuschlug. Dass er dabei auch gegen eine Vereinbarung nach dem Gewaltschutzgesetz verstieß, spielte für Richterin Laura Paczesny kaum eine Rolle; das getrennt lebende Ehepaar schrieb gegenseitige Sticheleien per Messenger-Dienst, es gab sogar Treffen mit einvernehmlichen Sex.

    Insgesamt drei Vorfälle warf die Staatsanwältin dem gelernten Metallbauer vor: Am 1. Mai 2019 fand die Polizei bei ihm im Keller einen angerauchten Joint. Knapp zwei Wochen nachdem ihm seine Ehefrau über einen Anwalt ihren Scheidungswunsch mitgeteilt hatte, gab es Streit. Als der Angeklagte damals von einer Maifeier nach Hause kam, lag seine Bettdecke nicht auf dem Ehebett. Die Frau hatte Angst vor einer Eskalation und rief die Polizei, die den Mann des Hauses verwiesen und den Joint fanden. Letztlich ließ sich nicht beweisen, wer den Joint geraucht hatte. Die Anklage wurde eingestellt.

    Nach dem 1. Mai erwirkte die Ehefrau einen Beschluss nach dem Gewaltschutzgesetz gegen ihren Mann, Mitte Juli schlossen die Eheleute einen Vergleich. Darin stand, dass dem Mann eine Kontaktaufnahme nur im Rahmen des Umgangsrechts mit seinen zwei leiblichen Kindern erlaubt war und er sich dem Wohnhaus sowie der Frau nur bis auf 100 Meter nähern durfte.

    Nach dem Sex gab's wieder Streit

    In der Verhandlung gab er allerdings an, dass er danach trotzdem noch mehrfach im Haus war. Es habe "von beiden Seiten noch Aufmerksamkeitssuche gegeben", formulierte die Frau, "wir waren irgendwie noch hintereinander her". Sie sprach von mindestens einer sexuellen Begegnung. Im August habe er sogar bei ihr übernachtet, dabei ein Bild von sich und der schlafenden Frau gemacht und verschickt. Deshalb gab es beim Frühstück Streit, er schlug ihr die Kaffeetasse aus der Hand, wodurch sie eine Schürfwunde und blutende Platzwunde an der Lippe erlitt, die ohne ärztliche Behandlung ausheilte.

    Zu viel war für den jungen Mann dann eine Nachricht der Frau im September, sie werde künftig im (einst) gemeinsamen Ehebett mit anderen Männern Spaß haben. Als er zum Haus fuhr, sei ihm nicht geöffnet worden. Seine Frau und seine minderjährige Stieftochter hätten aber durchs Schlafzimmerfenster nach draußen geschaut. Er sei aufs Fensterbrett gestiegen und habe den Fensterflügel gegen den Widerstand der beiden aufgedrückt. Danach beleidigte er seine Stieftochter so massiv, dass sie ihn schlug, woraufhin er "reflexartig" zurückgeschlagen habe.

    Er sagte aus, er habe trotz des Streits seine leiblichen Kinder ins Bett gebracht und und die Wohnung verlassen. Laut seiner Frau gab es ein Handgemenge, bei dem er sie am Hals packte; sie habe ihn beleidigt. Die Verletzungen bestanden aus roten Flecken am Hals der Ehefrau, die Stieftochter sagte aus, dass ihr Nase und Lippe zehn Minuten lang weh taten.

    Im Laufe der gut dreistündigen Verhandlung wurde manches relativiert, so sah die Richterin beim Wegschlagen der Tasse keinen Vorsatz, sondern Fahrlässigkeit, und stellte auch das Verfahren wegen Beleidigung der Ehefrau im September ein (wegen Gegenseitigkeit unter Erwachsenen). Der Verteidiger scheiterte allerdings mit seinem Versuch, alle Verfahren gegen Zahlung eines Geldbetrages einzustellen.

    Anträge von Staatsanwältin und Verteidiger lagen weit auseinander

    Die Staatsanwältin beantragte eine Gesamt-Geldstrafe von 160 Tagessätzen. Sie warf dem Mann für das Eindringen durchs Fenster neben Nötigung und Hausfriedensbruch auch Beleidigung, Körperverletzung und fahrlässige Körperverletzung sowie einen Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz vor. 

    "Der Sinn und Zweck des Gewaltschutzvergleichs wurde von den Eheleuten schnell auf den Kopf gestellt", schickt der Verteidiger voraus. So habe die Ehefrau freimütig erklärt "klar haben wir uns gegenseitig Nachrichten geschickt", von den "Kuscheltreffen" nicht zu reden. Vom Vorfall im September bleibe nur das Angehen der Stieftochter übrig, vom Schlag auf die Tasse eine fahrlässige Körperverletzung. Da sei eine Gesamtstrafe von 55 Tagessätzen ausreichend.

    Ganz so sah es die Richterin dann nicht. Sie sprach für den September von zwei Tatkomplexen, der erste habe mit der Ohrfeige der Stieftochter geendet. Als Heranwachsende habe sie die Beleidigung mit sexuellen Hintergrund vermutlich hart getroffen, und dann seien da noch Hausfriedensbruch und Nötigung. Alleine dafür setzte die Richterin 80 Tagessätze an. Mit den Strafen für die Körperverletzungen der Ehefrau kam sie auf 90 Tagessätze zu je 40 Euro.

    Rechtskräftig wurde des Urteil im Gerichtssaal nicht, weder die Staatsanwältin nach der Angeklagte gaben Erklärungen ab.

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