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    Gemünden

    50 Jahre FLG: Eine Torte und ein Orchester als Geschenk

    Wie die Schüler, so schnitzten die Ehrengäste des Festakts "50 Jahre Friedrich-List-Gymnasium Gemünden" ihre Namen in Holzbohlen. Im Bild (von links): Bürgermeister Jürgen Lippert, Staatssekretärin Anna Stolz, Schulvereinsvorsitzender Bernd Rützel, Monika Zeyer-Müller (Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Unterfranken), Direktor Ingo Schneider, Elternbeiratsvorsitzender Jürgen Ditterich, Landrat Thomas Schiebel und Schülersprecher Jan Knes-Wiersma. Foto: Michael Fillies

    Was auch eine kleine Schule zu leisten vermag, kann staunen machen: Zum Festakt "50 Jahre Friedrich-List-Gymnasium" war am Freitagnachmittag ein 49-köpfiges Orchester nebst Dirigent  im Frack aufgeboten. Die gediegene Feier mit der Prominenz des Landkreises und der Stadt sowie aktiven und ehemaligen Lehrern stellt den Auftakt zu einer Reihe von öffentlichen Jubiläumsveranstaltungen dar (siehe unten).

    Oberstudiendirektor Ingo Schneider. Foto: Michael Fillies

    Für "Kontinuität und Wandel" stehe die Feier, sagte Schulleiter Ingo Schneider zur Begrüßung in der Turnhalle der benachbarten Realschule und sprach wie die meisten Redner nach ihm die bevorstehende Generalsanierung des FLG an. Die Schule, die "familiäre Atmosphäre mit Wohlfühlcharakter" biete, sei "in Würde gealtert - wir freuen uns auf die Sanierung". Schülersprecherin Celina Dittloff stimmte ihm am Ende der zweistündigen Feier zu: "Man ist immer froh, ein Teil dieser wundervollen Schule zu sein", die von den Schülern "liebevoll Betonklotz genannt" werde. Man freue sich auf den Umbau.

    Für Demokratie und Werte

    Die Geburtstagstorte des FLG, präsentiert von Elisabeth Barsch und Jan Knes-Wiersma. Foto: Michael Fillies

    Die lange Reihe der Ehrengäste führte Bayerns Kultusstaatssekretärin Anna Stolz aus Arnstein an. Sie ging zunächst kurz auf den Namensgeber der Schule, den Wirtschaftstheoretiker und Förderer des Eisenbahnbaus Friedrich List (1789 bis 1846), ein: Er habe gewusst, dass Bildungsinvestitionen Zukunftsinvestitionen sind - dafür setzen sich Lehrer und Eltern tagtäglich ein und vermitteln der Jugend das Rüstzeug fürs Leben. Anna Stolz bat, sich besonders für die Demokratie und die Wertebildung einzusetzen. Sie warb für das Projekt "Werte machen Schule" des Kultusministeriums, in welchem sich Acht- und Neuntklässler zu "Wertebotschaftern" ausbilden lassen können. 

    Dem FLG dankte die Staatssekretärin für eine "ganzheitliche Talentförderung, so wie wir's uns im Freistaat wünschen". In dem Zusammenhang hob sie die Angebote von der Bienen-Arbeitsgruppe, über das Fair-Trade-Team bis hin zur Robotik, zum Theater und als Stützpunktschule Mountainbike sowie als Modellschule für Nachhaltigkeit hervor. Sport werde an der Schule mit wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Ausrichtung groß geschrieben. Begonnen hatte das Gymnasium 1969 mit 49 Schülern; heute sind es 370 Schüler und 42 Lehrer.

    Zum Jubiläum des Friedrich-List-Gymnasiums hat sich ein 49-köpfiges Orchester zusammengefunden. Foto: Michael Fillies

    Eltern und Schüler musizieren für Jupiter

    Wie zum Beleg ihrer Worte füllte ein großes Orchester unter der Leitung von Studienrat Rüdiger Wiesenhütter die Bühne. Erwachsene - als Eltern oder ehemalige Schüler dem FLG verbunden - verstärkten das Schulorchester. Nach nur drei Probensonntagen wagten sich die 49 Musiker an die Sinfonie Nr. 9 "Aus der neuen Welt" von Antonin Dvorak und die Suite "Jupiter, der Bringer der Fröhlichkeit" von Gustav Holst. Ebenso originell war die Idee, dass Schüler und Ehrengäste zum  Andenken ihre Namen in Holzbretter schnitzen.

    Besteht seit 50 Jahren: das FLG Gemünden. Foto: Michael Fillies

    Mit Landrat Thomas Schiebel folgte auf Anna Stolz ein ehemaliger Schüler (ab 1971) des FLG als Redner. Wie später Laudator Winfried Renner betonte Schiebel, dass das Gymnasium vielleicht nicht gegründet worden wäre, wenn sich die Region unter der Führung des damaligen Landrats Karl Müller (Gräfendorf) nicht so nachdrücklich dafür eingesetzt hätte. "Diesen Zusammenhalt brauchen wir auch künftig." Im Namen der Bürgermeister der Region schloss sich Gemündens Stadtoberhaupt, Jürgen Lippert, dem an: "Wir sind stolz auf unser Gymnasium." Das FLG sei nicht nur als Bildungseinrichtung, sondern auch kulturell und gesellschaftlich für Gemünden wichtig. Für die FLG-Spendenaktion zugunsten "World Bicycle Relief" (Fahrräder für Schulkinder in Entwicklungsländern) stiftete Lippert namens der Stadt ein Fahrrad. 

    Auch der vormalige Schulleiter, Walter Fronczek (Zweiter von links), war unter der Festgästen. Foto: Michael Fillies

    Renners Vergnügen und seine Sorgen

    Vier Direktoren hatte das FLG bislang: Gerhard Krenek (21 Jahre), Winfried Renner (16 Jahre), Walter Fronczek (zwölf Jahre) und jetzt Ingo Schneider. Die Festrede oblag mit sichtlichem Vergnügen dem Gemündener Winfried Renner. Am Zeitenwandel über 50 Jahre schätze er insbesondere das Vorziehen der zweiten Fremdsprache von der siebten auf die sechste Klasse und dass es immer mehr Abiturientinnen, mittlerweile sogar mehr als Abiturienten, gibt - "von ihren besseren Noten ganz abgesehen". Sorge bereiten dem Altphilologen Renner die sprachliche Verarmung durch Smartphone-Kommunikation und, damit einhergehend, das Cybermobbing.

    Laudator und Direktor a.D. Winfried Renner. Foto: Michael Fillies

    Als seine "Highlights" des FLG erinnerte Winfried Renner an die Firmierung 2004 als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", initiiert vom "Klub Rassismus ablehnender Schülerschaft" (Krass) und Besuch des Paten von Klubs, Konstatin Wecker, sowie 2018 die Verleihung des Würzburger Friedenspreises. Er hob ebenso die zweijährlichen Osteuropa-Exkursionen von Studiendirektor Erwin Schneider hervor.

    Der Vorsitzende des Schulvereins, Bernd Rützel (MdB), stellte heraus, dass der Verein bislang mit 250.000 Euro das Schulleben unterstützt hat und rief zu weiteren Spenden auf, schon über einen Euro im Monat wäre er erfreut. Der Elternbeiratsvorsitzende Jürgen Ditterich, der auch im Orchester mitspielte, dankte den mitwirkenden Musikern und insbesondere Rüdiger Wiesenhütter und überreichte der Schule einen Gutschein für einen zu pflanzenden Baum. Vor dem Stehempfang in der mit einer Ausstellung aus dem Kunstunterricht geschmückten Aula war noch die von den Moderatoren der Veranstaltung, Elisabeth Barsch und Jan Knes-Wiersma, präsentierte Geburtstagstorte anzuschneiden und zu verspeisen. 

    Jubiläumsveranstaltungen: 12. November, 8.40 Uhr, Aula FLG, Vortrag Prof. Stickler „Zeitgeschichtliches Umfeld der Schulgründung“. 23. Januar 2020, 18.30 Uhr, Aula FLG, Vortrag Prof. Riederer „Der Botanische Garten Würzburg“. 19. März, 18.30 Uhr, Aula FLG, Vortrag Prof. Bofinger „Welche Zukunft hat Europa?“ 28. März, 10 bis 17 Uhr, FLG, Jubiläums-Schachturnier. 19. Juni, 18.30 Uhr, Sporthalle Realschule, Jubiläumskonzert mit Chor und Orchester.

    An den Festakt "50 Jahre Friedrich-List-Gymnasium Gemünden" schloss sich ein Stehempfang in der Aula an. Foto: Michael Fillies

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