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    MARKTHEIDENFELD

    Action und überraschende Momente

    Wolf Wiechert. Foto: M. Harth

    Immerhin rund 15 Gäste wollten sich bei einer Lesung der Marktheidenfelder Volkshochschule sich mit einem nicht ganz einfachen literarischen Stoff befassen. Der Wertheimer Autor und frühere Gymnasiallehrer Wolf Wiechert hat kürzlich eine Neuerzählung des mittelhochdeutschen Versepos „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach vorgelegt, die er im Festsaal des Franck-Hauses seinen Zuhörern vorstellen wollte.

    Wiechert war zu seinem Buch von Hermann Hamm, Professor für Deutsche Philologie an der Uni Würzburg, angeregt worden. Der Literaturgeschichtler suchte nach einem Weg, das komplexe und schwierig zu erfassende Werk des mittelalterlichen Schriftstellers zeitgemäß an heutige Leser zu vermitteln und dabei trotzdem den Charakter des Originalwerks begreiflich zu machen.

    Wiechert kürzte den Versroman um die beiden Ritter Parzival und Gawan mit 25 000 Reimen auf ein Drittel. Zusammen mit einer Arbeitsgruppe wurden 20 Originalstellen in die Neuerzählung aufgenommen und parallel zum Verständnis ins Neuhochdeutsche übertragen. Ein Glossar und eine Personenübersicht dienen dem besseren Verständnis.

    Nachdem vhs-Beirat Martin Harth den Autor kurz vorgestellt hatte, griff Wiechert zunächst einige Gedanken aus einem Vortag des ebenfalls an seinem Buchprojekt beteiligten Elsenfelder Deutschlehrers Bertram Söller auf. Der „Parzival“ zähle zu den Kronjuwelen des literarischen Schatzes Europas. Sein Schöpfer Wolfram von Eschenbach stelle sich in seinem Werk persönlich vor. Dabei weise eine Spur unmittelbar nach Wertheim, wo der Autor um 1200 wohl ein kleiner Beamter am Hof des nicht ganz einflusslosen Grafen Poppo I. gewesen sein könnte.

    Wiechert las danach exemplarische Stellen aus seinem Buch. Dort stellte sich Wolfram von Eschenbach selbst mit viel Ironie als einen armen Ritter vor, in dessen Anwesen selbst Mäuse nichts zu beißen fanden. Kein gelehrter Dichter sei er gewesen, lässt sich aus einer anderen Stelle ableiten und dennoch verstand es Eschenbach in bildhafter Sprache die Wandlung des Parzivals vom tumben Toren zum Gralskönig spannungsvoll zu entwickeln.

    Im Roman stecke neben der modern gebrochenen wirkenden Hauptfigur auch einiges an Action, meinte Wiechert. Er trug die fast an ein einen Splatterfilm erinnernde Kampfszene vor, in welcher der einfache Ritter Parzival, der von seiner Mutter Herzloyde auf seinem klapprigem Pferd mit einem Narrenkleid ausgestattet worden war, den beeindruckenden roten Ritter Ither mit seinem primitiven Spieß tötet.

    Für Wiechert liegt der besondere Reiz des Parzivals in der Vielschichtigkeit des Stoffs und in seiner Sprunghaftigkeit. Das mache in seinen Augen das Werk des Wolfram von Eschenbach bis heute interessant und lasse es modern erscheinen.

    Buchtipp: Parzival, nach Wolfram von Eschenbach neu erzählt, mit Auszügen aus dem mittelhochdeutschen Roman; von Wolf Wiechert, 199 Seiten, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2013, ISBN 978-3-8260-5138-8.

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