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    LOHR

    AfD-Gegner stören Wahlveranstaltung massiv

    Innere und äußere Sicherheit war das Thema von Georg Pazderski, stellvertretender Bundesvorsitzender der AfD, am Montagabend in einer Wahlveranstaltung der AfD der alten Turnhalle in Lohr.
    Innere und äußere Sicherheit war das Thema von Georg Pazderski, stellvertretender Bundesvorsitzender der AfD, am Montagabend in einer Wahlveranstaltung der AfD der alten Turnhalle in Lohr. Foto: Wolfgang Dehm

    Ziemlich turbulent ging es bei einer gut zweistündigen AfD-Wallveranstaltung am Montagabend in der Alten Turnhalle zu. Grund: Gegner dieser 2013 gegründeten politischen Partei, die von vielen als rechtsextrem eingestuft wird, versuchten die Veranstaltung zu sprengen.

    Aber der Reihe nach: Schon im Vorfeld der Veranstaltung hatten verschiedene Gruppierungen aus Politik, Gewerkschaft, Kirche und Gesellschaft zu einem stillen Protest vor der Alten Turnhalle aufgerufen. Statt der erwarteten 250 Gegendemonstranten kamen 700 bis 800.

    Anfangs 60 Zuhörer

    Blick in die Halle: Nach einem Werbefilm, in dem sich die AfD als Unterstützer des Handwerks und der Industrie präsentierte, ausreichende Renten und gerechte Preise für Bio-Landwirte forderte, Flächenfraß und ausufernde Bürokratie verurteilte und eine Wiederherstellung rechtsstaatlicher Ordnung auf allen Ebenen forderte, trat Kurt Schreck, AfD-Kreisvorsitzender Main-Spessart/Miltenberg und Landtagskandidat seiner Partei, ans Rednerpult. Gut 60 Zuhörer saßen ihm zu diesem Zeitpunkt gegenüber. Unter ihnen auch einige wenige, die nicht mit der AfD sympathisierten, sich aber ein eigenes Bild von der Partei machen wollten.

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    Kaum hatte Schreck damit begonnen, die Gegendemonstration zu kommentieren – den Kirchen warf er beispielsweise vor, sie sollten besser den sexuellen Missbrauch in ihren eigenen Reihen aufarbeiten, statt sich als „Moralapostel“ gegen die AfD aufzuspielen – kamen zahlreiche junge AfD-Gegner von draußen rein, setzten sich, standen wieder auf, ältere kamen nach, bis irgendwann alle Plätze im hinteren Teil besetzt waren und zudem viele seitlichen Bereich und im Rückraum der Halle standen.

    Demonstranten füllen die Halle

    Insgesamt dürften jetzt 70 bis 80 Gegendemonstranten in der Halle gewesen sein, die versuchten, mit lautem Klatschen und Rufen wie „Nazis raus“ die Versammlung zu sprengen. Zu diesem Zeitpunkt waren auch schon etwa ein Dutzend Polizisten anwesend.

    Schreck kritisierte, begleitet von Buh-Rufen, dass in Deutschland bestraft werde, wer ohne Angelschein angele, während nichts passiere, wenn hunderttausende Menschen unregistriert über die Grenze nach Deutschland kämen. „Dieses Land wird von Idioten regiert“, so seine Schlussfolgerung.

    Mitläufer hie, Mitläufer da?

    AfD-Landtagskandidatin Daniela Mahler verzichtete angesichts der massiven Störungen der Veranstaltung auf ihre vorbereitete Rede. Stattdessen sagte sie den Gegendemonstranten, wenn sie schon Schilder hochhielten mit der Aufschrift „Mitläufer sind Mittäter“ sollten sie „vielleicht mal in den Spiegel gucken“.

    Als es immer lauter wurde im Saal, trat Wolfgang Remelka, der Chef der Polizeiinspektion Lohr nach vorne und wies die Gegendemonstranten darauf hin, dass sie die Versammlung nicht stören dürften. AfD-Versammlungsleiter Rainer Eich bat darum, doch erst einmal die Ausführungen der Referenten anzuhören.

    Wortwechsel

    Als anschließend der AfD-Bezirkstagskandidat Stefan Cartsburg mit den Worten „So hab' ich mir den Abend heute nicht vorgestellt“ ans Rednerpult ging, bekam er von einem AfD-Gegner prompt zu hören: „Ich schon – Lohr ist bunt.“ Dem wiederum hielt Cartsburg entgegen: „Sie predigen Toleranz und Buntheit und sind selber intolerant.“ Auf Cartburgs Frage, „Wollen Sie wirklich alle Menschen dieser Erde hier in Deutschland aufnehmen?“ ertönte ein lautes „Ja“ aus den Reihen der AfD-Gegner.

    Als Daniela Mahler den Gegendemonstranten in dieser aufgeheizten Stimmung vorwarf, „Sie unterstützen die Reichen, die Sie eigentlich kritisieren – und Sie merken das nicht einmal“, schallte ihr „Halt die Klappe“ entgegen.

    Behr: Sozialsystem nur für Einheimische

    Ähnlich erging es dem AfD-Bezirkstagskandidaten Jochen Behr, der sagte, das Wohl der einheimischen Bürger stehe für ihn an erster Stelle. Auf seine Frage an die AfD-Gegner, ob sie „offene Grenzen und damit den Kollaps des Sozialsystems in Deutschland“ wollten, waren Ja-Rufe und lautes Klatschen zu hören. Nun schob Behr nach, er wolle ein „starkes Sozialsystem für Einheimische – nur für Einheimische“. Buh-Rufe waren die Folge.

    Weitgehend ungestört konnte schließlich der stellvertretende Bundesvorsitzende und Fraktionsführer der AfD im Berliner Abgeordnetenhaus, Georg Pazderski, einen Vortrag zum Thema innere und äußere Sicherheit halten.

    Kern seiner Aussage war, dass die Welt seit Beilegung des Ost-West-Konflikts unübersichtlicher und unsicherer geworden sei, dass sich die Bevölkerungsexplosion in Afrika und der arabischen Welt sowie der radikale Islam zur Bedrohung von Frieden, Freiheit und Wohlstand in Europa entwickelten.

    Pazderski fordert Friedensordnung

    Vor diesem Hintergrund forderte Pazderski, Deutschland müsse „seinen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Beitrag zur Erhaltung des Friedens in Europa und zur internationalen Sicherheit leisten“. Unter anderem forderte er die Schaffung einer „europäischen Friedensordnung“ unter Einbindung Russlands, der USA sowie mittel- und osteuropäischer Staaten.

    Ferner sprach sich der ehemalige Oberst für eine „Eindämmung der Ausländerkriminalität“ aus. In diesem Zusammenhang forderte er „umfassende, lückenlose Grenzkontrollen und Abweisung aller Asylbegehrenden an allen deutschen Landesgrenzen, da alle über sichere Drittstaaten einreisen“.

    Pazderski: Friedensrichter abschaffen

    Von der Justiz, die personell gestärkt werden müsse, forderte er einen „konsequenten Vollzug der Gesetze und rechtlichen Möglichkeiten“ sowie ein „Beenden der Sozialromantik“; Bewährungsstrafen dürfe es nur bei positiver Sozialprognose geben, jugendliche Intensivtäter müssten konsequent bestraft werden. Scharf kritisierte er eine „Paralleljustiz durch sogenannte Friedensrichter“; diese müsse „rigoros“ unterbunden werden.

    Neben gut 60 Veranstaltungsteilnehmern, die sich die Aussagen der AfD-Leute anhören wollten, waren auch 70 bis 80 AfD-Gegner gekommen, von denen einige die Veranstaltung massiv störten.
    Neben gut 60 Veranstaltungsteilnehmern, die sich die Aussagen der AfD-Leute anhören wollten, waren auch 70 bis 80 AfD-Gegner gekommen, von denen einige die Veranstaltung massiv störten. Foto: Wolfgang Dehm
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