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    Karbach

    Als das Wasser ins Dorf kam

    Mit einem Wasserfest feierten die Karbacher die Fertigstellung der neuen Versorgungsanlagen. Fahnenabordnungen aller Vereine waren vertreten. Foto: Archiv Josef Laudenbacher

    Schier endlos und beschwerlich war es gewesen, das Buttenschleppen von den fünf öffentlichen und rund 100 privaten Brunnen im Dorf in die Häuser und Ställe. Am 8. April 1954 war damit Schluss. Das Fränkische Volksblatt schrieb zu Recht von einem "bedeutsamen Tag in der Karbacher Ortsgeschichte". Er wurde mit einem "Wasserfest" gefeiert und dabei auch der neue Hochbehälter eingeweiht.

    Zur Wasserversorgung der Marktgemeinde Karbach wurde das Quellwasser der Grundlochquelle abgeleitet. Durch einen Rohrbruch an der neuen Wasserversorgung hatte sich die Inbetriebnahme um ein paar Tage verzögert. Was den Leitungsbau anbelangte, war Karbach im Vergleich zu anderen Gemeinden eigentlich spät dran, zählte dann aber doch zu den "fortschrittlichen Kommunen".

    Nach zweijähriger schwerer Arbeit ging ein langgehegter Wunsch endlich in Erfüllung. Das Wasserprojekt war mit rund 350 000 Mark veranschlagt. Die Pläne wurden im Juli 1951 erstellt und lagen in den Händen des Bayerischen Landesamtes für Wasserversorgung in München.

    Die meisten Grabarbeiten wurden noch in Handarbeit, mit Pickel und Schaufel, erledigt. Die beiden Hochbehälter fassten je 250 Kubikmeter Wasser. Die Wasserleitung und die vielen Hausanschlüsse wurden durch die Firma Udo Lermann (Marktheidenfeld) erstellt; der Bau des Hochbehälters auf dem Mühlberg durch die Baufirma Zöller (Marktheidenfeld).

    Von Anfang an begleitete Spenglermeister Oskar Herrmann (†11. Mai 2016) das Projekt. Als zuverlässiger Wasserwart zeichnete er 45 Jahre lang für die Wasserqualität im Dorf verantwortlich. Im Ort konnte man die Uhr danach richten, wenn Oskar Herrmann seinen abendlichen und morgendlichen Kontrollgang hinauf zum Wasserhäuschen oder hinauf zum Hochbehälter auf dem Mühlberg machte.

    Das Wasserfest am 4. Juli 1954 wurde mit einem Dankgottesdienst begonnen. Danach zog eine feierliche Prozession, an der Spitze die örtlichen Vereine und die Feuerwehr, zum Hochbehälter, hinauf auf den Mühlberg. Pfarrer Fridolin Rudloff rief die Gläubigen dazu auf, Gott zu danken für den Segen der guten Wasserquellen, die der Gemeinde geschenkt wurden. Dank galt auch dem einstigen Bürgermeister Eugen Schmelz mit Gemeinderat für dieses Engagement.

    Als Ehrengäste waren Landrat Leo Baunach (Marktheidenfeld), Landtagsabgeordneter Engelbert Kraus (Rimpar) sowie Regierungsbaudirektor Tippmann vom Landesamt für Wasserversorgung erschienen. Landrat Baunach meinte damals, dass sich die Marktgemeinde Karbach durch ihren Wasserleitungsbau in die "fortschrittlichen Gemeinden des Altlandkreises Marktheidenfeld" eingereiht habe. Wichtig war ihm auch, dass nun die Brandbekämpfung vereinfacht wurde, hatte es doch wenige Wochen vorher noch zwei große Brände gegeben, für die das Wasser aus dem Dorfbrunnen und dem Klimbach entnommen werden musste.

    Die Schlüsselübergabe für den Hochbehälter an Bürgermeister Isidor Ehehalt beendete die Einweihungsfeierlichkeiten, die vom Gesangverein und von der Musikkapelle umrahmt wurden. Mit einer Einsatzübung dokumentierte die Feuerwehr, wie gut die neue Wasserversorgung funktionierte.

    Doch die Anforderungen an die Wasserqualität wuchsen in den folgenden Jahrzehnten. Alle Bemühungen, die eigene Wasserversorgung zu erhalten, zu sichern und auszubauen, waren erfolglos. So hat der Gemeinderat am 26. Juli 2001 beschlossen, einen Wasserlieferungsvertrag mit der Fernwasserversorgung Mittelmain abzuschließen.

    Viel Arbeit wurde zu jener Zeit noch per Hand mit Pickel und Schaufel erledigt, so auch hier am Pumphaus im Grundloch. Foto: Archiv Josef Laudenbacher
    Den Bau des Hochbehälters übernahm in den Jahren 1953 und 1954 die Firma Zöller aus Marktheidenfeld. Foto: Archiv Josef Laudenbacher
    Oskar Herrmann begleitete den Wasserleitungsbau des Marktes Karbach von Anfang an und sorgte 45 Jahre lang für "sauberes Wasser" für die gesamte Ortsbevölkerung. Hier zusammen mit seinem Nachfolger Hans Herrmann auf Lecksuche mit einfachsten Mitteln. Foto: Archiv Josef Laudenbacher
    Die Ehrendamen, die beim Wasserfest in Karbach dabei waren. Foto: Archiv Josef Laudenbacher

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