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    MARKTHEIDENFELD

    Als der Erzengel den Koran brachte

    Auf dem Platz vor dem Türkisch-Islamischen Zentrum feierten gläubige Muslime in Marktheidenfeld die Nacht der Bestimmung. Foto: Martin Harth

    Am Freitag endet für gläubige Muslime der diesjährige Fastenmonat Ramadan mit dem Zuckerfest, das im Türkischen als Ramazan Bayrami bezeichnet wird. Kurz zuvor bot am Sonntagabend die „Nacht der Bestimmung“, türkisch Kadir gecesi, für die Türkisch-Islamische Gemeinde von Marktheidenfeld Anlass zu einer besonderen Feier des täglichen Fastenbrechens im Ramazan nach Sonnenuntergang.

    Gegen 21 Uhr kam man auf dem Platz vor dem Gemeindezentrum an der Udo-Lermann Straße zusammen, wo man bei schwülen Sommertemperaturen eine Speisetafel zusammengerückt hatte. Dass an diesem Abend unmittelbar vor dem Wochenbeginn keine allzu große Zahl an Gemeindemitgliedern und Gästen zusammenkam, erstaunte die Besucher nicht sehr. Richtig voll werde es eigentlich nur zum Freitagsgebet im Gebetsraum. Dann kämen auch viele Flüchtlinge vor allem aus der Gemeinschaftsunterkunft in das Zentrum, zu denen man einen guten Kontakt pflege. Andere religiöse Feste stünden bei vielen Muslimen nicht so stark im Blickpunkt.

    Die Nacht der Bestimmung, die arabisch Lailat al-Qadr heißt, wird von den Gemeinden der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) am Abend des 27. Tags des Ramadan gefeiert. Sie erinnert nach der islamischen Überlieferung an die Offenbarung des Korans durch den Erzengel Gabriel.

    Die Kinder, Frauen und Männer, die zum Fastenbrechen gekommen waren, warteten geduldig, bis die Uhrzeit des exakt berechneten Sonnenuntergangs gegen 21.30 Uhr erreicht war. Dann sang der junge Imam der Gemeinde, Halil Sanli, seinen Gebetsruf. Seit Jahresbeginn lebt er in Marktheidenfeld, vor einem Monat hat seine Frau Derya die vierte Tochter zur Welt gebracht.

    Als der Gebetsruf verklungen war, gab es kein Halten mehr. Alt und Junge strebten in die Teeküche des Gebäudes, versorgten sich mit Getränken und machten sich nach dem Genuss einer warmen, pikanten Suppe über die heimatlichen Spezialitäten her, die von Frauen zu einem festlichen Buffet zusammengetragen worden waren.

    Aber das Religiöse durfte an diesem Abend auch nicht zu kurz kommen. Bald schon gingen die Frommen unter den Gästen zum Abendgebet in den Betraum des Gemeindezentrums. Imam Sanli kündigte eine kurze Ansprache über die Bedeutung der Nacht der Bestimmung und die religiösen Pflichten der Muslime an. Mit dem Nachtgebet wollte er den Tag schließlich enden lassen.

    Die Türkisch-Islamische Gemeinde von Marktheidenfeld will ihr Zentrum weiter als ein offenes Haus pflegen. Jeder sei willkommen, um die religiösen Bräuche und Traditionen des Islams näher kennenzulernen. Gemeindemitglieder stellten sich jederzeit zu einem informativen Austausch zu Verfügung. Ein guter Anlass dazu werde wieder der deutsche Nationalfeiertag am 3. Oktober sein, an dem man auch in Marktheidenfeld einen „Tag der offenen Moschee“ veranstalten wolle.

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