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    Steinfeld

    Anekdoten aus der großherzoglich-badischen Zeit

    Aus den Jahren, als Steinfeld und zehn weitere fränkische Orte zu Baden gehörten, ist manch amüsante Geschichte überliefert, so auch diese von einer Fürstenjagd.
    Peter Apfelbacher (geb. 1859, gest. 1940).
    Foto: Repro Josef Laudenbacher

    Der Bezirksschulrat und Heimatforscher Peter Apfelbacher, der eine Abhandlung über das von 1806 bis 1819 bestehende Großherzoglich-badische Amt Steinfeld schrieb, würzte seinen Bericht mit einigen Anekdoten, die uns einen Einblick in das Verhältnis zwischen den hohen Herren und den Untertanen geben.

    Die erste Anekdote erzählt von einer Jagd, bei der die Bauern als Treiber eingesetzt waren: Bei einer solchen Treibjagd saß ein Fürst von Wertheim unter einem Birnbaum, den er aber für einen Apfelbaum hielt. Vom Glück begünstigt, brach vor ihm ein prächtiger Rehbock zusammen. „Sehen Sie, meine Lieben“, sprach er nicht ohne Eitelkeit zu den herbeigeeilten Jagdgästen und Dienern, „unter diesem Apfelbaume erlegte ich vor vier Jahren ebenfalls ein so schönes Tier wie dieses; der Apfelbaum ist ein Glücksbaum!“.

    Der Karbacher Fluraufseher konnte sich da nicht bremsen: „I will grad nit sag, fürstliche Durchlaucht, es wär vor vier Jahren gerad a Bock gwesn, aber dös wäss ich gwiss, der Bam da it za Lebtag a Birnbaum und ke Apfelbaum“. Ob dieser unnötigen, plumpen Aufklärung kicherte verstohlen mancher Jagdgast; die umstehenden Treiber aber sahen an der ernsten Miene Seiner Durchlaucht, dass der Flurschütz ebenfalls einen Bock, freilich bloß mit seinem gefürchteten Mundwerk geschossen hatte.

    Als Schusslohn erhielt der Vorlaute einen Tag Arrest vom Herrschaftsrichter zugesprochen, abzusitzen in Rothenfels „wegen zu Tage gelassener impertinence“ (Ungebührlichkeit). So hatte der voreilige Mann Gelegenheit bekommen, in der Stille der Arreststubbe nachdenken zu können über das Sprichwort: Mit hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen.“

    Von einer Schulprüfung in Roden – damals hatten noch die Pfarrer den Unterricht der Volksschullehrer zu besuchen und zu bewerten – berichtet eine zweite Anekdote: Da Schulinspektor und Dechantpfarrer Franz Kraus aus Pflochsbach „die Hochachtung des Volkes gegen die vorgesetzten Behörden und Lehnsherren schon in der Schule gepflegt wissen wollte, (…) paukten die Lehrer den Kleinen die Namen der nächststehenden Ämter und ihrer Vorstände ein.

    Als Visitator Kraus in der Religionsstunde die Frage stellte: ‚Wer ist der Herr des Himmels und der Erde?‘, platzte der Erste in der Bank heraus: ‚Der Herr des Himmels und der Erde ist der gnädige Herr Herrschaftsrichter in Rothenfels‘. Da nun die Klassenkameraden am Kopfschütteln und Lächeln des Inspektors merkten, dass die Antwort nicht stimmte, suchten sie den Fehler zu verbessern. So trompeten sie einer nach dem anderen heraus: ‚Der Herr des Himmels und der Erde ist unser wohllöblicher Dorfschulz – der Obersteuereinnehmer in Karbach - der hochgelehrte Dorfchirurg und Bader Schuhmann ebenfalls in Karbach – der Herr Direktor in Wertheim – der Allerdurchlauchtigste Fürst und Herr von Baden!‘

    Ja, die Namen und Ämter waren so gut eingedrillt worden, dass die gleichen Antworten sogar gegeben wurden, als später in der Vaterlandsstunde gefragt wurde, wer das Schießpulver erfunden habe. Da kam aber der Rodener Magister denn doch in Aufregung und schrie die Rangen an: ‚All die genannten Männer haben das Pulver nicht erfunden, wenn es auch schon ein Badener war, nämlich der Mö-, Mö,..." "…der Mönch Berthold", ergänzten die Schüler.

    Als die badische Regierung bald darauf von der „absonderlichen Affäre in Roden Kenntnis erhalten“ hatte, verlangte sie zu wissen, ob der Schullehrer bei seinen Erklärungen über den Erfinder des Pulvers die Herren verspotten wollte. Erst als Schulinspektor Kraus versicherte, das sei mitnichten so und der Lehrer sei „von der ehrfurchtsvollsten Gesinnung gegen Staatsoberhaupt und Höchtsdero getreuen Diener angefüllet“, wich „das Gewitter von Roden, das wochenlang darüber hing“.

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