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    Gemünden

    Angeklagter "zum Autofahren ungeeignet"

    Smbolbild Gericht Foto: Arne Dedert

    Teuer zu stehen kommt es einen 29-jährigen Mechaniker aus Lohr, dass er sich im November 2018 trotz bestehenden Fahrverbots hinters Lenkrad setzte. Richterin Kristina Heiduck verurteilte ihn wegen Fahren trotz Fahrverbots in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 5200 Euro in 130 Tagessätzen und zu einer Sperrfrist für den Führerschein von sechs Monaten.

    "Ich habe das gemacht ohne nachzudenken, das war blöd", lautete das Geständnis des Angeklagten. Beide Fahrten seien Gefälligkeiten für seine damalige Freundin gewesen, einmal habe er sie in Lohr zum Arzt gefahren, einmal vom Bahnhof nach Hause. Beide geschah in den ersten zwei Tagen nachdem ein Fahrverbot aus einer anderen Verurteilung – darin ging es um Lkw-Fahren ohne den nötigen Führerschein – wirksam geworden war.

    Angezeigt vom Freund der Ex-Freundin 

    Ans Licht kamen die unerlaubten Fahrten, weil der Mechaniker vom jetzigen Freund seiner damaligen Freundin bei der Polizei angezeigt wurde. Als Zeuge war dieser unentschuldigt nicht erschienen, weshalb der Staatsanwalt die Verhängung eines Ordnungsgeld von 100 Euro beantragte,  entschieden wird das vom Gericht auf dem Büroweg.

    Zwei Vorstrafen wegen Delikten im Straßenverkehr, elf Einträge im Fahreignungsregister – bei der Beweisaufnahme zeigte sich, dass der junge Mann nicht gerade ein vorbildlicher Kraftfahrer ist. Vieles stammt aus seiner Zeit als Lkw-Fahrer, doch im Jahr 2017 musste er 1200 Euro Bußgeld bezahlen und drei Monate Fahrverbot überstehen, nachdem er außerorts mit 187 Kilometern je Stunde bei erlaubtem Tempo 100 "geblitzt" worden war. Anfang dieses Jahres wurde ihm der Führerschein wegen erreichen von acht oder mehr Punkten im Fahreignungsregister entzogen.

    Besonders hart dürfte ihn Letzteres nicht getroffen haben, weil er beruflich derzeit nicht fahren muss, seinen Arbeitsplatz kann er problemlos zu Fuß erreichen. Geldsorgen führten ihn zum Schuldnerberater, eine Privatinsolvenz steht zumindest im Raum.

    Hohe Strafe wegen "bisheriger Unbelehrbarkeit" gefordert

    Das vollumfängliche Geständnis und die schwierige Situation hielt ihm der Staatsanwalt in seinem Plädoyers zu Gute. Andererseits nannte er ihn auch einen notorischen Raser, der schon mehrere Fahrverbote erhalten habe. Wegen der "bisherigen Unbelehrbarkeit" des Angeklagten ging er von 130 Tagessätzen als Geldstrafe für jede Fahrt aus und beantragte als Gesamtstrafe 180 Tagessätze zu je 30 Euro, sowie für die Fahrerlaubnis eine isolierte Sperrfrist von sechs Monaten.

    Das bezeichnete der Verteidiger des Mannes als überzogen und beantragte angemessenere und mildere Rechtsfolgen. Er verwies darauf, dass es zwei kurze Fahrten in Fremdinteresse waren und sein Mandant heute in einer ungleich stabileren Situation lebe. Dieser sagte als letztes Wort, es tue ihm einfach nur leid und er werde "so einen Mist" nicht noch einmal machen.

    Die Richterin kam mit 90 Tagessätzen für jede Fahrt auf eine Gesamtstrafe von 130 Tagessätzen mit 40 Euro Tagessatzhöhe. Natürlich sei es nicht einfach, wenn man um einen Gefallen gebeten werde, doch spreche auch das Fahreignungsregister Bände. Die gesamte Vorgeschichte mache deutlich dass der Angeklagte zum Autofahren ungeeignet ist, die Justiz und auch die Verwaltungsbehörde habe hier auch Verantwortung für Dritte. Deshalb verfügte sie auch die beantragte zusätzliche Sperrfrist von sechs Monaten für die Fahrerlaubnis. Bis er diese wieder bekomme oder neu machen könne - unter von der Führerscheinstelle verfügten Auflagen - werde es ohnehin noch länger dauern.

    Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

    Bearbeitet von Jürgen Kamm

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