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    LOHR

    Auch der „Blaue“ ist echt

    Grün und blau im Vergleich: Christian Eich von der Polizeiinspektion Lohr testet acht Monate lang die blaue Uniform auf Funktionalität und Tragekomfort. Links: Sein Kollege Gerhard Keß in der bisherigen grünen Kluft. Foto: Yvonne Vogeltanz

    Wer derzeit im Raum Lohr bei einer Verkehrskontrolle angehalten wird und von einem Polizisten in blauer Uniform nach Führerschein und Fahrzeugpapieren gefragt wird, dem sei schon so viel gesagt: der „Blaue“ ist echt. Bei dem Herren in der etwas anderen Montur handelt es sich um Christian Eich. Der 48-jährige Polizeihauptkommissar nimmt seit Anfang August am Trageversuch für die neuen, blauen Uniformen teil.

    Gut 40 Jahre ist sie alt und nur in Bayern zieht man sie noch an: die grün-beige Polizeiuniform. Ihr Design stammt im Kern aus den 70er Jahren von Modeschöpfer Heinz Oestergaard. Immer wieder wurden jedoch Funktionalität und Qualität kritisiert. Vor allem Polizistinnen klagen über einen wenig modischen Schnitt. In allen anderen Bundesländern Deutschlands und auch in Europa hat sich längst das nach Ansicht Vieler modischere Blau durchgesetzt. Nun kommt auch die bayerische Uniform auf den Prüfstand.

    Seit August bis März 2015 testen daher bayernweit über 500 Polizisten die verschiedenen Varianten der neuen Uniform. Bei einer Vorauswahl ging die österreichische Uniform als Sieger hervor; sie wird nun von einem Großteil der Beamten Probe getragen, auch von Christian Eich. „Ich freu' mich, sie testen zu dürfen“, sagt er. Ausgewählt wurde der Beamte, der seinen Dienst bei der Lohrer Polizeiinspektion verrichtet, per Zufall.

    Immerhin soll die Uniform von möglichst vielen verschiedenen Polizeibeamten sämtlicher Dienstgrade getestet werden. „Dünn, dick, größer, kleiner – es gab keine Vorgaben wer zum Testen ausgewählt wurde. Denn später muss die Uniform ja auch von allen getragen werden“, erklärt er.

    „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auf die blaue Uniform umsteigen.“
    Christian Eich, Hauptkommissar

    Und so wurde Eich zum Start des Trageversuches üppig ausgestattet. „Ich habe ein Gesamtpaket erhalten. Ohne die Schwarzware.“ Mit „Schwarzware“ meint Eich den Gürtel, die Schuhe, Handschuhe, die von der bisherigen Uniform übernommen werden können. Zum Gesamtpaket gehören kurze und lange Hemden in blauer Farbe, für den Hochsommer gab es kurze, dünne Hemden in der Farbe steingrau. Bei den Hosen handelt es sich um blaue Cargohosen mit großen Taschen an der Seite. Zudem zieren auf jeder Seite zwei silberne Längsstreifen die Hosenbeine.

    Drei blaue Jacken (eine Einsatzjacke, eine Mehrzweckjacke mit Kapuze und eine Repräsentationsjacke) sowie zwei Mützen in weiß und in blau komplettieren das Test-Outfit. Zur Ausstattung gehören auch schwarze Strümpfe und Unterziehleibchen. „Solche Funktionswäsche gab es früher noch gar nicht“, erklärt Eich, der bereits seit 30 Jahren die grüne Uniform trägt. „Man hat sich halt dran gewöhnt, für uns gab's immer nur die Grüne. Aber sie ist langsam an ihre Grenzen gestoßen.“

    Sein erster Eindruck der neuen Uniform war positiv – und diese Meinung teilt er nach knapp drei Monaten immer noch. „Bis jetzt wüsste ich nichts, was ich verändern würde.“ Schnitt, Farbe, Funktionalität, Trageverhalten: Christian Eich gefällt die neue Montur. „Ich kann nicht meckern, ich hab ein positives Gefühl.“ Auch seine Kollegen finden die Uniform ansprechend. „Manche kommen dann an und fragen, ob das die neue Jacke ist, sind interessiert“, erzählt er. Nur etwas stört die Kollegen: „Die beiden silbernen Streifen an der Hose werden belächelt und für unnötig empfunden.“ Diese Streifen sind lediglich an der österreichischen Variante zu finden. Die Uniform aus Baden-Württemberg, die zusätzlich von 50 der 500 Beamten getestet wird, sieht lediglich einen dünnen Streifen vor.

    Doch wie fühlt er sich jetzt im Streifendienst, als einziger „Blauer“ unter den grünen Kollegen? „Es spricht mich nicht jeder drauf an.“ Doch Reaktionen kämen natürlich immer wieder. „Das ist aber schick“ oder „Das schaut gut aus“, beschreibt er die positive Resonanz der Öffentlichkeit. Auch wenn ihm bislang im Dienst noch keine Zweifel entgegengebracht wurden, ob er tatsächlich ein „echter“ Polizist ist, so verrät er doch lachend: „Ich achte seit dem Trageversuch immer darauf, dass ich meinen Dienstausweis dabei und auch griffbereit habe. Außerdem sind wir ja immer zu zweit auf Streife unterwegs und der Kollege trägt ja die normale, grüne Uniform. Ich bin immer als Polizist erkannt worden.“

    Acht Monate lang soll Eich die Uniform auf Tragekomfort und Funktionalität testen. Die Testphase sei bewusst über verschiedene Jahreszeiten hinweg gewählt worden, um alle Kleidungsstücke ausgiebig prüfen zu können, erklärt er. „ Die Jacken werden ja erst in den Winter hinein getragen. Da stellt man fest, ob sie halten, was sie versprochen haben.“ Alle zwei Monate muss Christian Eich einen Fragebogen ausfüllen und die Kleidung bewerten.

    Das letzte Wort ist nach der Beendigung des Trageversuchs aber noch nicht gesprochen, denn danach haben alle uniformierten Kollegen die Möglichkeit, abzustimmen. Erst danach wird feststehen, welche Farbe die neue Uniform haben wird und wie sich die Kollektion zusammensetzt. Die neue Uniform, so informiert Eich, wird frühestens Ende 2016 kommen. „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auf die blaue Uniform umsteigen. Auf jeden Fall“, hat sich der Polizeihauptkommissar schon entschieden.

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