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    Karlstadt

    Aufnahmeprüfung bestanden: Lilly aus Karlstadt will auf die Musical-Bühne

    Die 18-Jährige darf die renommierte Stage School in Hamburg besuchen – aber erstmal muss sie ihr Abitur stemmen.
    Lilly-Rose Lenes (rechts) hat die Aufnahmeprüfung für die renommierte Hamburger Stage School bestanden. Ihre Gesangslehrerin Ingeborg Purucker (links) und Martha Bolkart-Mühlrath, Leiterin der Musikschule Arnstein, freuen sich mit ihr.
    Lilly-Rose Lenes (rechts) hat die Aufnahmeprüfung für die renommierte Hamburger Stage School bestanden. Ihre Gesangslehrerin Ingeborg Purucker (links) und Martha Bolkart-Mühlrath, Leiterin der Musikschule Arnstein, freuen sich mit ihr. Foto: Markus Rill

    Auf den ersten Blick passt das alles nicht zusammen, diese modisch gekleidete junge Frau, ihre Stimme und dieses Ambiente. In Jeans und Sneakers steht Lilly-Rose Lenes in einem Klassenraum der Grundschule Thüngen und singt mit glockenheller Sopranstimme Koloraturen, die für das Ohr des Laien eher in Opernhäuser gehören. Tatsächlich singt sie ein Stück aus "Das Phantom der Oper", ihrem Lieblings-Musical. Die hochtalentierte Sängerin träumt davon, Musical-Darstellerin zu werden. Die Aufnahmeprüfung an die renommierte Stage School in Hamburg hat sie vor kurzem bestanden. 

    Mit einem Lied aus dem Kinderfilm "Barbie als Prinzessin der Tierinsel" ging alles los. Das sang Lilly bei einer Talentshow in der Karlstadter Grundschule und es gefiel ihrer Lehrerin Barbara Burkard so gut, dass sie ihr riet, Gesangsunterricht zu nehmen. Und sie empfahl auch gleich eine Gesangslehrerin: Ingeborg Purucker von der Musikschule Arnstein, bei der auch Burkards Tochter singen lernte. "Lilly hatte von Anfang an ein gutes Gespür für Tonarten und Intonation", erinnert sich Purucker.

    Seit zehn Jahren Gesangsunterricht

    Heute, nach zehn Jahren Unterricht, ist die Gesangslehrerin stolz auf ihre Schülerin. "Sie ist ein großes Talent und sie liebt das Musical. Es ist beeindruckend, mit welchem Eifer sie ihr Ziel verfolgt." Der gemeinsame Unterricht begann mit Volksliedern wie "Horch, was kommt von draußen rein" oder "Wenn ich ein Vöglein wär'" und ging über zu anspruchsvolleren Stücken. Purucker hat klassischen Gesang und Gesangspädagogik studiert, ihre Leidenschaft ist die Oper. Lilly sagt: "Sie hat mir Lieder beigebracht, die ich nicht kannte. Das hat mir Spaß gemacht. Und ich habe mich bei ihr menschlich sehr wohl gefühlt." Seit 2012 findet der Unterricht in den Räumen der Grundschule Thüngen statt, die ihre Räume der Musikschule Arnstein zur Verfügung stellt.

    Bald schon fiel Lillys Gesang auch anderen auf. Nachdem sie beim Sommerkonzert der Musikschule 2016 mehrere Stücke gesungen hatte, lud sie Thüngens Bürgermeister Lorenz Strifsky dazu ein, bei der Thüngener Sommernacht aufzutreten. Auch in Karlstadt stand sie schon auf der Bühne, allerdings nicht als Sängerin, sondern als Hauptdarstellerin in der Theaterversion von "Momo" im Theater Gerbergasse. Regisseur Werner Hofmann ist Lillys Großvater. Sie kommt aus einer künstlerisch sehr begabten Familie. 

    Künstlerisch begabte Familie

    "Mein anderer Opa Walter Lenes ist sehr musikalisch und spielt mehrere Instrumente, meine Mutter ist ausgebildete Malerin. Der Bruder meiner Oma ist der Aschaffenburger Soulsänger und -keyboarder Jürgen Wüst", erzählt Lilly. Ihr erstes Instrument war Geige. Klavier, Gitarre, Cello und Ukulele hat sie sich selbst beigebracht. Außerdem tanzt sie in der KaKaGe und trainiert dort die jüngeren Kinder.

    Schauspiel, Tanz und Gesang – das sind die idealen Grundlagen für eine Musical-Karriere. Doch für die Aufnahme an die Stage School war bis vor kurzem noch das Abitur Voraussetzung. Also hat sich Lilly nach dem Realschulabschluss zum Übertritt ans Johann-Schöner-Gymnasium entschlossen. In Kürze stehen die Abi-Prüfungen an; im Additum Musik wird sie eine Mozart-Arie singen und eine theoretische Prüfung ablegen. "Mittlerweile ist das Abi keine Pflicht mehr für die Musical-Ausbildung, aber das ziehe ich jetzt durch", sagt die 18-Jährige. 

    Teure Musical-Ausbildung

    Im Januar hat sie eine Prüfung bestanden, vor der sie genau so aufgeregt war wie vor dem Abi. "Ich hatte mich für einen dreitägigen Workshop der Hamburger Stage School in Würzburg angemeldet. Dann erhielt ich die Info, dass man dabei auch die Aufnahmeprüfung ablegen kann." Lilly machte mit, zweifelte aber wegen einer Erkältung an ihrer gesanglichen Leistung. Eine Woche lang musste sie warten, bis sie die Zusage erhielt. Die Stage School bot ihr nicht nur die dreijährige Ausbildung an, sondern sogar ein verkürztes zweieinhalbjähriges Programm. 

    "Nach dem Abitur muss ich erstmal ein Jahr lang arbeiten, um Geld zu verdienen. Im August 2021 möchte ich dann in Hamburg anfangen", sagt Lilly. Die Ausbildung wird um die 30 000 Euro kosten. Ingeborg Purucker sagt: "Ich finde faszinierend, wie die Musical-Darsteller zusätzlich zum Gesang noch tanzen und schauspielern. Lilly wird das schaffen." Martha Bolkart-Mühlrath, Leiterin der Musikschule Arnstein, ist stolz auf die Karlstadterin: "Einige ehemalige Schüler haben Musik oder Musikpädagogik studiert. Lilly ist die Erste, die in Richtung Musicalstudium geht."

    Wer Lilly-Rose Lenes in einem Klassenzimmer in Thüngen gehört hat, weiß, dass sie es schaffen kann, in einigen Jahren auf großen Musical-Bühnen zu stehen. "Fleiß ist ebenso wichtig wie Talent", sagt Martha Bolkart-Mühlrath. "Lilly hat beides."

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