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    MAIN-SPESSART

    Handgreiflicher Streit mit dem Paketboten

    Ständiger Ärger über chaotisches Parken vor ihrer Firma und eine Auseinandersetzung mit einem Paketboten im Juni 2017 brachten zwei Brüder aus einer Spessartgemeinde im Raum Lohr vor das Amtsgericht in Gemünden. Weil sie einen Auslieferungsfahrer der Firma Hermes erst beschimpft und dann am Wegfahren genötigt haben sollten, waren sie wegen Nötigung angeklagt. Richter Jan Teuber stellte das Verfahren aber gegen Zahlung von geringen Geldbeträgen ein.

    Laut Anklage hatte sich ein 50-jähriger Ofenbauer mehrfach in den Weg des Auslieferungsfahrers gestellt, als dieser von der Lieferung eines Pakets kam, und ihn angeschrien. Als dieser ins Auto stieg, soll er sich so in die geöffnete Autotüre gestellt haben, dass dieser nicht wegfahren konnte. Sein 42-jähriger Bruder soll noch dazu gekommen sein und sich an der verbalen Auseinandersetzung beteiligt haben.

    Strafbefehle nicht akzeptiert

    Aufgrund der Anzeige des Paketboten hatte die Staatsanwaltschaft Strafbefehle über 15 Tagessätze gegen den älteren Bruder und zehn gegen den jüngeren wegen Nötigung erlassen, was am untersten Rand liegt. Trotzdem hatten beide widersprochen. Sie führten an, dass ein Polizist ihre Aussagen und Anzeige nicht habe aufnehmen wollen.

    „Er saß nicht im Fahrzeug und ich habe ihn auch nicht am Wegfahren gehindert“, begann der ältere Bruder seine Einlassung. Dass er sich an jenem Tag ärgerte, schon weil er durch das parkende Auslieferungsfahrzeug nicht in seinen Firmenparkplatz fahren konnte, liegt auf der Hand. Er habe acht Minuten gewartet, bis der Paketbote wieder aufgetaucht sei.

    Er sei dann neben dem Mann hergegangen und habe ihn gefragt, warum er so blöd an einer gefährlichen Stelle parke und damit auch die Wege von Fußgängern blockiere, und nicht weiter hinten, wie es mit seinem Chef abgesprochen sei. Doch der Fahrer habe ihn mit der Bemerkung „lass mich in Ruhe“ (sinngemäß) weggestoßen und dabei Zigaretten in seiner Brusttasche zerdrückt. Seinen später dazugekommenen Bruder habe er derart geschubst, dass dieser gestürzt und mit dem Kopf auf den Boden geknallt sei.

    Angeklagter sei gestoßen worden

    Das bestätigte der Bruder auch, inklusive verbalen Beleidigungen durch den Paketboten. Er sei danach benommen gewesen und habe Schmerzmittel gebraucht sowie sich einer zweiwöchigen Physiotherapie unterziehen müssen, inklusive Wärmepacks im Hochsommer.

    Nach ihren Angaben riefen die beiden Angeklagten damals selbst die Polizei. „Alle möglichen Leute wurden befragt, aber nicht wir“, berichteten sie. Der jüngere Bruder erinnerte sich, dass sein Wunsch Anzeige gegen den Paketboten zu erstatten, mit der Bemerkung abgebügelt worden sei, gegen ihn laufe ja schon ein Verfahren. Auch habe der Polizist kein Interesse gehabt, etwa seinen Pullover mitzunehmen und erklärt, darauf ließen sich keine Spuren nachweisen. Auch dass es der Polizei nicht gelungen sein soll, seinen behandelnden Arzt zu ermitteln, wunderte ihn sehr.

    Schwierige Parksituation

    Generell scheint es häufiger Streit um das Parken in diesem Bereich der Spessartgemeinde zu geben. Der eine Bruder berichtete, häufig sei alles zugeparkt. „Unsere Damen verabreden sich eifrig zum Walken oder Joggen, aber zum Friseur oder Bäcker fahren sie mit dem Auto.“ Seine stets höflich und zurückhaltend auftretende Ehefrau sei schon häufig beleidigt worden, doch nach Anzeigen seien alle fünf Verfahren mangels öffentlichen Interesses eingestellt worden.

    Den Vorfall aufzuklären, wäre aufwändig geworden, der Richter hatte insgesamt sechs Zeugen geladen. Den Brüdern ging es darum, die Sache richtigzustellen, grundsätzlich strebten sie einen Freispruch an. Richter Olaf Teuber schlug dagegen die Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen vor. Der Staatsanwalt sträubte sich zunächst, weil bei beiden Brüder bereits Verfahren eingestellt wurden und sie recht forsch vor Gericht auftraten. Letztlich ließen sich aber alle Parteien auf eine Einstellung ein, was eine mehrstündige Verhandlung vermied. Der ältere Bruder muss 600 Euro an den Weißen Ring bezahlen (was von der Summer her dem Strafbefehl entspricht), der jüngere 200 Euro an die Lohrer Tafel (die Hälfte gegenüber dem Strafbefehl).

    Bezahlen müsse sie natürlich auch ihre Anwälte.

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