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    Lohr

    Autoteilen auf dem Land dünn gesät

    Es klingt so leicht und ist doch so schwer umzusetzen: Carsharing auf dem Land. Der Kreis Main-Spessart möchte das seinen Bürgern gerne anbieten, kommt bei dem Thema aber kaum voran. Eine Studie soll der nächste Schritt sein.

    Der Carsharing-Markt wächst, ist in Bewegung, stark vernetzt und etwas unübersichtlich geworden. Viele Anbieter sind am Start, die Auswahl ist groß. Jedoch konzentriert sich das Geschäft auf Großstädte und Ballungsräume, weil dort die größte Nachfrage besteht. Im ländlichen Raum hingegen sind Carsharing-Angebote dünn gesät, weil dort die meisten Haushalte eigene Fahrzeuge zur Verfügung haben und diese auch brauchen, um von A nach B zu kommen.

    Lücken schließen im Busverkehr

    Warum will Main-Spessart auf dem Gebiet trotzdem mitmischen? Carsharing gilt als Zweig des öffentlichen Nahverkehrs, der ausgebaut und verbessert werden soll, um die Mobilität auf dem Land für alle Einwohner zu gewährleisten. Es gilt als flexibles Verkehrsangebot und wird als Möglichkeit gesehen, verbleibende Lücken im Busliniennetz zu füllen.

    Beim öffentlichen Nahverkehr des Landkreises Main-Spessart ein neues Konzept für den Busverkehr im Vordergrund, das am 1. November 2019 anläuft. Zugleich habe man sich intensiv mit dem Carsharing beschäftigt, teilt die Pressestelle des Landratsamts auf Anfrage unseres Medienhauses mit. Ziel ist die Variante mit Elektrofahrzeugen, das E-Carsharing.

    Zu den Möglichkeiten gibt es eine Grobanalyse, über die vorigen Juli im Kreistag berichtet wurde. Als mögliche Standorte für Carsharing-Angebote im Landkreis wurden genannt: Arnstein, Esselbach, Triefenstein, Rieneck, Wiesthal, Mittelsinn, Neustadt und Urspringen.

    Gemeinden wissen noch nichts

    Jedoch bedarf es noch der Feinabstimmung mit diesen Gemeinden, denn manche wissen gar nichts von ihrem Glück. "Wir haben Bus und Bahn. Von unserer Seite besteht kein Bedarf", sagt zum Beispiel Andreas Zuschlag, der Bürgermeister von Wiesthal, zum Carsharing vom Landkreis. Man habe diesbezüglich kein Interesse angemeldet, wundert sich Zuschlag im Gespräch mit unserem Medienhaus.

    Auto buchen im Internet

    Viele Städte und Gemeinden arbeiten beim Carsharing mit kommerziellen Anbietern zusammen, etwa in Würzburg, wo Kunden des öffentlichen Nahverkehrs auf Kooperationspartner verwiesen werden und dort Sonderkonditionen beim Automieten erhalten können. Das Carsharing-Geschäft wird immer häufiger übers Internet abgewickelt.

    Auch Main-Spessart wird wohl Partner suchen müssen, schon allein wegen "der besonderen Schwierigkeiten für ein Carsharing im ländlichen Raum", wie die Pressestelle des Landratsamts mitteilt. Die Kosten und das damit verbundene Risiko seien für den Kreis sonst zu hoch.

    Beim E-Carsharing kommt dazu, dass erst Lademöglichkeiten für die Elektrofahrzeuge geschaffen werden müssten. "Um dieses Thema systematisch anzugehen, möchte der Landkreis eine Studie in Auftrag geben", sagt Pressesprecher Holger Steiger. Man wolle zunächst die sinnvollsten Standorte für Ladestationen festlegen.

    Für die Studie strebt der Landkreis eine Förderung durch den Bund an. "Wenn Ergebnisse vorliegen, sollen diese nochmals an die Kommunen herangetragen werden", sagt Steiger. Auch ein Carsharing-Workshop für die Kommunen werde überlegt.

    Auch werbefinanziert möglich

    Das wird also dauern. Schneller könnte eine Form von Carsharing auf örtlicher Ebene gehen, wie sie in Marktheidenfeld diskutiert wird. Eine Firma würde dort Fahrzeuge bereitstellen, die durch Sponsoren und Beiträge finanziert und dann vier Jahre in der Stadt genutzt werden könnten.

    Dieses Modell ist nicht neu und kann für eine Kommune attraktiv sein, weil für sie nur geringe Kosten und Verwaltung anfallen. Doch der Main-Spessart-Kreis "steht dieser Art der Werbefinanzierung eher ablehnend gegenüber", sagt Pressesprecher Holger Steiger. Eine Koordination durch den Kreis sei für diese Carsharing-Modelle nicht nötig, das müsste jede Gemeinde selber regeln.

    E-Carsharing
    Haben die angebotenen Autos einen Elektromotor, spricht man von E-Carsharing, wie es der Landkreis Main-Spessart anstrebt. Noch umweltfreundlicher wird diese Variante, wenn die Elektroautos mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren.
    Carsharing ist aus den englischen Begriffen "car" (Auto) und "sharing" (teilen) zusammengesetzt. Vom ursprünglichen Konzept, dass mehrere Personen gemeinsam ein Auto nutzen und dessen Kosten tragen, entfernt sich Carsharing immer weiter zu Geschäftsmodellen mit Flotten von Mietfahrzeugen.
    Nutzung: Anfang 2019 waren laut Bundesverband Carsharing 2,46 Millionen Kunden in Deutschland bei einem Carsharing-Angebot angemeldet, 350 000 mehr als im Vorjahr.
    Elektro-Anteil: Im Carsharing ist der Anteil der Fahrzeuge mit Elektroanztrieb 50-mal höher als im Bundesdurchschnitt der angemeldeten Kraftfahrzeuge. (eiei)

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