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    Karlstadt

    B26n-Planer: "Was gut ist für Karlstadt, ist gut fürs Projekt"

    Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts und der Verkehrsgutachter erläutern ihre Planung und die Verkehrsprognosen.
    Im Staatlichen Bauamt Würzburg: Abteilungsleiter Planung Falk Piller, Gutachter Alexander Goth sowie die Projektleiter Patricia Daniel und Martin Albert. Foto: Markus Rill

    Falk Piller ist überzeugt: "Die B26n ist ein sinnvolles Projekt." Der Abteilungsleiter Planung im Staatlichen Bauamt Würzburg zählt die Vorteile auf: "Der Landkreis wird erschlossen, die Ortsstraßen in Main-Spessart werden entlastet, der Verkehr wird gebündelt." Trotzdem versteht er – bis zu einem gewissen Maß – auch, dass es Gegner des Projekts gibt. 

    "Unser Interesse ist es, für die Kommunen zu planen. Wir wollen die Bürger mehrheitlich hinter uns bringen", sagt Piller. Aus Sicht des Bauamts sind die Fakten klar: Schon jetzt sind Arnstein und die Werntal-Gemeinden überlastet – und der Verkehr wird laut Prognose weiter zunehmen. Also sind die Entlastung und Verkehrsbündelung nötig. Auch für Karlstadt werde die B26n Vorteile bringen. 

    Wie eine Verkehrsprognose entsteht

    Alexander Goth, der die Verkehrsprognose für das Ingenieurbüro Brenner Bernard erstellt hat, erklärt: "Wir schauen uns das Straßennetz und die Nachfrage, also Fahrten von A nach B, an." Der Prognose für 2035 lägen die amtliche Straßenverkehrszählung von 2015 und ergänzende Sonderverkehrszählungen zugrunde. Dazu kommen unter anderem Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zur wirtschaftlichen Entwicklung, das "Landesmodell Bayern" und die Shell-Studie sowie bis dahin erfolgte Netzänderungen, wie die Ortsumgehung Hafenlohr. Durch die Berücksichtigung möglichst vieler Faktoren werde die Prognose genauer. 

    Für Main-Spessart kommt Goth zu dem Schluss, dass der Verkehr im ländlichen Bereich wegen der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung eher nachlassen werde. Aber auf den Hauptadern – beispielsweise Würzburg-Karlstadt sowie Arnstein-Karlstadt-Lohr – werde der Verkehr weiter zunehmen. "Die Zunahme im Privatverkehr wird geringer als in den letzten Jahrzehnten", so Goth. Beim Güterverkehr aber bleiben die Zuwächse stabil. Die Mobilitätswende sei also durchaus einberechnet. Falk Piller sagt: "Bisher war die Verkehrszunahme meistens noch etwas höher als prognostiziert." 

    Miteinander verglichen werden zwei Werte: der für 2035 prognostizierte Verkehr ohne Bau der B26n und der für 2035 prognostizierte Verkehr mit B26n. Und daraus ergebe sich der "hohe Wirkungsgrad der B26n", von dem Stefan Lehner, Leiter der Abteilung Straßenbau im Staatlichen Bauamt, neulich in der Karlstadter Bürgerversammlung sprach.

    Nicht immer einfach zu verstehen

    In der Versammlung aufgekommene Detailfragen lassen sich auch anhand dieser Vergleichszahlen klären. Wenn beispielsweise zwischen Karolingerbrücke und dem Kreisverkehr vor Karlburg eine Verkehrszunahme um 5600 Fahrzeuge, hinter dem Kreisel aber nur um 3900 errechnet wird, dann fragt sich der Laie, ob dort über 1500 Autos in einem schwarzen Loch verschwinden. Tatsächlich werden Fahrzeuge, die ohne B26n auf der anderen Mainseite zum Kreisel fahren würden, in diesem Szenario auf der Karolingerbrücke als Zuwachs dargestellt, bei der Weiterfahrt Richtung Wiesenfeld aber nicht mehr. 

    Dass sich derartige Berechnungen nicht auf den ersten Blick erschließen, ist Piller bewusst. "Ich glaube, es hat zwei Sitzungen im Karlstadter Stadtrat und Bauausschuss gebraucht, um zu vermitteln, dass die B26n eine Entlastung der Arnsteiner Straße in Karlstadt bringen wird." Gutachter Goth war bei diesen Sitzungen dabei. "Es ist besser, wenn diese Prognosen vom Gutachter persönlich erklärt werden", sagt Piller.

    Komplexe Planung

    Umgekehrt habe sich die Stadt Karlstadt auch gewinnbringend in die Planung eingebracht. "Bei der Umfahrung von Schönarts sind wir auf Wunsch der Stadt weiter von der Bebauung abgerückt", so der Planer. Auch die Linienführung nördlich von Karlstadt gehe auf Initiative von Bürgermeister und Stadtrat zurück. "Diese Vorschläge nehmen wir sehr gern an, wenn sie machbar sind", sagt Piller.

    Grundsätzlich sei die Planung im Raum Karlstadt wegen der Natur- und Wasserschutzgebiete komplexer als bei Arnstein. "Wir sind jetzt bei der Vorentwurfsplanung im Maßstab 1:5000. Wenn's ins Planfeststellungsverfahren im Maßstab 1:1000 geht, wird das alles noch sehr viel konkreter und detailgenauer." Die Befürchtung, der Saupurzel werde von der B26n zerschnitten, entkräftet Piller. "Wir bleiben dort auf der bestehenden Straße. Und wir könnten den Parkplatz auf die andere Straßenseite legen, um den Zugang zum Naherholungsgebiet zu erleichtern." Die ursprünglich autobahnähnlich vierspurig geplante Straße ist in den Planungen längst zur zweispurigen Bundesstraße mit einem Überholstreifen bei Steigungen geschrumpft.

    Wann der erste Spatenstich für das Großprojekt erfolgen werde, kann Piller nicht vorhersagen. "Es ist nicht absehbar, ob Einwände oder Klagen gegen die Straße kommen oder ob natur- oder tierschutzrechtliche Belange für eine Verzögerung sorgen", erklärt der Planer. Aber er bekräftigt, dass die Belange der Stadt berücksichtigt werden. Falk Piller betont: "Was gut ist für Karlstadt, ist gut für das ganze Projekt B26n."

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