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    Karlstadt

    B26n: Stadtrat Karlstadt lehnt Bürgerantrag mehrheitlich ab

    In der jüngsten Sitzung ging es um das umstrittene Projekt. Reichlich Gesprächsbedarf für die Trasse bei Karlstadt und im westlichen Landkreis.
    Die Karolingerbrücke bei Karlburg soll den Verkehr der B 26n aufnehmen. Die Aufnahme stammt vom September. 
    Die Karolingerbrücke bei Karlburg soll den Verkehr der B 26n aufnehmen. Die Aufnahme stammt vom September.  Foto: Karlheinz Haase

    In der mit rund 40 Zuhörern gut besuchten Stadtratssitzung am Mittwochabend stimmten 17 Stadträte gegen den Bürgerantrag mit der Überschrift "Weil Karlstadt es wert ist – nein zur B 26n". Sieben stimmten dafür – zu dem Zeitpunkt fehlte noch einer im Gremium. Der Bürgerantrag zur B 26n unterschied sich nur in Nuancen von den später behandelten Beschlussvorschlägen der Karlstadter Stadtverwaltung zum selben Thema.

    200 Karlstadter und damit deutlich mehr als ein Prozent der Wahlberechtigten hatten beantragt: Die Stadt Karlstadt lehnt die Planungen zur B 26n ab, solange bei den Planungen die folgenden drei Forderungen nicht umgesetzt worden sind:

    • Gemeinsames Planfeststellungsverfahren von Arnstein bis Karlstadt
    • Linienführung bei Heßlar nach Norden verschieben
    • Verzicht auf die Ausfahrt Karlstadt-Ost

    Sollten diese Forderungen nicht umgesetzt werden, wird die Stadt gegen das Planfeststellungsverfahren klagen. So lautet die zweite Forderung aus dem Bürgerantrag.

    Die Räte, die gegen diesen Antrag stimmten, hatten verschiedene Gründe. Bürgermeister Paul Kruck trug vor, die Formulierung "nach Norden verschieben" sei nicht ausreichend konkret. Stadtrat Armin Beck hingegen sah darin eine "Stärke des Antrags". So bleibe der Stadt ein Ermessensspielraum. Und wer die Ausfahrt Ost baue, schaffe damit die Grundlage für die Weiterführung zur A3 bei Helmstadt, was die Baugebiete "Steinlein" und "Wurzgrund" stark belasten würde.

    Michael Hombach wies darauf hin, dass viele Punkte aus dem Bürgerantrag in dem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung, den die Räte anschließend zu behandeln hatten, enthalten sind. Die Ausfahrt Ost sei auch in der bisherigen Form nicht mehr aktuell. Stefan Rümmer fand die Drohung mit der Klage nicht gut. Der Bürgerantrag konnte nur en bloc angenommen oder abgelehnt werden.  

    Stadt droht nicht von vorneherein mit Klage

    Im weiteren Verlauf der Sitzung stimmten die Stadträte – unabhängig von dem Bürgerantrag – Schritt für Schritt über die einzelnen Forderungen der Stadt zur Planung der B 26n ab. So verlangen ausnahmslos alle Stadträte ein gemeinsames Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt von Arnstein bis Karlstadt. Das wurde konkreter bei dem ebenso einstimmigen Beschluss, dass die vorgeprüften Planfeststellungsunterlagen für den Abschnitt Müdesheim bis Karlstadt bei der Regierung von Unterfranken vorliegen müssen, noch ehe der Bau des Abschnitts Arnstein-Müdesheim beginnt. 

    Dann ging es abermals – und zwar diesmal separat – um die Frage, ob die Stadt Karlstadt gegen das Planfeststellungsverfahren klagen wird, sollte diese Forderung nach der Planung von Arnstein bis Karlstadt nicht berücksichtigt werden. Kruck meinte, er halte diese Drohung nicht für das richtige Signal. Das staatliche Bauamt wisse auch so, dass die Stadt klagen werde, wenn nicht durchgehend geplant wird. Sieben Stadträte sprachen sich für die Verpflichtung zu einer Klage aus, 18 dagegen – inzwischen war das Gremium vollzählig.

    Wie geht es im Westen weiter?

    Die Kritiker der Trasse hatten bei der nächsten Frage einen Stadtrat mehr auf ihrer Seite. Neben Gunter Müller und Edgar Ehrenfels (beide Freie Wähler) stimmte diesmal auch Florian Burkard (CSU) wie die Grünen Anja Baier, Armin Beck, Gerhard Kraft, Horst Wittstadt und Wolfgang Tröster ab. 17 zu acht ging die Abstimmung aus zu der Feststellung: Vor Baubeginn des Abschnitts Müdesheim-Karlstadt muss der genehmigte Vorentwurf für den "Lückenschluss" von der Ortsumgehung Wiesenfeld bis nach Lohr vorliegen.   

    Westlich von Wiesenfeld sei noch kein Quadratmeter untersucht, argumentierte Gerhard Kraft. Die Main-Spessart-Spange sei ein Wunschkonzert, das frühstens in 15 Jahren umgesetzt werden könne. Gunter Müller erinnerte daran, dass ein Vertreter des Straßenbauamts kürzlich gesagt hatte, dass im Amt die Kapazität für die Planung knapp bemessen sei.

    Manfred Goldkuhle sagte: "Die Gemeinden Steinfeld, Lohr und Frammersbach müssen ihre Hausaufgaben machen und Lösungen vor Ort finden." Franz-Josef Scheeb merkte an, er wünsche sich für Erlenbach bei Wiesenfeld, dass die Trasse nicht zu nah am Ort vorbeiführt.  

    Ideen für Tunnel und Brücke

    Weiterhin ging es um die Linienführung nördlich von Karlstadt. Mit 19 zu sechs Stimmen votierten die Stadträte für folgende Forderungen:

    • Der Abstand zur bestehenden und künftigen Wohnbebauung ist zu optimieren. Es sollte auch eine Untertunnelung des Naturschutzgebiets nördlich der Segelflieger untersucht werden. Die Anbindung der Deponie ist zu klären, beispielsweise mit einer Brücke vom Gewerbegebiet "Hirschfeld" aus. Die Stadt will das noch mit dem Bauamt klären.   
    • Ein Lärmschutz entlang der künftigen Wohnbauflächen im Norden von Karlstadt und entlang der Karolingerbrücke ist vorzusehen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Karolingerbrücke Eigentum der Stadt ist.
    • Die Wege für Fußgänger und Radfahrer rund um Karlstadt sind insbesondere an der Karolingerbrücke kreuzungsfrei neu zu ordnen. Geh- und Radwege müssen vom Straßenverkehr getrennt werden. Eine separate Brücke für Fußgänger und Radfahrer ist zu untersuchen. 

    Einstimmig votierten die Stadträte dafür, dass das nachgeordnete Verkehrsnetz für alle Karlstadter Stadtteile als Teil eines Konzepts für den Landkreis Main-Spessart zu ertüchtigen ist.

    Gegenseitige Vorhaltungen  

    Über weite Strecken hatte es in der Stadtratssitzung grundsätzliche Argumente für und gegen das Großprojekt gegeben. Kruck warf Beck vor, es sei unehrlich, den Menschen im Werntal zu sagen, es gäbe Möglichkeiten zu einzelnen Ortsumgehungen. Er solle lieber sagen, dass er fundamental gegen die B26n ist.  Die jetzt angestrebte Lösung sei auch nicht mehr Autobahn-ähnlich, trug Kruck vor. Beck habe früher gesagt, mit einer kleineren Variante könne er leben.

    Beck sagte, die B 26n werde die genannten Ziele nicht erreichen und sei unnötig. "Wir sind von Autobahnen umgeben und an zentraler Stelle in Europa." Es werde überregionaler Verkehr in die Region gezogen. Ihm gehe es darum, Schaden von Karlstadt abzuwenden. Vor allem sei der Weiterbau zur A3 trotz der jetzt diskutierten Varianten westlich von Karlstadt nicht vom Tisch. Das gehe aus den Äußerungen des Bauamts hervor.

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