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    Marktheidenfeld

    BN Marktheidenfeld: Auch der Natur soll's gut gehen

    Die Vertreter der Ortsgruppe des Bund Naturschutz Marktheidenfeld sind entsetzt über den radikalen Rückschnitt des Efeus an der Mauer des alten Friedhofs. Von links: Joachim Hörnig, Erich Perchermeier und Ulrike Münz. Foto: Dorothea Fischer

    Wer gerne gärtnert, dem liegen nicht nur die Pflanzen, sondern auch die im Garten lebenden Tiere am Herzen. Nachhaltig bewirtschaftet bietet der eigene Garten, aber auch öffentliche Grünflächen Lebens- und Nahrungsraum für nützliche Insekten, Vögel und andere Kleintiere. Die Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) in Marktheidenfeld gibt konkrete Tipps und benennt Fehler, die aus ihrer Sicht gemacht wurden..

    Gemeinsam mit der Stadt Marktheidenfeld haben die BN-Mitglieder auf den Mainwiesen in Richtung Lengfurt begonnen, "lebendige Gärten" anzulegen. Ein Blühstreifen bietet insbesondere bestäubenden Insekten wie Bienen, Schmetterlingen oder Käfern ein vielfältiges Blütenangebot. Stauden, Apfelbäume, Totholz, Insektenhotel, Steinhaufen und Trockenmauern werden zum Rückzugsort für Krabbeltiere, Vögel und Igel.

    Auf den Mainwiesen in Richtung Lengfurt entsteht das Projekt "Lebendige Gärten" mit Apfelbäumen und Heuböcken. Foto: Dorothea Fischer

    "Die lebendigen Gärten sollen auch Anregung für Gartenbesitzer sein", erklärt Joachim Hörnig vom BN im Gespräch das Projekt. Marktheidenfelds dritter Bürgermeister (Freie Wähler) sieht einen der Schwerpunkte seiner Stadtratsarbeit im Erhalt der Natur in Marktheidenfeld. Er betont das sehr gute Verhältnis des BN zur Stadtverwaltung und dem städtischen Bauhof. "Wir bekommen immer Unterstützung, wenn wir sie brauchen", bestätigt Erich Perchermeier, Sprecher der Ortsgruppe. Trotzdem stellt er die Frage in den Raum: "Was kann man tun, damit auch die Pflanzen- und Tierwelt sagt: Marktheidenfeld, da geht’s dir gut?"

    Zuständigkeit für Umwelt beim Bauamt angesiedelt

    Und er liefert gleich Antworten: Perchermeier bedauert, dass Pflegemaßnahmen auf städtischem Grund manchmal nicht zum Wohle der Natur durchgeführt werden. Er sagt, er habe schon vor längerer Zeit angeregt, dass die Zuständigkeit des Umwelt- und Naturschutzes nicht am Bauamt, sondern unabhängig davon angesiedelt werde.

    Auf Anfrage betont Marcus Meier, Pressesprecher der Stadt Marktheidenfeld: Das Thema Umwelt- und Naturschutz werde als sehr wichtig eingestuft. "Seit mehr als zehn Jahren gibt es daher auch den Umweltbeirat", so Meier. Dort beraten und unterstützen Bürger die Stadt beim Thema Umwelt- und Naturschutz.

    Nach Ansicht von Perchermeier und Hörnig braucht es ein Pflegekonzept für das städtische Grün. Ein solches hätten die Freien Wähler im Stadtrat in der Vergangenheit bereits gefordert, es sei aber von den anderen Räten nicht angenommen worden, bedauerte Hörnig. Laut Marcus Meier wurde dem Rat vor geraumer Zeit ein Pflege- und Bewirtschaftungskonzept vorgestellt. Nun werde überprüft, welche dieser Flächen von pflegeintensiv auf pflegeextensiv umgestellt werden können.

    Neue Bäume, mehr Blumenwiesen, geräuscharme Geräte

    Meier nannte einige Beispiele, die in dem Konzept aufgelistet sind und angegangen werden sollen: Aufnahme in das Programm "Stadtgrün 2021 – Neue Bäume braucht das Land" der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim, mehr Blumenwiesenflächen, Umstellung auf geräuscharme Kombigeräte bei der Pflege oder Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz.

    Die Stadt Marktheidenfeld hat den Efeu, der die Mauer des alten Friedhofs bewachsen hat, radikal zurückschneiden lassen. Foto: Dorothea Fischer

    Die BN-Vertreter indes nennen einige Beispiel für missglückte Pflegemaßnahmen in diesem Jahr; etwa, dass der Efeu, der an drei Seiten die Mauer um den alten Friedhof begrünte, radikal zurückgeschnitten wurde. Es sorgte nicht nur für ein natürliches Aussehen, sondern war vor allem Nahrungsquelle für Insekten und Vögel, sagt Ulrike Münz. Sie hat einen, an die Mauer angrenzenden Garten. "Der Efeu steht jetzt in voller Blüte", so Erich Perchermeier, "eine besser Bienenweide gibt es nicht." Joachim Hörnig meint: "Bis das Efeu so nachgewachsen ist, dauert es Jahre."

    Doch dies ist von Seiten des Bauhofs nicht erwünscht. Pressesprecher Marcus Meier sagte, dass man bei Mauern immer wieder Probleme mit zerstörten Fugen und gelockerten Steinen habe. "Um die Mauern langfristig zu erhalten, ist daher ein regelmäßiger und dauerhafter Rückschnitt nötig", so Meier weiter.

    BN: Grünflächen zu früh gemäht

    Warum werden Grünflächen, wie am Reckenrückhaltebecken in Oberwittbach, bereits Mitte August gemäht, fragt sich die Bund-Naturschutz-Gruppe. "Das ist viel zu früh im Jahr", kritisiert Ulrike Münz. Besser sei es, Schilfrohr und Gräser erst im Herbst zu mähen, wenn dort lebende Vögel, wie der Tauchrohrsänger, weitergezogen seien. "Für den Bau des Regenrückhaltebeckens wurden von der Stadt an anderer Stelle ökologische Ausgleichsflächen geschaffen", so Meier.

    Das Regenrückhaltebecken im Marktheidenfelder Stadtteil Oberwittbach erholt sich langsam von den Schnittmaßnahmen im Sommer. Der Lebensraum für Wasservögel und -Insekten ist jedoch zerstört. Foto: Dorothea Fischer

    Perchermeier stört sich auch daran, dass das Mähgut nicht weggeräumt wurde. "Nach dem ersten Regen hat das abgemähte Schilf den Wasserablauf verstopft", sagt er. Würde man es wachsen lassen, würde das Becken seiner Funktion sogar noch besser gerecht – und es sähe schöner aus. Diese Anregung werden man gerne prüfen, war auf Anfrage aus dem Rathaus zu hören.

    Werden Wiesen im Hochsommer bis zur Grasnarbe gemäht, werden das Wachstum und die Aussaat seltener heimischer Pflanzen verhindert. So geschehen zum Beispiel auf Wiesen entlang des Nordrings, kritisieren Perchermeier, Hörnig und Münz. Aus dem Rathaus heißt es hierzu: "Die Mitarbeiter des Bauhofs sind bestrebt, die Schnittarbeiten so umweltschonend wie möglich vorzunehmen." In diesem Jahr sei sogar zwei Wochen später als üblich zurückgeschnitten worden. Durch unebenes Gelände könne es vorkommen, dass Grasnarben beim Mulchen in Mitleidenschaft gezogen werden und die Schnitttiefe zu niedrig erscheint.

    Die Vorstandsmitglieder des BN schlagen vor, etwa an den Mainwiesen größere Inseln Wildblumenwiesen stehen zu lassen. Dies würde Schmetterlinge, Wildbienen und seltene Vogelarten anlocken. Sie seien pflegeleicht und ersparen das Mähen. Damit die Bürger und Besucher Marktheidenfelds verstehen, warum diese Bereiche nicht gemäht werden werden, könnte die Stadtverwaltung kleine Schilder zur Erklärung aufstellen, meint Ulrike Münz.

    Dieses Abflussrohr wurde vom abgemähten Schilf und Gras verstopft, so dass kaum noch Wasser durchfließen konnte. Foto: Dorothea Fischer

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