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    KARLSTADT

    Bäume sterben leise - Endzeitstimmung in Unterfrankens Wäldern

    Verlichtete Kronen und ein Waldbild, das eher an November erinnert als an einen freundlichen Tag im Juli. Es steht schlecht um die Wälder vor allem auf der Fränkischen Platte.  Foto: Katja Sander

    Der Zustand der unterfränkischen Wälder ist erschütternd, heißt es in einer Pressemitteilung des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Karlstadt. Auf der Fränkischen Platte sind die Böden durchlässig und die Wasserhaltekraft ist gering. Hier sind die Folgen der vergangenen Trockenjahre besonders deutlich zu sehen. Hektarweise stirbt der Wald. Und der Tod kommt leise durch die Hintertür.

    Beinahe gespenstisch ist es im Wald. Kaum ein Vogel ist zu hören. Vereinzelt hämmert ein Specht an den abgestorbenen Baumriesen, die wie riesige Skelette in den Himmel ragen. Gnadenlos brennt die Sonne auf die verdorrte Erde, auf der sich nur noch wenig Leben rührt. Einzig Schwammspinnerraupen kriechen träge über den Boden. Geregnet hat es schon lange nicht mehr und wie bereits im Vorjahr ist es auch in diesem Jahr deutlich zu trocken.

    Invasion der Spinnerraupen

    Auch Tage später zeigt sich ein bizarres Bild: Hunderte braune Falter flattern im Zickzackflug hektisch zwischen den Baumgerippen umher. Die wenigen Bäume, die der Trockenheit trotzen konnten, sind den gefräßigen Schwammspinnerraupen zum Opfer gefallen. Jetzt, als Falter richten sie kaum noch Schäden an. Dennoch scheint es so, als würde hier, im blattlosen Wald, die Apokalypse ihre Schatten voraus werfen.  

    37 Jahre schon betreut Förster Werner Trabold, staatlicher Revierleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt (AELF), den Retzstadter Wald. Er kennt alle Bestände, weiß um deren Schwächen und Besonderheiten. Und er plant für deren Zukunft: Waldumbau, Naturschutz und Holzproduktion stehen auf der Agenda. Ziele, die sich  gut miteinander kombinieren lassen. Doch die diesjährige Situation in seinem Revier macht ihn sprachlos und wirft alle Pläne über den Haufen. "So dramatisch wie jetzt war es noch nie", sagt er.

    Selbst die Eichen leiden

    Überall zeigt sich das gleiche Bild. Kaum eine Baumart, die der Trockenheit und ihren Folgen standhält. Fichten, Eschen und Kiefern sterben, Eichen leiden. Selbst die standortheimische und als besonders robust geltende Buche kollabiert. Intensive Sonneneinstrahlung und Trockenheit machen ihr den Garaus. Die abgeplatzte Rinde im oberen Kronenbereich wirkt wie eine klaffende Wunde, durch die in das freigelegte Holz Pilze und andere Schadorganismen ungehindert eindringen können.

    Buchen mit Sonnenbrand

    Sonnenbrand bei der Buche ist ein Phänomen, das früher nur an besonders exponiert stehenden Bäumen beobachtet werden konnte. Mittlerweile zeigt es sich auch im Bestandesinneren. Die durch die Trockenheit verlichteten Kronen spenden keinen Schatten mehr und die Sonne brennt sich in die Rinde der Bäume ein. Unter den einst mächtigen Buchen vertrocknen selbst die Naturverjüngung und Bodenpflanzen.

    Die durch Hitze und Trockenheit geschwächten Bäumen werden dann auch noch von den gefräßigen Schwammspinnerraupen attackiert. Foto: Katja Sander

    Auch Trabolds Kollegen aus Main-Spessart, Aschaffenburg und Miltenberg zeichnen ein ähnlich düsteres Bild. Am Untermain vertrocknen die Kiefern, die Fichten sterben überall. Die Borkenkäferlawine scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein.

    Waldsterben 2.0

    Verantwortlich für den schlechten Zustand der Wälder ist der Klimawandel, der alles auf den Kopf stellt.

    Vorbei sind die guten alten Zeiten, als das Waldsterben noch sichtbar war und Abgase aus Fabrikschornsteinen als Hauptverursacher des großflächigen Waldsterbens der 80er Jahre identifiziert werden konnten. Diesmal ist die Sachlage komplizierter und die Ursachen sind vielfältiger. Die Klimakatastrophe ist ins Rollen gekommen und gewinnt immer mehr an Fahrt.

    Unter den lichten Kronen vertrocknen auch die Pflänzchen der Naturverjüngung.  Foto: Katja Sander

    In Unterfranken gab es in den vergangenen Jahren so wenig Regen, wie schon seit 100 Jahren nicht mehr. Die geringen Niederschläge liefern zu wenig Wasser um den Katastrophensommer 2018 auszugleichen. Häufige Trockenperioden begünstigen die Entwicklung von Schadorganismen, während gleichzeitig die Widerstandskraft der Waldbäume sinkt. Überall leidet der Wald, weil Buchen, Kiefern, Fichten und Eichen mit dem Tempo der Klimaveränderungen nicht Schritt halten können.  

    Dass es an der Zeit ist umzudenken, ist Förster Trabold längst klar. 20 Hektar, ehemals vitaler und artenreicher Wald, sind schwer geschädigt und teilweise abgestorben. Es herrscht Weltuntergangsstimmung.

    Doch damit nicht genug. Der Rückzug der Bayerischen Forstverwaltung aus der Kommunalwaldbewirtschaftung steht unmittelbar bevor. Eine fragwürdige Entscheidung wie Trabold findet, denn gerade jetzt benötigt der Wald Unterstützung von allen Seiten.  

    Bearbeitet von Peter Kallenbach

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