• aktualisiert:

    Karlstadt

    Baier will ein Landrats-Open-Air ins Leben rufen

    Christian Baier (rechts seine Frau Anja Baier, dritte Bürgermeisterin von Karlstadt) wurde als Landratskandidat der Grünen für Main-Spessart nominiert. Foto: Karlheinz Haase

    Christian Baier wurde am Montag im Karlstadter Hotel Mainpromenade mit 27 Stimmen als Landratskandidat von Bündnis90/Die Grünen nominiert. 28 Mitglieder des Kreisverbands waren zu der Versammlung gekommen. Ein ungültiger Stimmzettel wurde abgegeben.

    Nur zehn Tage zuvor hatte die Führungsriege der Main-Spessarter Grünen den 60-jährigen Arzt aus Karlstadt als designierten Kandidaten vorgestellt. Inhaltlich wiederholte er seine Antrittsrede, die er in fünf Abschnitte gliederte: Klimaschutz, Gesundheit, demografische Entwicklung, Wirtschaft und Bildung.

    Diesmal schloss er humorvoll mit der Feststellung: "Die Landrats-Radtour wird erhalten bleiben, ebenso der Landrats-Schoppen." Er habe zwar den Motorradführerschein, "aber sicherheitstechnisch wäre es ein Problem, wenn ich eine Landrats-Motorradtour anführen würde." Diese hatte Thomas Schiebel eingeführt. Als Musikfan verspricht er im Fall seiner Wahl stattdessen ein Landrats-Open-Air.

    "Gegen Lösungen, die Probleme schaffen"

    Nach seiner Vorstellungsrede durften ihm die Anwesenden, darunter auch einige Nichtmitglieder, auf den Zahn fühlen. Die erste Frage, der er sich stellen musste, drehte sich um die B 26n. Er vermied es, die schon zigfach gehörten Argumente zu wiederholen und beschränkte sich – wie schon vor wenigen Tagen – auf einen Satz: "Das ist klar, ich bin gegen Lösungen, die mehr Probleme schaffen, als sie lösen."

    Der Karlstadter Grünen-Stadtrat Wolfgang Tröster wollte mehr zum Thema Energiewende hören. Hier gelte es doch, möglichst viele ins Boot zu holen. Dem stimmte Baier zu: Im Moment werde das Ziel, in 35 Jahren einen energieautarken Landkreis zu haben und von fossilen Energiequellen wegzukommen, nicht konsequent genug verfolgt. Der Kandidat: "Wir haben gute Leute im Landkreis, die andere beraten, aber hier werden sie nicht gehört." Das wolle er ändern. 

    Erst einmal zuhören

    Überhaupt sei es seine Stärke, den Menschen erst einmal zuzuhören, sagte der Anästhesist, der neben Medizin auch Psychologie studiert hat. "Zuhören ist mein zweiter Name." Sein Grundprinzip sei es, dann sicherzustellen, ob alles richtig verstanden wurde, sich eine Meinung zu bilden und schließlich einen Konsens zu suchen. Er wolle auch mehr Lockerheit in solche Gespräche bringen. "Wir können die Verbissenheit weglassen, die wir erleben."

    Christian Baier sagte, wieder ein neues Krankenhaus zu bauen sei die immer gleiche Antwort auf Probleme im Gesundheitswesen. Mit der Investition von 140 Millionen Euro sei es aber nicht getan. "Wichtig sind die Menschen, die hier arbeiten." Zwar seien die Praxen und die Pflege abhängig von der Bundespolitik, aber es gebe Möglichkeiten und Ideen für kleinere, dezentrale Lösungen.

    Ein Zuhörer fragte, wie das in Marktheidenfeld aussehen könnte. Es sei illusorisch, die Notaufnahme dort wieder aufzumachen. Aber es werde möglich sein, stationäre und ambulante Behandlungen zu vermischen. So etwas komme immer auf die Akteure vor Ort an, die zum Beispiel in einem MVZ (Medizinischen Versorgungszentrum) organisiert sind.      

    "Das Sinntal fühlt sich abgehängt"

    Auf die älter werdende Gesellschaft reagiere der Landkreis bisher sehr verzögert mit "Maßnahmen der alten Politik". Baier: "Wir müssen hier an der Infrastruktur arbeiten." Klaus Hofmann, der 30 Jahre für die Burgsinner Alternative Liste Gemeinderat war, bat Baier, im Falle seiner Wahl den Sinngrund nicht zu vergessen. "Die Menschen dort fühlen sich abgehängt", zum Beispiel in puncto Wirtschaft, Ärzte, ÖPNV oder Senioreneinrichtungen.

    Als Teilhaber an einer eigenen Praxis wisse er, was es heißt, für Arbeitsplätze geradezustehen, sagte Baier. Die Digitalisierung werde die Arbeitsplätze weiter verändern. Er sehe darin aber mehr Vorteile als Nachteile. Bildung sei schließlich die Grundvoraussetzung für allen Erfolg. 

    Christian Baier ist seit 2014 Mitglied des Kreistags Main-Spessart. Er sagt, auch wenn ihm seine Arbeit als Arzt große Freude mache, sei die Kandidatur für den Landratsposten eine logische Folge seines Engagements. 

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!