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    GEMÜNDEN

    Banker plündert aus Langeweile 96 Sparkonten

    Sparkonten hat ein Bankkaufmann 2016 im Landkreis Main-Spessart über einen Zeitraum von einem halben Jahr unbemerkt aufgelöst - 96 an der Zahl! Die Beträge zwischen 11,31 und 8976 Euro summierten sich auf 80.676,96 Euro, ehe der 27-Jährige eher zufällig aufflog. Daneben fingierte er sechs Bausparverträge. Das Schöffengericht Gemünden blieb am Mittwoch am unteren Strafrahmen und verurteilte den geständigen Mann wegen Untreue in Tateinheit mit Urkundenfälschung zu 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldauflage von 3000 Euro.

    Ein außergewöhnlicher Fall

    Es war ein außergewöhnlicher Fall, wie das Gericht mehrfach zum Ausdruck brachte. Da sei zum einen das Motiv: hauptsächlich Langeweile am Arbeitsplatz des Bankkaufmanns. Zum anderen „ist es unglaublich und erschreckend, wie leicht es ihm gemacht wurde“, befand der Staatsanwalt. Es gab keine Kontrolle der Kontoauflösungen und auch keine Information an die Kunden. Tatsächlich scheint bis heute kein Sparer etwas bemerkt zu haben, da der junge Mann bzw. seine Eltern den Schaden ersetzt und das Institut die „gelöschten Konten wiederbelebt“ haben.

    Eingesetzt in einer kleinen Filiale und dort meistens allein, hatte der Bankkaufmann die vielen Sparkonten ohne Umsätze bemerkt. „Was passiert, wenn man die Konten auflöst? Merkt der Kunde das?“, diese Fragen habe er sich gestellt, so der Angeklagte. Nach ein, zwei folgenlosen Probelöschungen habe eine Art „Sucht gegen die Langeweile in der Filiale, so ein Kick“ bei ihm eingesetzt, dass er alle paar Tage mehrere Sparkonten mit gefälschten Unterschriften löschte.

    „Ich brauchte das Geld nicht“, erklärte der Angeklagte dem Gericht. Erst später begann er, mit dem gestohlenen Geld einen Autokredit abzulösen und Sparkonten anzulegen – beim eigenen Kreditinstitut. „Ja, das war Dummheit“, stimmte der heute 28-Jährige fast amüsiert dem Vorsitzenden Richter Thomas Schepping zu. Ob ihm nie Bedenken gekommen seien? – „Schon, aber irgendwann denkt man sich: Jetzt ist es eh zu spät.“

    Fingierte Bausparverträge

    Aufgefallen war schließlich der sechsfache Abschluss von in der Niedrigzinsphase schwer verkäuflichen Bausparverträgen. Prämien gewähre der Arbeitgeber dafür nicht, sagte der junge Mann, doch gebe es Zielvereinbarungen; der Chef habe deutlich gemacht, dass von den Nachwuchskräften nur derjenige mit den besten Zahlen zu Fortbildungen mit der Möglichkeit einer Beförderung geschickt werde. Die sechs Verträge habe er fingiert, so der Bankkaufmann, da er in seiner kleinen Filiale im Gegensatz zu seinen Konkurrenten in großen Zweigstellen keine Möglichkeit gehabt habe, die gesetzten Ziele zu erreichen.

    Als die Revisionsabteilung des Kreditinstituts misstrauisch wurde und den Mitarbeiter näher befragte, war er schnell geständig. Er legte alle Fälle auf den Tisch und beglich den Schaden. Dies und dass er bislang unbescholten war und seit der fristlosen Kündigung in einer anderen Branche Arbeit hat, würdigte das Gericht, wenngleich „erhebliche kriminelle Energie“ und ein hoher Schaden zu konstatieren seien. Das Urteil blieb deutlich unter der Regelstrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe und wurde von allen Beteiligten angenommen. Im letzten Wort hatte der 28-Jährige unter Tränen noch hervorgebracht: „Es tut mir leid, auch für meine Freundin, die hat auch darunter gelitten.“

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