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    Lohr

    Bayerstürmer: Hilfe, überall Touristen

    Der Bayerstürmer
    Foto: Zeichnung Achim Greser

    Die Nachricht kam für diese Sommersaison etwas spät: Urlaubsziele sind ab sofort danach herauszusuchen, ob sie auf Instagram was hermachen. Hätte uns das keiner früher sagen können!? Jetzt liegen wir an einem Strand, der aussieht wie jeder Strand auf der Welt – hier Sand, ein paar Meter weiter beginnt das Wasser, dahinter Horizont. Okay, der Sonnenuntergang ist hier einzigartig. Wenigstens von dem wird jeden Abend ein Bildchen gepostet. Denn so schaut die Sonne natürlich nur hier aus und sonst nirgendwo.

    Nächstes Jahr aber wird alles anders. Da geht es mit dem Selfiestick in den Felsenpool Queens Bath auf Hawaii, zur Inkastadt Machu Picchu in Peru und dann noch mal für ein paar Instagrambildchen zur Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha. Fliegen ist dafür neuerdings völlig unnötig. Wofür gibt's denn Renn-Segelyachten.

    Nur noch fremde Gesichter

    Da die fotogenen Motive nun noch überlaufener sind als bisher, gibt es neue Aufgaben für Tourismusmanager. Anzeigen in Ferienmagazinen schalten, von Messe zu Messe tingeln, Leute so lange mit Rambouräpfeln umgarnen, bis sie buchen, das war einmal. Heute braucht es Tourismusfachleute, die genau das Gegenteil tun: Die Massen umleiten oder besser noch verscheuchen – damit überhaupt noch jemand das Lohrer Schneewittchenschloss sieht, wenn er auf dem Platz davor steht.

    Wir sollten uns glücklich schätzen, dass wenigstens am Marktplatz das Hotel zum schwarzen Adler, der Hirschen und weiter oben die einstige Mälzerei abgerissen sind. So halten sich die alten Gemäuer, die weltweit die Touristen aus unerfindlichen Gründen so magisch anlocken, in Lohr wenigstens einigermaßen in Grenzen. Hoffentlich kommt auch die alte Turnhalle bald weg und wird die Muschelgasse doch noch asphaltiert. Und über den Bayersturm sollte man allmählich auch mal nachdenken.

    Schon diskutiert der Stadtrat, die Festwoche und Kreuzfahrtschiffe endgültig zu verbannen. Der Wellenschlag dieser Ungetüme soll schon für Risse in der alten Mainbrücke sorgen. Und die Lohrer fühlen sich vor allem in der Sommerzeit schon längst nicht mehr wohl zu Hause. Nur noch fremde Gesichter auf dem Marktplatz. Nicht auszuhalten. Wer nicht unbedingt hier bleiben muss, flieht in seine Villa im Tessin.

    Bearbeitet von Karlheinz Haase

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