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    Gemünden

    Behutsame Umgestaltung des Friedhofs Gemünden

    Gut eine Stunde warb Bürgermeister Jürgen Lippert am Montagabend in Gemünden vor rund 60 Bürgern für das Friedhofskonzept der Stadt und erhielt am Ende Beifall. Foto: Michael Fillies

    Eine Eindämmung der stetig und enorm steigenden Friedhofskosten, das Angebot vieler Bestattungsformen und nicht zuletzt ein ordentlicher Anblick – das sind die Ziele des Friedhofskonzepts, das der Gemündener Stadtrat im Januar beschlossen hat. Bürgermeister Jürgen Lippert wirbt persönlich um Akzeptanz. Auf seiner Tournee über die elf Friedhöfe der Stadt stand er am Montagabend rund 60 Bürgern in Gemünden Rede und Antwort und erhielt am Ende nach über einer Stunde Beifall für seine Ausführungen.  

    Im Gemündener Friedhof mit den teils stark gelichteten Grabreihen zeigt sich besonders deutlich, wie der höhere Pflegeaufwand durch nicht (mehr) belegte Gräber die Kosten treibt und wie der Anblick durch die Brachflächen leidet. Ursächlich dafür sind der geringere Platzbedarf durch die heute häufigen Urnen- statt Sargbestattungen und die Konkurrenz durch Friedwälder und Ruheforste. Die neue Friedhofsbenutzungssatzung sieht insgesamt eine Verdichtung und eine Zusammenführung der Bestattungsformen vor, sodass sich zwei große Freiflächen ergeben werden. Sie machen zusammen schätzungsweise ein Drittel der Friedhofsfläche aus. 

    Gebühren für vier Jahre festgelegt

    Die Pflege dieser Freiflächen wird dann nicht mehr aus dem Friedhofsetat bestritten, sondern aus allgemeinen Haushaltsmitteln. Da das Bestattungswesen möglichst kostendeckend zu sein hat, könne auf diese Weise der Gebührenanstieg gebremst werden, erläuterte Bürgermeister Lippert. Dennoch habe an den im Januar ebenfalls beschlossenen, teils erheblichen Gebührenerhöhungen kein Weg vorbei geführt. Der Kommunale Prüfungsverband hatte das hohe Jahresdefizit von über 100 000 Euro kritisiert. Die neuen Gebühren seien auf vier Jahre kalkuliert, sodass sie alle vier Jahre neu zu berechnen sind - "sprich: zu erhöhen", so Lippert.   

    Die größte Sorge der Zuhörer galt der Frage, wie die Freiflächen gebildet werden sollen, ob dafür Grabstellen nicht weiter belegt werden dürfen oder gar verlegt werden müssten. Beides schloss der Bürgermeister mehrfach kategorisch aus: Jedes bestehende Grab bleibe solange erhalten, wie die Ruhefristen dafür verlängert werden bzw. wie Hinzubettungen erfolgen. Das beschlossene Friedhofskonzept reiche weit in die Zukunft. Jürgen Lippert: "Wenn ich von Zukunft rede, dann rede ich von vielen, vielen Jahren in der Zukunft. Da bin ich schon lang kein Bürgermeister mehr." 

    Urnen und Särge in einem Grab möglich

    Auf mehrere Nachfragen hin bekräftigte Lippert, dass Urnen auch in normalen Gräbern (mit und ohne Sarg) beigesetzt werden können; bis zu acht oder zehn Urnen, ergänzte Bestattungsunternehmer Johann Joa. Als auf den beispielhaft ansprechend gestalteten Seifriedsburger Friedhof verwiesen wurde, erläuterte der Bürgermeister, dass dort jede Familie Familiengräber unterhalte, die heute auch mit Urnen besetzt werden, und dass in den 1980er Jahre der örtliche "sehr rührige Obst- und Gartenbauverein mit seinem Vorsitzenden" selbst die Neugestaltung des Friedhofs sogar mit Umbettungen organisiert hatte.

    Das Friedhofskonzept für Gemünden sieht im alten und im neuen Teil jeweils eine große Freifläche vor. Foto: Michael Fillies

    Wie in Langenprozelten wurde auch in Gemünden der Wunsch nach einer Urnenwand geäußert. Der Bürgermeister schloss einen solchen Bau nicht aus, verwies aber auf die sicherlich fünfstelligen Kosten dafür, die wieder auf alle Friedhofsgebührenzahler umgelegt werden müssten. Grundsätzlich hält er eine Urnenwand in Gemünden für überflüssig, da für Urnengrabstätten, Urnenerdgräber und Urnenerdröhrengräber mehr als genügend Platz vorhaben sei.

    Wiesengräber ohne Pflegeaufwand der Angehörigen

    Das Langenprozeltener Stadtratsmitglied Thomas Schmitt zeigte Fotos von einem kanadischen Friedhof mit einem Mix an Sarg- und Urnengräbern in einer Wiese. Das sei grundsätzlich auch in den städtischen Friedhöfen möglich, sagte Lippert dazu, nur müsse dann für die Urne eben eine Wiesengrabstätte (1700 Euro mit 20 Jahren Ruhefrist) anstelle eines Urnengrabes (800 Euro mit zehn Jahren Ruhefrist) erworben werden. "Aber", so Lippert, "wer nur eine Urne will, soll kein Wiesenerdgrab kaufen müssen." Die 30 mal 30 Zentimeter großen Namenstafeln, sofern gewünscht, können erdbündig in der Wiese oder an der umgebenden Friedhofsmauer angebracht werden. 

    "Wir werden viel anbieten, aber nicht für jeden alles anbieten können", sagte Bürgermeister Lippert auf Nachfragen der früheren Stadträtin Karin Hartmann-Neudek. Die Wiesengrabfläche für schmucklose Gräber werde sicher keine Blumenwiese werden; selbstverständlich aber werde Angehörigen beispielsweise an Allerheiligen gestattet, für zwei Tage etwas auf die Grabplatte zu stellen. Für Baumbestattungen werden zusätzlich zum vorhandenen noch zwei weitere Bäume vorgesehen. Christel Gumpp fragte, ob die seit Jahrzehnten im Bauhof gelagerten Kreuzwegstationen in den Friedhof zurückkehren werden. Der Bürgermeister will das klären.

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